Presseartikel

Ein Spezialist und idealer Berater

Altmeister Dieter Burkhardt führt sein Radgeschäft mit Leidenschaft

VON DIETER BRACKE

NÜRNBERG – Das Fahrrad, das Karl Freiherr von Drais im Jahre 1817 erfunden hat, bestimmte sein Leben seit frühester Jugend und lässt ihn nicht mehr los: Dieter Burkhardt, Jahrgang 1955, sitzt zwar nicht mehr als Rennfahrer im Sattel, aber er gilt in seinem Radgeschäft im Norden Nürnbergs für Interessenten als Spezialist und idealer Berater. Die stolzen Erfolge des gebürtigen Stuttgarters, der im unterfränkischen Dittelbrunn aufgewachsen und seit einigen Jahrzehnten in der Noris beheimatet ist, sind nicht nur den Radsportexperten im Gedächtnis haften geblieben.
Kein Wunder angesichts der stattlichen Bilanz: Bei mehr als 120 Rennen stand er als Sieger auf dem obersten Treppchen. Und dies in vielen Ländern Europas und sogar in Südamerika bei Tages- und auch Etappenrennen.
An welchen Triumph erinnert sich Burkhardt besonders? Die Antwort kommt nach kurzem Zögern: „Es war der erste deutsche Meistertitel mit dem Straßenvierer der RSG Nürnberg 1979. Und dies in der alten Heimat Dittelbrunn, dazu noch an meinem Geburtstag.“ Einem weiteren DM-Sieg mit dem Vierer folgte 1982 auch ein Titel als Einzelfahrer. In diesen Disziplinen stand er danach, dies erwähnt der 60-Jährige so nebenbei, jahrelang immer auf dem Siegerpodest. Der deutliche Beweis seiner Klasse und Beständigkeit.
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Sein größter Triumph: 1982 wurde Dieter Burkhardt in Rosenheim Deutscher Meister im 1er Straßenfahren

Doch warum hat ein derart erfolgreicher Rennfahrer nicht den Sprung ins Profilager vollzogen? Gewagt wäre die richtige Formulierung angesichts Burkhardts Aussage: „Wir konnten vom Frühjahr bis in den Herbst permanent Rennen fahren und haben gut verdient.“ Über manche Gehälter der Profis hätten sich er und seine Kollegen schiefgelacht. Der Blick auf das Geschehen der Gegenwart verbietet Optimismus. Weil ein starkes deutsches Team fehle, seien die meisten Profis nur Ergänzungen in ausländischen Teams. Eine triste Situation, für die Burkhardt eine Erklärung hat, ohne dabei tief schürfen zu müssen: „Es gibt in Deutschland kaum noch Rennen, so dass die Probleme um den fehlenden Nachwuchs immer größer werden.“ Das kürzlich verkündete Ende der Bayern-Rundfahrt untermauert dies. Mit Wehmut erinnert sich der Altmeister in diesem Zusammenhang an das damit verbundene Aus des Nürnberger Altstadtrennens, sein Steckenpferd. „Das waren tolle Veranstaltungen mit Superstars wie Jan Ullrich, Erik Zabel, Marco Pantani oder Fabio Baldato und großer Zuschauerkulisse“, blickt er zurück.
Der Radsport und Doping – ein heißes Thema, bei dem Burkhardt nicht ausweicht und auch nicht nach Ausflüchten sucht. Die eigenen Erfahrungen dabei entlocken ihm ein Schmunzeln. „Entweder ich oder ein anderer RSG-Starter musste bei jedem Rennen zur Dopingkontrolle“, erzählte er, „weil wir mit dem Bund Deutscher Radfahrer im Clinch lagen. Mit unseren Forderungen nach strukturellen Veränderungen blitzten wir leider zunächst ab und zogen uns den Zorn der Verantwortlichen zu.“
Keinerlei Verständnis hat Burkhardt für das Verhalten von Ullrich und dessen Aussage, er habe niemanden betrogen, „ denn alle haben gedopt“, übrig. „Ich kann auch nicht bei Rot über die Ampel fahren, weil dies der Autofahrer vor mir getan hat“, meint er kopfschüttelnd. Eine Frage, die bei diesem leidigen Thema immer wieder auftaucht: Könnte ein Profi bei der Tour de France in den Alpen oder Pyrenäen eine Königsetappe furios gewinnen, ohne gedopt zu sein? „Schon“, meint der Ex-Meister und fügt aufklärend hinzu: „Bei den folgenden Etappen aber würde er keine Rolle spielen können.“
Da der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, eiferte Burkhardts Sohn Holger seinem Vater nach. Er galt als talentiert und fuhr auch für die eine oder andere deutsche Spitzenmannschaft. Doch dann erkannte er den Niedergang seiner Sportart und nahm rechtzeitig die Kurve: Er hat ein Masterstudium begonnen. Sehr zur Freude des Vaters, der nur schwer an eine Wende im Radsport glaubt.
Für das erwähnte Problem mit dem fehlenden Nachwuchs hat Dieter Burkhardt noch eine Erklärung parat: „Früher sind viele Leute mit den Jungs zu Rennen gefahren. Heute aber packen sie ihre Räder ein und starten dann irgendwo bei einem Jedermann-Rennen.“ Ein zweischneidiges Schwert für ihn: Zwar profitiert er mit seinem Geschäft von dieser Entwicklung, doch seine Sportart zieht daraus keinen Nutzen.
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In seinem Radgeschäft im Nürnberger Norden berät Dieter Burkhardt seit Jahren seine Kunden kompetent

Nürnberger Zeitung, 01.02.2016

Holger Burkhardt bei der BR-Radltour

Am Montag, 03.08.2015 war Holger Burkhardt Gast in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens. Im Rahmen einer ausführlichen Berichterstattung über die diesjährige BR-Radltour wurde auch ein Beitrag über das Team Heizomat gesendet und Holger als Interview-Gast eingeladen.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/sport-in-der-abendschau/radsport-holger-burkhardt-team-heizomat-br-radltour-100.html

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Erst sorgfältig putzen, dann fahren

Wer mit dem Rad in den Frühling starten will, sollte ein paar Tipps beherzigen
 
VON THOMAS SCHARRER
 
Orkantief „Niklas“ wird sich irgendwann ausgetobt haben, die Sonne kommt heraus und bei angenehmen Frühlingstemperaturen lockt ein Ausflug mit dem Fahrrad - entweder nur um die Natur zu genießen oder um sich richtig fit zu trimmen. Doch gerade nach dem Winter sollte man dem Rad - egal, ob reinrassiges Sportgerät oder nur Fortbewegungsmittel - ein wenig Aufmerksamkeit schenken.
 
