Ein Katzwanger wird zum Global-Player

Holger Burkhardt: Radprofi in Schweizer Team mit armenischer Lizenz und 15 Fahrern aus Estland, China, Japan, Armenien, Australien und Taiwan

Radprofi Holger Burkhardt wird in dieser Saison zum Global-Player: Seit Januar trägt der 22-jährige Katzwanger das Trikot des Teams »CKT-Champion System». Es handelt sich dabei um die erste Continental-Profi-Mannschaft mit armenischer Lizenz für die 15 Fahrer aus sieben Nationen.
»Für mich ist es eine neue sehr interessante Herausforderung, für diese internationale Mannschaft zu fahren, die schwerpunktmäßig ihre Rennen vor allem im asiatischen Raum bestreitet», sagt der fränkische Straßencrack, der bei zwei Rennen in Dubai und Abu Dhabi sehr angenehm vom Team und seinen Teamkameraden überrascht war. »Eine tolle, bunte Truppe, in der man sieben verschiedene Sprachen spricht. Offizielle Teamsprache ist englisch und damit verstehen wir uns alle recht gut», stellte Burkhardt bereits beim ersten Treffen der Mannschaft fest.

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Internationale Truppe

Neben vier jungen Armeniern, zwei Fahrern aus Estland, einem Japaner und einem Chinesen, einem Taiwanesen und einem Australier fahren mit Holger Burkhardt, Serge Herz und Benjamin Stauder auch drei junge deutsche Profis für das CKT-Team, dessen Sitz in der Nähe von Luzern ist. Die beiden Schweizer Dominic Keller und Markus Kammermann, ein einstiger Bahnspezialist, fungieren als Teamchef und Sportleiter der Mannschaft, die aus dem früheren südafrikanischen Team »CKT-Neotel» hervorging.

Mit dem Schweizer Roger Beuchat (38), der in seiner langjährigen Karriere zahlreiche namhafte Rennen gewann und dem spurtschnellen Esten Jan Kirsipuu hat die Mannschaft zwei echte Routiniers an der Spitze, von deren Erfahrung die jungen Fahrer profitieren können.

Von Kirsipuu lernen

Jan Kirsipuu, einst vierfacher Etappen-Sieger und Träger des Gelben Trikots bei der Tour de France, ist trotz seiner 40 Jahre bei rasanten Sprintankünften noch immer sehr gefürchtet. Allein 2009 konnte Kirsipuu immerhin sieben Rennen gewinnen. Ein wesentlicher Grund für die Teamleitung den populären Oldtimer zu verpflichteten. »Unsere wichtigste Aufgabe wird es sein, die beiden Kapitäne Kirsipuu und Beuchat bei allen Rennen und Rundfahrten optimal zu unterstützen», weiß Holger Burkhardt, der sich vor allem auf die zahlreichen Einsätze in Asien freut.

Die Firma CKT, ein taiwanesischer Fahrradhersteller, erhofft sich vom Team gute Werbung in ganz Asien und möchte, beginnend in der Schweiz, sich langfristig auch in Europa etablieren. »Die CKT-Rennmaschinen sind leichte Carbon-Räder, schnell und von ausgezeichneter Qualität» lobt Holger Burkhardt sein neues Sportgerät.

Demnächst in Mexiko

Holger Burkhardt bereitet sich derzeit gewissenhaft auf die mexikanische Rundfahrt »Vuelta Telmex» vor, die am 18. April beginnt. Holger bedauert es, dass er Anfang März nicht schon bei Rennen in Mumbay/Indien dabei sein konnte: »Da standen noch wichtige Prüfungen für mich an», sagt der ehrgeizige Franke, der an der Uni Nürnberg weiterhin Wirtschafts-Wissenschaft studiert.

Nach Mexiko wird Holger Burkhardt hauptsächlich in Asien starten, wobei der endgültige Rennkalender noch mit der Teamleitung so abgestimmt wird, dass er vor weiteren Uni-Prüfungen eine ausreichende Rennpause erhält. »Im Oktober möchte ich gerne in Australien bei der Herald-Sun-Tour fahren und im November ist die Tour de Hainan in China das abschließende Highlight meiner Saison 2010», sagt Holger Burkhardt, der im Vorjahr noch für ein österreichisches Team fuhr.

Übers Internet

»Eigentlich bin ich selbst überrascht, wie gut und vor allem wie schnell das mit dem Wechsel geklappt hat», gesteht Holger Burkhardt, der durch eine Internet-Seite auf die CKT-Mannschaft aufmerksam wurde. » Ich hab’ mir das alles näher angesehen. Als ich las, dass die Teamleitung in der Schweiz ist und dass man noch Fahrer sucht, habe ich einfach mal bei Dominic Keller angerufen und zwei Wochen später war alles klar», erzählt er.

Seine deutschen Teamkameraden Serge Herz (26) aus Niedersachsen und Benjamin Stauder (22) aus Kirchzarten kennt Holger Burkhardt zwar schon von früheren Rennen, doch heuer sieht er sie fast nur bei Rennen im Ausland. »Gemeinsames Training ist natürlich nicht möglich», bedauert Holger, der seine vielen Trainingskilometer eisern und allein in den heimischen Jurahöhen um Spalt abspult.

Quelle: Schwabacher Tagblatt, 10.04.2010
Text / Foto: MANFRED MARR.