NÜRNBERG — Das hat beinahe jeder Radler schon mal erlebt: Man schwingt sich bei endlich frühlingshaften Temperaturen euphorisch in den Sattel, will endlich wieder die Natur auf zwei Rädern genießen, aber die Freude ist schnell verflogen. Die Kette rattert, die Schaltung quietscht oder - noch schlimmer - beim ersten stärkeren Bremsvorgang ruckelt die Gabel oder ein Bremszug reißt und macht das Anhalten fast unmöglich.
Wer sein Rad - egal, ob Renn- oder Tourenrad - den Winter über im Keller eingelagert hat, und sich im Herbst nicht mehr zu einer gründlichen Überholung aufraffen konnte, der sollte spätestens jetzt im Frühjahr seinen Drahtesel überprüfen – oder überprüfen lassen. Dieter Burkhardt, früher erfolgreicher Rennfahrer, Manager des Teams Nürnberger und jetzt Inhaber eines Radgeschäfts in Nürnberg, empfiehlt, jede Radsaison mit gründlichem Putzen zu beginnen.
„Nur bei einem sauberen Rad“, sagt Burkhardt, „ist es möglich, die so wichtige Sichtkontrolle durchzuführen, mit der man eventuelle Schäden erkennen kann.“ Dazu genügt ein normales Autowaschmittel, ein Schwamm und, wenn Staub oder Dreck entfernt sind, ein Poliermittel, mit dem man das Rad wieder erstrahlen lässt. Am Ende dann ein paar Tropfen Öl auf Schaltung und Kette, und der Drahtesel ist schon fast wieder flott. Wer sich halbwegs gut mit einem Zweirad auskennt, der überprüft dann den Rahmen und die Züge auf mögliche Risse, kontrolliert alle Schraubverbindungen, weil besonders Schutzbleche oder Lichthalter nervtötend klappern, wenn die nicht mehr fest sind.
Beim Nachziehen der Schrauben sollte man allerdings nicht mit roher Gewalt vorgehen. Leichte Alu- oder Karbonteile dürfen nur mit einem vom Hersteller bestimmten Drehmoment angezogen werden, sonst können sie später brechen oder reißen. Wer da nicht das nötige Werkzeug hat, der sollte lieber einen Fachmann ranlassen, sonst ist der mögliche Schaden schnell größer als der angestrebte Nutzen. Auch für die laut Burkhardt nötige Kontrolle von Lagern, Naben und Schaltungen ist schon eine gewisse technische Fertigkeit nötig.
Bevor man endlich aufsteigen kann, noch die Reifen überprüfen, mit dem richtigen Luftdruck aufpumpen und dann die erste Testfahrt vielleicht nicht gleich bei vollem Tempo auf einer stark befahrenen Straße absolvieren.
 
Die Kette!
Neben den Reifen ist bei einem Rad die Kette dem größten Verschleiß ausgesetzt - und diesen so unscheinbaren wie effizienten Antriebsstrang sollte man auch regelmäßig kontrollieren. Die vielen Glieder einer Fahrradkette dehnen sich nämlich durch den Gebrauch aus, und eine derart „gelängte“ Kette läuft nicht mehr sauber über die hinteren Ritzel und die vorderen Kettenblätter. „Dadurch“, erläutert Burkhardt, „kann der ganze Antriebsstrang Schaden erleiden. Die Kosten sind dann viel höher als die rund 15 Euro für eine neue Kette.“ Der Zustand einer Kette lässt sich nur mit einer Kettenmesslehre bestimmen. Die hat jeder Radhändler, die Überprüfung dauert nur ganz kurz - und lohnt sich.
Für die einzelnen Schritte, wie man seinen Renner fit fürs Frühjahr und die neue Saison macht, gibt es auch zum Beispiel beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club -
www.adfc.de - umfangreiche Checklisten und viele nützliche Tipps im Internet. Wer nicht selber Hand anlegen will, kann sein Gefährt natürlich auch zu einem Händler in die Werkstatt bringen. Auf rund 50 Euro - ohne eventuell nötige Ersatzteile - beziffert Burkhardt den kompletten Check. „Regelmäßige Wartung“, sagt der Spezialist, „erhöht den Spaß am Fahren, die Lebenserwartung des Rades und spart so letztlich Geld.“ Jetzt muss sich also nur noch Sturmtief „Niklas“ verziehen, dann können die Räder endlich wieder rollen.

 
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 Zwei Spezialisten und ein topgepflegtes Rad: Christian Fischer (links) und Dieter Burkhardt erklären, wie man sein Zweirad fit für die neue Saison macht.
Foto: tsch

Nürnberger Nachrichten sowie alle angeschlossenen Regionalzeitungen
01.04.2015
 
 

Holger Burkhardt ist wieder zurück im Frankenland

Holger Burkhardt ist wieder zurück im Frankenland
Der 27-jährige Katzwanger fährt in der neuen Radsportsaison 2015 für das Team Heizomat – Große Ziele gesteckt
 
VON MANFRED MARR
 
Für Holger Burkhardt beginnt in diesen Tagen ein neuer Abschnitt seiner rund 10-jährigen Radsportkarriere. Der 27-jährige Katzwanger, der in den vergangenen fünf Jahren für die Teams Champion-Systems, Nutrixxion-Abus und Ur-Krostitzer-Giant gefahren ist, wir heuer für das Team-Heizomat starten, das sich im Vorjahr den Mannschaftssieg in der Rad-Bundesliga erkämpft hat. „Ich freue mich, dass ich wieder in meine frühere Mannschaft zurückkehren konnte“, erklärte der ehrgeizige Allrounder, der im Vorjahr mit rund 20 Top-Platzierungen hatte aufwarten können.
 
Das fränkische Team-Heizomat geht mit neun Fahrern in die Straßensaison 2015, wobei vom Team des Vorjahres, das mit 30 Siegen für das bisher erfolgreichste „Heizomat-Jahr“ gesorgt hat, nur noch Julian Essers (Marburg) und Fabian Schormair (Aichach) dabei sind. Angesichts der sieben Neuzugänge wartet auf Sportleiter Markus Schleicher (47), der das Team seit seiner Gründung  im Jahr 2002 erfolgreich leitet, wieder reichlich Arbeit, die ihm jedoch noch immer sichtlich Spaß macht.
„Im Laufe der Jahre habe ich mich daran gewöhnt, immer wieder mit neuen und auch sehr jungen Fahrern zu arbeiten. Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die mir besonders viel Freude macht, wenn sich bei uns junge Talente erfolgreich weiterentwickeln“, sagt der erfahrene Ex-Profi aus Unterfranken, der das Team in seine 14. Saison führt, davon die achte Saison als das wohl dienstälteste deutsche KT-Team!
Ein kleiner Rekord am Rande, auf den Schleicher aus besonderem Grund zurecht stolz sein darf. „Unser Team erhält keinerlei öffentliche Förderung. Im Gegensatz zu einigen anderen Mannschaften können wir weder auf Bundes- noch auf Landesverbandsmittel zurückgreifen. Unser gesamter Etat kommt ausschließlich aus der freien Wirtschaft“, betont Schleicher, der vor allem der Firma Heizomat aus Maicha bei Gunzenhausen sehr dankbar ist, die das Team seit 2002 unterstützt, seit sieben Jahren als alleiniger Hauptsponsor!

 
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Umfangreiches Programm
 
Wie in den Vorjahren absolviert das Team Heizomat auch heuer ein sehr umfangreiches und interessantes Rennprogramm im In- und Ausland mit diversen Rundfahrten und renommierten Eintagesrennen, wobei zu den Höhepunkten wieder die deutschen Profi-Klassiker in Frankfurt, Köln und Berlin zählen sowie die internationale Bayern-Rundfahrt.
„Wir werden unsere sieben neuen Fahrer Benjamin Edmüller, Philipp Zwingenberger, Aaron Kraus, Gero Walbrühl, Laurin Winter, Sascha Starker und Holger Burkhardt ganz gezielt einsetzen“, erklärt Schleicher. Vor allem von Benjamin Edmüller und Holger Burkhardt verspricht er sich einiges. „Beide haben als routinierte Straßenfahrer eine langjährige Erfahrung und besitzen die Fähigkeit und auch die Bereitschaft unsere jungen Rennfahrer zu führen und zu unterstützen.“ Dabei denkt Markus Schleicher vor allem an Aaron Kraus (19) aus Freiburg und Laurin Winter (18), den Sohn des einstigen Deutschen Straßenmeisters Uwe Winter aus Stuttgart. Aaron Kraus, der 2013 die Junioren-DM im Zeitfahren gewonnen hat, gilt ebenso wie der DM-Fünfte Laurin Winter als hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Gero Walbrühl (Euskirchen) verstärkt das Heizomat-Team als Allrounder, Sascha Starker (Bensheim), der deutsche Vizemeister am Berg, als sehr guter Kletterer.
 
Sieben neue Fahrer
 
LV-Straßenmeister Philipp Zwingenberger (Chemnitz), der bereits im Januar beim Berliner Sechstage-Rennen in die neue Saison gestartet ist, will sich in den nächsten Monaten voll und ganz auf den Straßenrennsport konzentrieren. „Zusammen mit Julien Essers und Fabian Schormair, die im Vorjahr vier Heizomat-Siege erkämpften, werden unsere Sieben neuen Fahrer ihr Bestes geben“, ist Schleicher überzeugt. Und Holger Burkhardt ergänzte optimistisch: „Gute Platzierungen hatte ich 2014 reichlich, heuer muss wieder ein Sieg her!“
 
Nürnberger Zeitung, 28.02.2015

Burkhardt will´s nochmal wissen

Burkhardt will`s nochmal wissen
 
VON MANFRED MARR
 
2014 hatte Studium Vorrang
Für 2015 sportlich einiges vor
 
Katzwang – Das Jahr 2014 war für den Katzwanger Radsportler Holger Burkhardt kein leichtes. Bis April büffelte der Student der Wirtschaftswissenschaften noch eifrig für seinen erfolgreichen Bachelor-Abschluss. Zugleich trat er beim Vorbereitungstraining auf die ersten Frühjahresrennen kräftig in die Pedale. „Ich musste da natürlich Abstriche bei meinen sportlichen Ambitionen machen, doch es lief insgesamt doch erstaunlich gut“, freut sich der 27-Jährige, der für das Elite-Team „Ur-Krostitzer-Giant“ an den Start ging.
 
Nach einer etwas unglücklich verlaufenen Saison 2013, in der er auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, kann sich Holger Burkhardts Rennbilanz 2014 durchaus sehen lassen. Bei 63 Starts in nationalen und internationalen Rundstrecken- , Straßenrennen und Kriterien erreichte er 27 Platzierungen unter den ersten Zehn. Fünf Mal stand er bei sehr gut besetzten Rennen mit auf dem Treppchen, drei Mal als Zweiter und zwei Mal als Dritter!
 
„Schade, dass es mit dem Sieg heuer nicht geklappt hat. Mehr als einmal fehlte mir da nur das letzte Quäntchen Glück“ bedauerte der ehrgeizige Straßencrack, der seit Oktober für seinen „Master“ ein Fernstudium an der Universität Hagen absolviert. „Durch das Fernstudium habe ich im kommenden Jahr bessere Möglichkeiten meinen Sport mit dem Studium abzustimmen“ freut sich Burkhardt, der bereits seit November ein umfangreiches Trainingsprogramm für die Rennsaison 2015 absolviert.

 
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Reiche Erfahrung
 
Dabei kommt ihm seine reiche Erfahrung aus über zehn Rennjahren zu Gute: „Ich werde zwar ausreichend trainieren aber nicht mehr so extrem viele Trainingskilometer wie in früheren Jahren fahren, denn ich habe festgestellt: weniger nützt manchmal mehr. Inzwischen weiß ich auch, dass mir das harte Straßentraining bei winterlichen Temperaturen hier in der Region wesentlich mehr bringt, als der gleiche Umfang an Trainingskilometern unter südlicher Sonne.“
 
Schon jetzt freut sich Holger Burkhardt, der als ergänzendes Wintertraining auch an Crossrennen am Reichelsdorfer Keller teilnahm, auf die Straßensaison 2015. „ Ich will es im kommenden Jahr noch einmal wissen. Gute Platzierungen hatte ich heuer ja reichlich, doch 2015 muss endlich ein Sieg her“, sagt Burkhardt entschlossen. Offen ist derzeit nur noch die Frage, in welchem Trikot er in die nächste Saison starten wird, nachdem das sächsische Team zum Ende des Jahres verlassen wird.
 
„Die Planung und Organisation waren bei der Mannschaft Ur-Krostitzer-Giant zwar gut und ich fühlte mich im Team auch recht wohl, doch ich hatte einen wesentlichen Nachteil. Als Fahrer aus Süddeutschland musste ich zu den meisten Rennen allein anreisen“, sagt Burkhardt, der heuer neben seinen rund 25.000 Trainings- und Rennkilometer fast ebenso viele Autokilometer absolvieren musste. „Ich würde deshalb 2015 gerne für eine Mannschaft aus dem süddeutschen Raum fahren“, ergänzte er. Derzeit prüft er noch Angebote einiger Teams: „Meine Entscheidung wird in den nächsten Wochen fallen“
 
Schwabacher Tagblatt, Mittwoch 17.Dezember 2014

Burkhardt: Neustart bei Ur-Krostitzer-Giant

02.12.2013 | (rsn) - Ur-Krostitzer-Giant hat einen weiteren Fahrer mit Continental-Erfahrung unter Vertrag genommen wurde. Nachdem bereits Jacob Fiedler (von NSP Ghost) verpflichtet wurde, konnte sich das ambitionierte Elite-Team nun noch mit Holger Burkhardt (von Abus Nutrixxion) verstärken. Seinen Wechsel bestätigte der 25-Jährige gegenüber radsport-news.com.

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Holger Burkhardt fährt künftig für das Team Ur-Krostitzer-Giant. | Foto: ROTH

Dabei hilfreich waren die engen Beziehungen zwischen den beiden früheren und nun künftigen Teamkollegen. „Jakob ist ein sehr guter Freund und wir sind 2007 und 2008 zusammen beim Milram-Continental-Team gefahren“, so Burkhardt, der mit Erik Mohs und Michael Weicht beim Team Ur-Krostitzer-Giant auf zwei weitere frühere Milram-Teamkollegen treffen wird.

Für sein neues Team, das von Renzo Wernicke geleitet wird, fand der Neuzugang nur lobende Worte. „Die Mannschaft läuft bisher ja als Renngemeinschaft - ich habe aber jetzt schon festgestellt, dass weitaus professionellere Strukturen herrschen als in vielen Continental-Teams. Schon wenige Wochen haben gezeigt, dass ein sehr enger und persönlicher Kontakt zu den Rennfahrern gepflegt wird, was mir sehr gut gefällt. Ich denke, mein neues Team ist sehr motiviert und engagiert, mit großen aber realistischen Plänen und Zielen“, sagte Burkhardt.

Weniger positiv sieht er allerdings sein zurückliegendes Radsportjahr. „Die Saison 2013 war irgendwie seltsam. Es war für mich durchzogen von einigen Rückschlägen, die alle alleine betrachtet nicht schlimm waren, aber in der Summe mich nie wirklich in die Saison starten ließen", sagte er. Wie viele andere hatte der Nutrixxion-Fahrer das komplette Frühjahr über in Folge des schlechten Wetters mit ständigen Erkältungen zu kämpfen. Hinzu kamen noch zwei Sturzverletzungen, von denen eine auch noch einen operativen Eingriff erforderte.

Den Wechsel zu Ur-Krostitzer-Giant um Kapitän Eric Baumann sieht Burkhardt denn auch als einen Art Neustart an. ,,Es hat in diesen Herbst in einer für mich sehr schwierigen und fast aussichtslosen Situation im Radsport auf einmal einfach eins zum anderen gepasst. Durch den Wechsel sprühe ich wieder vor Motivation und freue mich sehr auf die kommende Saison“, so der Allrounder, der im Februar seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften abschließen wird.

„Ab dem Sommersemester möchte ich dann mit einem Master, ebenfalls in Nürnberg, weitermachen“, kündigte Burkhardt an, auch künftig zweigleisig zu fahren.

Quelle: Radsport-News-News-Com 02.12.2013

Als Teamarbeiter unverzichtbar

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Stellt sich in den Dienst der Mannschaft: Holger Burkhardt

Seit heute ist er wieder auf Chinas Straßen unterwegs. In Asien kennt er sich bestens aus, dort wird er ehemalige Teamkameraden treffen. Die Rede ist von Holger Burkhardt aus dem Dortmunder Rad-Team „Abus Nutrixxion“, der - bevor er seit Anfang des Jahres für die Ruhrgebietsmannschaft in die Pedale trat - für die in Hongkong beheimatete Sportgruppe „Champion System“ fuhr. Die Akklimatisierung hat der Neuzugang längst geschafft.

Natürlich blickte der 24-Jährige im Vorfeld der Tour of China zurück auf die vergangenen beiden Jahre in Asien. Auf die bunt gemischte Mannschaft mit Profis aus den USA, China, Australien, Österreich, Malaysia und der Schweiz. Ein ziemlich schriller Haufen. Und dazwischen Holger Burkhardt aus Deutschland, besser gesagt aus Nürnberg. Aus einer Familie, in der Radsport groß geschrieben wird. Vater Dieter war in den 1970- und 80er-Jahren einer der besten Straßenfahrer Deutschlands, vierfacher Deutscher Meister. „Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich schon ganz jung die ersten Rennen gefahren. Aber mein Vater war dagegen“, erinnert sich Burkhardt, der mit 14 Jahren seinen ersten Wettkampf bestritt.

Die unterschiedlichen Nationalitäten in China seien nicht das Problem gewesen, so Burkhardt. Eher der Umstand, aus einer großen Mannschaft eine Einheit zu formen. „Wir sind ja kaum Rennen zusammen gefahren. Immer wieder waren die Teams unterschiedlich besetzt.“ Und als das Management in Hongkong das Team komplett umstrukturieren wollte, da orientierte sich der Bayer schnell um. Richtung Dortmund.

Seit Januar ist er im Team. Die Größe der Dortmunder Equipe sei genau richtig, vollprofessionell mit einem super Rennprogramm und einer ausgeglichenen Besetzung. „Wir sind elf Fahrer, die sich alle richtig gut kennen, sich verstehen. Einfach ideal“, so Burkhardt. Nur so könne Vertrauen aufgebaut werden, nur so könne der eine für den anderen auf seine Chance verzichten. Und verzichtet hat Holger Burkhardt reichlich. Obwohl der Bayer ein richtig schneller Mann für den Sprint ist, hat er sich als Anfahrer zur Verfügung gestellt für seinen Teamkollegen Michael Schweizer. Weil der eben noch etwas schneller sei, so Burkhardt: „Michael ist eine Bank für das Podium.“ Das heißt gleichzeitig aber auch für Burkhardt. Der persönliche Erfolg muss hinten an stehen. Besonders für Sprinter eine ziemlich bittere Erkenntnis.

Seit heute steht Sprinter Burkhardt wieder am Start, bei der Tour of China. Zusammen mit Sebastian Körber vertritt er die kleine Sprinterfraktion. Die natürlich andere Aufgaben hat, als sich ausschließlich auf die Flachetappen zu konzentrieren. Im Grunde ist es ein Spagat zwischen Flachland und Bergetappen.

So wie im richtigen Leben. Denn vom Radsport allein kann man in dieser schwierigen Zeit nicht mehr leben. Also versucht der 24-Jährige seit einiger Zeit den Spagat aus professionellem Rennsport mit 80 bis 90 Renntagen und dem Studium der Wirtschaftswissenschaft.

In China wird sich Burkhardt in den Dienst seines Kapitäns stellen. Der heißt Dirk Müller. Keine schlechte Wahl, möchte man sagen. Immerhin gewann Müller die Rundfahrt vor zwei Jahren.

Peter Kehl, WAZ 07.09.2012
Foto: Roth

„Wehmut, gemischte Gefühle und Ärger“

Vor dem letzten Altstadtrennen äußert sich der Mitbegründer Dieter Burkhardt im Interview

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Vom Radsport ist Dieter Burkhardt nie losgekommen: In Nürnberg betreibt er ein Rad-Fachgeschäft, Sohn Holger ist Profi im Team Nutrixxion.

Am nächsten Sonntag findet das einstmals weit über die Grenzen Nürnbergs hinaus bekannte Radrennen um die Altstadt letztmals statt. Ab 2013 wird es in die Schlussetappe der Bayern-Rundfahrt eingebettet. Vor über 20 Jahren hatte Dieter Burkhardt, deutscher Ex-Meister und langjähriger Leiter des Teams Nürnberger, das Rennen aus der Taufe gehoben. Wir sprachen mit Burkhardt über Vergangenheit und Zukunft des Franken-Klassikers.

Herr Burkhardt, wann waren Sie letztmals an der Organisation des Altstadtrennens beteiligt?
Dieter Burkhardt: Das war 2002. Danach war ich draußen.

Das sind jetzt also 10 Jahre Abstand. Kommt da am nächsten Sonntag noch Wehmut auf, denn das 22. Altstadtrennen ist ja definitiv das letzte in seiner bisherigen Form?
Burkhardt: Wehmut, vor allem aber gemischte Gefühle. In das Rennen haben alle Beteiligten, vor allem in den Anfangsjahren, viel Herzblut gesteckt. Und wenn man weiß, wie groß das Rennen einmal war, und hat dann in den vergangenen Jahren den Niedergang mit ansehen müssen, dann tat und tut das einfach weh.

Gehen Sie denn am Sonntag noch einmal hin?
Burkhardt: Sicher. Genauso, wie ich nächstes Jahr auch zur Bayern-Rundfahrt gehe.

Es wird ja jetzt so getan, als gehe das Nürnberger Rennen mit der Bayern-Rundfahrt nahtlos weiter. Sehen Sie das auch so?
Burkhardt: Na ja, nicht ganz. Da beschwindelt man sich schon etwas selber. Denn die Bayern-Rundfahrt gibt es als eigenständiges Etappenrennen schon lange. Aber mit dem Nürnberger Rennen fällt eben wieder eine Veranstaltung aus dem Kalender heraus. Der Radsport hat ja ziemlich viele Federn lassen müssen in den vergangenen Jahren.

Ärgern Sie sich darüber noch?
Burkhardt: Am Anfang, als ich merkte, dass es mit dem Rennen bergab geht, habe ich mich sehr geärgert. Es sind einige schwerwiegende Fehler gemacht worden, und so hat man etwas Großes zerstört.

Welche Fehler meinen Sie?
Burkhardt: Es ist ja oft so dargestellt worden, dass das Rennen nicht überleben konnte, weil die Nürnberger Versicherung vor drei Jahren als Hauptsponsor komplett ausgestiegen ist. Aber der Knackpunkt war schon der Ausstieg der Versicherungsgruppe als Sponsor des Männerteams 2002. Damit hat man auch das Ende des Rennens eingeleitet.

Das müssen Sie jetzt etwas näher erklären.
Burkhardt: Wir hatten am Anfang eine geniale Konstruktion. Ein Nürnberger Männerteam, das hier Woche für Woche viel Medieninteresse bekommen hat; dahinter mit der RSG einen sehr engagierten Verein und einen potenten Hauptsponsor, bei dem sich der damalige Vertriebsdirektor Wolfgang Leiber voll mit dem Radsport identifiziert hat; schließlich noch – und das war vielleicht das Wichtigste – mit Peter Schönlein einen Oberbürgermeister, der das Rennen wollte und alle bürokratischen Hemmnisse beiseite geschafft hat. Aber als das Männerteam aufgelöst wurde, da fiel das erste Standbein weg und dann glaubte man, der Frauen-Weltcup sei wichtiger als das Hauptrennen. Das konnte nicht funktionieren und das hat auch nicht funktioniert.

Aber letztlich ist das Rennen doch an Geldmangel gestorben.
Burkhardt: Ja, aber schon vor 2009, weil man da nämlich schon Geld für ein zugkräftiges Elitefeld der Männer abgezogen hat, um es für andere Dinge zu benutzen. Dieter Flögel und ich wollten immer Spitzenradsport in Nürnberg präsentieren. Aber ein Männerrennen quasi als Appetitanreger für das vermeintlich wichtigere Frauenrennen zu sehen, das konnte nicht gutgehen.

Sind Sie trotzdem froh, dass die Bayern-Rundfahrt für mindestens drei Jahre in Nürnberg einsteigt?
Burkhardt: Ja. Das ist ein Glücksfall, wir werden wenigstens wieder Top-Radsport hier sehen und nicht eine eher bunte Veranstaltung, in der dann immer gewaltig hohe Zuschauerzahlen angegeben werden, um so eine nicht mehr vorhandene Qualität vorzutäuschen.

Interview: THOMAS SCHARRER

Nürnberger Nachrichten, 27.08.2012

Von ungefilterter Leidenschaft und kleinen Träumen

Von Sigmund Dunker

NÜRNBERG - Es ist eine Mär, dass alle Radfahrer notorische Frühaufsteher sind. Holger Burkhardt dreht sich noch einmal um, als die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster blitzen. Er ahnt noch nichts von der Aufregung, die ihn ein paar Stunden später befallen sollte. Burkhardts Tag beginnt um zehn Uhr mit einem ausgedehnten Frühstück, dann steigt er aufs Rad, 20 Kilometer, von Katzwang in die Nürnberger Innenstadt.

Für ihn ist das nicht mehr als ein „Warmwerden“ – vor dem 21. Altstadtrennen, vor seinem großen Auftritt. Groß nicht für den Profi Burkhardt, der Reifenabdrücke schon in China und Australien in den Asphalt drapiert hat, wohl aber für den Menschen Burkhardt, den 23-jährigen Studenten der Wirtschaftswissenschaften, der als Profi noch nie vor seinen Freunden und Verwandten in Nürnberg fahren durfte. Sie haben sich alle bereits am Hauptmarkt versammelt, ihr Blick wird später auf die Startnummer 82 gerichtet sein.

Schon als kleiner Steppke trat Burkhardt eifrig in die Pedale, bei der RSG Nürnberg erkannten sie rasch, dass er die Anlagen für eine Profikarriere mitbringt. Die guten Gene mögen dabei eine Rolle gespielt haben, immerhin sammelte Burkhardts Vater Dieter einst deutsche Meistertitel wie andere Briefmarken. Dass der berühmte Vater auch Ballast sein kann für die Karriere, hat Burkhardt, der für das Continental-Team Champion System fährt, früh lernen müssen. An diesem Tag macht er sich keinen Druck. Auf der Strecke wird er viele Fahrer wiedertreffen, die er schon seit Jugendtagen kennt. Viele bewegen sich auf seinem Niveau, Kampfansagen verkneift sich Burkhardt lieber. Um 14.15 Uhr nimmt auch bei ihm die Anspannung zu.

Er steht im Fahrerlager am Augustinerhof und nestelt nervös an seinem Rad. Burkhardt hat sich entschlossen, auch noch am Dernyrennen teilzunehmen, zusammen mit einem Belgier, der auf seiner Schrittmachermaschine das Tempo für ihn vorgibt. „Ich bin noch nie ein Dernyrennen gefahren“, räumt Burkhardt ein – und auch, dass „die Aufregung größer geworden ist, seit ich hier in der Innenstadt bin“. Beim Eliterennen, sagt er, wird viel vom Glück abhängen, auch davon, im richtigen Moment die richtige Ausreißergruppe zu erwischen.

Burkhardt kann sich nicht auf seine Mannschaft verlassen, er fährt mit anderen Profis in einem deutsch-schweizerischen Mix-Team. „Ich erwarte ein nervöses, unkontrollierbares Rennen“, sagt er noch, dann muss er zum Start. Die Dernys brettern los – und Burkhardt saust seinem Schrittmacher hinterher. Das Tempo ist hoch, sehr hoch. Nach 36 Minuten am Limit kommt Burkhardt als Zweiter ins Ziel. Er wirkt erschöpft, das Rennen hat Kraft gekostet. Ihm bleiben nicht mehr als zehn Minuten bis zum Start des Eliterennens. Kann das gutgehen? Drei, vier Runden fährt der Nürnberger noch im großen Feld mit, dann steigt er aus.


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Holger Burkhardt (links) freut sich doch noch über seinen 2. Platz im Dernyrennen hinter dem Sieger Sebastian Körber.

Spitzengruppe harmonierte bestens
Die Startnummer 82 erlebt nicht mehr, wie nach gut der Hälfte des Rennens ein italienischer Fahrer stürzt und das Altstadtrennen erstmals in seiner langen Historie unterbrochen vulgo neutralisiert werden musste. Er bekommt auch nur am Rande mit, dass sich eine dreiköpfige Spitzengruppe gebildet hat. Helmut Trettwer, Leif Lampater und Alexander Krieger harmonieren perfekt, sie bauen ihren Vorsprung kontinuierlich aus.

Es sind drei Namen, die den meisten der offiziell nur 30000 Zuschauer nichts sagen. Drei Namen, die – wenn man gemein sein möchte – den Niedergang des traditionsreichen Rennens verkörpern, das einst die Superstars der Szene anlockte. Augenfällig ist aber auch, wie diese Sportler es lieben, in Nürnberg zu fahren, wie sie bis zum Äußersten gehen.

Das Altstadtrennen mag Glamour verloren haben, selten war das Fahrerfeld allerdings auch so jung und ambitioniert. Bis zum Schluss bleibt das Trio beisammen, Trettwer, der stärkste Kletterer, setzt auf den Burgberg in der letzten Runde. Seine Taktik geht auf, dem Antritt des Oberbayern vom Team Baier Landshut ist weder Lampater (Team Irschenberg) noch Krieger (Team Heizomat) gewachsen. „Die Situation war günstig für mich, denn ich wusste, dass ich am Berg Vorteile habe. 450 Meter vor dem Ziel bin ich angetreten. Es ist grandios, hier zu gewinnen, die Stimmung am Burgberg war famos“, jubelte Trettwer, der seine beiden Konkurrenten im Ziel am Vestnertor um fünf Sekunden distanziert hatte.

Burkhardt hatte damit nichts mehr zu tun. Als er das Podium betritt, um sich für den zweiten Platz im Dernyrennen ehren zu lassen, wirkt er ein bisschen so, als wüsste er nicht, ob er sich wirklich darüber freuen solle. „Auf dem Podium zu stehen, das wäre ein Traum“, hatte er vor dem Altstadtrennen gesagt. Jetzt jubeln sie ihm zu, aber nicht für das Rennen, das er eigentlich im Sinn gehabt hatte.

„Ich habe das Dernyrennen etwas unterschätzt. Ich musste 150 Prozent geben, um vorne dabei zu sein zu können.“ Der Preis, den er dafür bezahlte, war hoch. „Ich hatte mich gar nicht erholt und merkte früh im Eliterennen, dass für mich nichts mehr geht.“ Burkhardt lächelt. Nürnberg, meint er, habe ihm trotzdem viel gegeben. Und nun? „Ich bin ziemlich kaputt, wir werden noch schön Essen gehen, mehr ist heute nicht mehr drin.“ Er blickt hinüber zu seinen Freunden, zu seiner Familie. Sie haben Blumensträuße für ihn mitgebracht.

Siegmund Dunker, Nürnberger Zeitung 05.09.2011

Als Nürnberg den Radsport beherrschte

Bis in die 80-er Jahre dominierten fränkische Athleten

Von Loeffelholz, Burkhardt und Flögel im Gespräch

Der Nürnberger Straßenradsport hat eine große Tradition. Profi Georg Umbenhauer (1936), die Amateure Fritz Scheller (im gleichen Jahr) und Karl Kittsteiner (1940), Kittsteiner (1946) und Georg Voggenreiter (Schwalbe Nürnberg, 1947) als Profis sowie Heinrich Rühl als Amateur (1947) errangen den deutschen Titel. In ihre Fußstapfen trat Jürgen Goletz (1964), ehe die Fahrer der 1973 gegründeten RSG Katzwang, deren Aushängeschilder bis dahin Klaus Burges und Gerhard Scheller waren, zwischen 1976 und 2001 eine beispiellose Erfolgsserie hinlegten. Sie wurde 1976 eingeleitet vom Trio Friedrich von Loeffelholz, Dieter Burkhardt, Dieter Flögel. "Das war einmalig", sagt von Loeffelholz im Rückblick. Er verpasste bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal mit dem Vierer auf Rang vier Bronze nur um 13 Sekunden und wurde 1978 erstmals Deutscher Meister. Ihm folgten, als aus der RSG Katzwang die RSG Hercules geworden war, Hans Neumayer (1980), Dieter Burkhardt (1982), Dieter Flögel (1983), Thomas Freienstein (1984), Werner Stauff (1986), Steffen Rein (1991), Stephan Gottschling (1992) und Bert Dietz (1993). Innerhalb von 16 Jahren standen neun verschiedene Nürnberger Fahrer auf dem höchsten Podest.

"Der Radsport war mein Leben," meint der heute 56jährige "Radbaron", der 1980 im Alter von erst 25 Jahren seine Karriere beendete. Für den jetzt 57 Lenze zählenden Dieter Flögel war 1984 Schluss, Dieter Burkhardt (heute 55) saß bis 1986 im Sattel."Wir waren bereit, in jedem Rennen bis zum Anschlag zu fahren und Teamarbeit zu leisten," erinnern sich Burkhardt und Flögel. Wir betrieben unseren Sport professioneller und konsequenter als die Konkurrenz und setzten uns im Rennen immer Ziele. "Es hat sich ausgezahlt, dass wir getreu dem Motto an den Start gingen: "Lieber einen schlechten, als gar keinen Plan", so Burkhardt. Alle drei, die den ersten deutschen Titelgewinn 1979 mit dem Vierer als unvergessliches Erlebnis bezeichnen, sind auch beruflich ihren Weg gegangen. "Die Erfahrungen als Hochleistungssportler halfen uns," sagen sie unisono.

Der spurtstarke Burkhardt, der 1976 aus Dittelbrunn zur RSG gekommen war, blieb auch nach dem Ende seiner Karriere dem Radsport verbunden. 16 Jahre lang war er Marketingleiter bei Hercules, gleichzeitig sportlicher Leiter und Teammanager bei der RSG und beim 1996 ins Leben gerufenen Nürnberger Profiteam. 2003 übernahm er ein Radsporthaus an der Ecke Oedenberger/Danziger Straße, bietet dort mittel- bis hochpreisige Räder an. Er beobachtet zuweilen seinen 23jährigen Sohn Holger, der seit sieben Jahren Rennen fährt, wenn dieser als Mitglied des Profirennstalls Champion Systems in Mitteleuropa an den Start geht. "Dabei sehe ich den Unterschied zwischen unserer Zeit und heute. Während wir als Amateure gutes Geld verdienten, zumal es damals noch Startprämien gab, besteht der Großteil der heutigen Profis aus mehr oder weniger armen Schluckern." Deshalb legt sein Filius auch Wert auf eine Berufsausbildung, studiert nebenbei in Nürnberg BWL.

Dieter Flögel, aus Hafenlohr stammend, war schon 1975 zur RSG gestoßen, um in Nürnberg zugleich Wrtschaftspädagogik zu studieren. Ein Jahr nachdem er bei der WM 1983 in Prag hervorragender Fünfter geworden war, sagte er dem  Spitzensport ade, bestritt noch Kriterien und Steherrennen. 1985 gründete er mit seinem Schwager in Bamberg ein Wohnbauunternehmen, dem der in Bubenreuth wohnhafte Unterfranke auch heute noch angehört.

Friedrich von Loeffelholz war lange Zeit in Scheinfeld zu Hause, wohnt nach privater Veränderung in Schweinfurt. Dort unterrichtet der promovierte Maschinenbau-Ingenieur als Professor an der Fachhochschule angehende Wirtschaftsingenieure. Nach einem Schlaganfall, ausgelöst durch eine Thrombose, und einer Herzoperation schwebte er 2004 tagelang zwischen Leben und Tod. Er hat diese prekäre Situation wohl nur überstanden, weil Herz und Kreislauf des einst hervorragenden Zeitfahrers fast 25 Jahre danach der enormen Belastung standhielten. Der Nachfahr einer Nürnberger Patrizierfamilie, deren Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, träumte von einer Profikarriere. "Ich habe diese Idee aber nicht verwirklicht. Als Spitzenamateur stellte ich mich in unserem Team besser, denn wir diktierten dank unserer harten Vorbereitung und unserer taktischen Möglichkeiten das Geschehen, zumal die Konkurrenz aus Respekt und Furcht vor uns förmlich erstarrte. Im Rennen arbeiteten wir stets zusammen, doch hinter dem Zielstrich ließen wir kaum eine Gelegenheit aus, auch um Kleinigkeiten zu streiten." Burkhardt ergänzt: "Sobald es ums Aufteilen der Prämien ging, waren wir uns aber einig: Jeder bekam sein Drittel auf die Hand."

Als die drei sich 1980 als Mitglieder der RSG Hercules weigerten, statt die Räder des eigenen Sponsors die vom Verband geforderten Peugeot-Maschinen zu steuern, da wurden sie von der Olympiavorbereitung und aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Was die "Rebellen" nicht hinderte, auch fortan die Konkurrenz in Grund und Boden zu fahren. Dabei ist das Trio, das Nürnberger Sportgeschichte geschrieben hat, heute einer Meinung: "Ohne die Unterstützung solcher Radsportnarren wie Joachim Kröniger, Georg Roth, Paul Arnold, Fritz Körber, Willi Tusch, Fritz Dotzer, Jochen Müller, Ernst Arnold, Herbert Geier und Helmut Möckel wären wir nie so erfolgreich gewesen." 

Nürnberger Nachrichten – Sonntagsblitz 17.04.2011
Text und Foto: Klaus Westermayer


DreiRebellenHP

Die großen Drei aus der Aera der RSG Katzwang und RSG Hercules trafen sich vor kurzem zu einer ausgedehnten Plauderstunde: Dieter Flögel, Friedrich von Loeffelholz und Dieter Burkhardt (von links).

Student und Rad-Weltenbummler

Holger Burkhardt will nach einem Studienjahr nun auch sportlich wieder Gas geben

Viele sind es nicht mehr, aber es gibt sie noch: Junge Nürnberger Sportler, die hart an einer Karriere im Radsport arbeiten. Weil sich Holger Burkhardt aber nicht allein auf seine Fähigkeiten im Rennsattel verlassen will, fährt er zweigleisig und studiert auch noch.


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Ziemlich genau vor drei Jahren hat Holger Burkhardt seine Ambitionen im Radrennsport gegenüber den Nürnberger Nachrichten so beschrieben: „Wenn ich es in ein oder zwei Jahren nicht geschafft habe, einen Vertrag bei einem Team der Top-Kategorie zu bekommen, dann will ich studieren.“ 20 Jahre ist der Katzwanger damals alt gewesen und hoffte, über das drittklassige Continental-Team von Milram einmal in die ProTour-Mannschaft des damaligen deutschen Paraderennstalls aufrücken zu können.

Aber der Profi-Radsport in Deutschland, der damals schon auf dem absteigenden Ast war, hat seine Talfahrt nicht stoppen können. Das Team Milram gibt es längst nicht mehr, aber den jungen, inzwischen 23 Jahre alten Radprofi Holger Burkhardt immer noch. Wobei: Als Berufsbezeichnung gibt er lieber Student an, „denn vom Radsport“, sagt er, „kann ich ja nicht leben.“ Burkhardt hat also nach eigener Interpretation seiner sportlichen Laufbahn Wort gehalten. Weil er den Aufstieg in die Top-Etage nicht geschafft hat, schrieb er sich vor zwei Jahren an der Nürnberger Universität ein, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Drei Semester hat er seitdem absolviert und alle Scheine und Prüfungen soweit abgelegt, dass er sich nun doch wieder mehr auf den Radsport konzentrieren kann.

Denn der junge Mann versucht sich im so schwierigen Spagat, einen zeitintensiven Sport mit dem Studium zu vereinbaren — und fühlt sich gar nicht schlecht dabei. „Manchmal“, erzählt er, „ist es schon hart, wenn man in der Woche 20 bis 30 Stunden trainiert und nebenbei noch lernen und in die Uni gehen muss.“ Vor allem die im Leistungssport so wichtige Regeneration gerät da schnell zu kurz. Aber Burkhardt hat sich jetzt für diesen Weg entschieden und will sich auch nicht davon abbringen lassen.
Lauter feine Radklamotten
Der Rennstall, für den er derzeit fährt, ist als Continental-Team in der Rangliste des internationalen Radsports zwar immer noch drittklassig, aber trotzdem recht gut aufgestellt. Champion System heißt die Truppe, die ihren Sitz in Hongkong hat und hinter der ein großer Produzent für Sportbekleidung steht, der vor allem auf dem asiatischen, aber auch dem US-amerikanischen Markt präsent ist. „Das war Wahnsinn, was wir bei der Einkleidung in Hongkong alles bekommen haben“, schwärmt Burkhardt. Sein ganzer Kleiderschrank sei jetzt voll mit feinen Radklamotten. „Ich glaube nicht, dass man bei einem ProTour-Team recht viel mehr bekommt“, meint er und wirkt schon ein bisschen stolz auf die gute Ausstattung.

Weil aber allein schöne Kleider noch keinen guten Radfahrer machen, haben die 15 Profis von Champion System unter dem Schweizer Teamleiter Markus Kammermann auch ordentlich trainiert. Bekanntester Fahrer der Mannschaft ist der schon 41-jährige Este Jaan Kirsipuu, der in seiner großen Zeit ein gefürchteter Sprinter war. „Der hat immer noch einen gewaltigen Druck in den Beinen“, sagt Burkhardt, der sich im Vorjahr bei einigen Rennen und bei einem zweiwöchigen Trainingslager in Thailand von der Qualität Kirsipuus überzeugen konnte.

Der Nürnberger muss sich darauf einstellen, in den nächsten Jahren zu einem Weltenbummler in Sachen Radsport zu werden. Das Team fährt viele Rennen in Asien und Australien, aber auch die USA und Europa gehören zu den Kontinenten, auf denen der Sponsor sein Logo sehen möchte. Burkhardt hofft, dass er ab Mai richtig in Form ist, denn noch hat er wegen seines Studienjahres leichte Formdefizite. Bei einem Rennen am vergangenen Sonntag in Lugano, das Ivan Basso gewann, hat er gemerkt, wie hart bei den Profis schon im Frühjahr gefahren wird. Aber der junge Sportler neigt nicht dazu, allzu schnell nervös zu werden. Und wenn’s nicht klappt? Dann, so hofft er, hat er in drei Jahren ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen.

Thomas Scharrer, Nürnberger Nachrichten, 04.03.2011


„Nürnberger Rad-Rebellen“ sind endgültig Geschichte

Nach 37 Jahren wurde die RSG Nürnberg aufgelöst – Ihre Siege und die Kämpfe mit dem Verband machten die „Blauen“ berühmt

VON THOMAS SCHARRER

Sie begannen als RSG Katzwang und endeten sportlich als Team Nürnberger. Im Hintergrund stand als Verein immer die RSG Nürnberg. Der wurde nun aufgelöst.

Der letzte Akt ging – völlig untypisch für die RSG Nürnberg – still und leise über die Bühne. Auflösung des Vereins und Tilgung aus dem Vereinsregister, das war`s. 37 Jahre nach ihrer Gründung als RSG Katzwang gibt es den 1980 in Rennsportgemeinschaft (RSG) Nürnberg umbenannten Verein nicht mehr. Ein weiterer Zacken, der aus der Krone des einstmals so stolzen Nürnberger Radsports bricht, auch wenn dies längst nicht mehr so gravierend ist wie der Rückzug der Nürnberger Versicherung vom Team Nürnberger, der 2002 das Ende des Männer-Radsports auf hohem Niveau bedeutete.
„Die RSG ist 1973 gegründet worden, um Hochleistungssport zu betreiben und zu unterstützen. Mit der Auflösung des Männerteams hat sie ihren eigentlichen Zweck verloren, deshalb haben wir uns entschlossen, sie auch aufzulösen“, sagt Dieter Burkhardt, der seit Ende der 70er Jahre in vielen Bereichen maßgeblich am Aufstieg der „Blauen“ beteiligt war. Wohl nicht alle Alt-RSGler können das so pragmatisch sehen. „Wir wussten, dass dieser Tag kommen wird, aber es hat trotzdem sehr weh getan“, sagt Fritz Dotzer, der letzte Vorsitzende der RSG.
Dotzer und seine Familie waren über Jahrzehnte hinweg typisch für das familiäre Geflecht der RSG. Sie waren Fans der Radrennfahrer aus der Anfangs-Ära, wie Klaus Burges, Gerhard Scheller, Friedrich von Löffelholz, Dieter Flögel und Burkhardt; später unterstützten sie die aus der ehemaligen DDR gekommenen Asse Steffen Rein, Bert Dietz oder Stephan Gottschling; und als die einstige RSG Hercules Nürnberg als Team Nürnberger den Sprung ins Profi-Metier wagte, da halfen Dotzer und viele andere Vereinsmitglieder uneigennützig Fahrern wie Jens Zemke, Christian Pfannberger, Thomas Liese oder Andreas Klier. „Wenn ein Renner dringend etwas gebraucht hat, dann sind Leute wie Fritz Dotzer oder Jochen Kröniger quer durch Deutschland gefahren um zu helfen“, erinnert sich Dieter Burkhardt.
Vieles was seit Jahrzehnten im internationalen Radsport gang und gäbe ist, haben die „Blauen“ in ihrer wilden Zeit gegen den Widerstand des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erstritten. Als sich Flögel und Co. beispielsweise 1980 weigerten, bei Einsätzen in der Nationalmannschaft auf die gewohnten Hercules-Räder ihres Sponsors zu verzichten, da flogen sie komplett aus dem Olympia-Kader. Der BDR hatte einen Vertrag mit Peugeot und bestand auf die Benutzung dieser Rennräder. „Na ja,“ erinnert sich Burkhardt, „die Sommerspiele in Moskau sind dann ja ohnehin dem politischen Boykott zum Opfer gefallen. Aber trotzdem hat man uns dann bald erlaubt, unser eigenes Material zu fahren.“
Die 80er Jahre waren die große Zeit der „Nürnberger Rebellen“, wie sie aus einer Mischung aus offener Wut und insgeheimer Achtung genannt wurden. Funktionäre, wie BDR-Sportwart Fritz Ramseier, der Lieblingsfeind der RSG, oder Bundestrainer Peter Waibel, bekamen schon rote Flecken im Gesicht, wenn sie den Namen der aufmüpfigen Rennsportgemeinschaft nur hörten. Weil die Teamleiter der Rivalen von Olympia Dortmund (Hennes Junkermann) oder RSV Öschelbronn (Hans-Michael Holczer) mit dem Verband besser konnten, wurden deren Amateure manchmal bevorzugt – was den Streit erneut befeuerte.

Meister im Abonnement

Sportlich konnte man den „Blauen“ damals kaum in die Suppe spucken. Von Löffelholz, Hans Neumeier, Burkhardt, Flögel, Thomas Freienstein und Werner „Kiko“ Stauff gewannen den Deutschen Meisterkranz mit der schwarz-rot-goldenen Schleife wie im Abonnement. Anfang der 90er Jahre setzten dann Rein, Dietz und Gottschling diese Erfolgsserie fort.
Mit der Einführung der Einheitslizenz im Radsport musste man sich entscheiden, ob man im Konzert der Großen, also bei den Profis, mitmischen wollte, oder sich der Gefahr aussetzte, in der sportlichen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Mit der maßgeblichen Hilfe von Wolfgang Leiber aus dem Vorstand der Nürnberger Versicherungsgruppe wagte die RSG 1996 den Sprung ins kalte Wasser. Aber zu diesem Zeitpunkt wurde der deutsche Radsport bereits vom neuen Branchenriesen Telekom regiert, und mit dem Tour-Sieg von Jan Ullrich 1997 erreichte der Hype im urplötzlich radsportverrückten Deutschland seinen Höhepunkt.
Die große Begeisterung ist, wie man weiß, längst zusammengebrochen – zu viele Dopingskandale haben den professionellen Radsport in Deutschland um Lichtjahre zurückgeworfen. Heute gibt es kein deutsches Top-Team mehr, es gibt kaum noch Rennen – und es gibt auch keine Rebellen mehr, die den Laden mal wieder ordentlich aufmischen würden. „Trotzdem glaube ich, dass es in absehbarer Zeit wieder aufwärts geht“ sagt Burkhardt, dessen Sohn Holger beim Honkong-Team Champion System versucht, als Rennfahrer in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Die RSG ist Geschichte. Aber es ist ein starkes Stück Geschichte, auf das die „Blauen“ zurückblicken können.

Nürnberger Nachrichten, 18.01.2011


rebellen

Ein RSG-Trio aus den großen 80er Jahren (von links): Dieter Burkhardt, der 2010 verstorbene RSG-Vorsitzende Jochen Müller und Thomas Freienstein freuen sich über einen der vielen Erfolge.

Das Schicksals-Jahr

Am 31. Dezember löst sich die frühere „RSG-Katzwang“ auf

schicksal

KATZWANG - 2010 geht als das „Schicksals-Jahr“ in die fränkische Radsport-Geschichte ein. Die vielen Radsportfans der Region mussten sich heuer endgültig von zwei Erfolgsgaranten der letzten Jahrzehnte verabschieden: Nach dem Ende der erfolgreichen „Equipe der Nürnberger Versicherung“ kam im November, zwar kaum noch beachtet, aber ebenso bedauerlich, noch eine zweite Hiobsbotschaft hinzu: Die in den 1970er-Jahren gegründete „RSG-Katzwang“ (ab 1980 RSG-Nürnberg), die einst mit den mehrfachen Deutschen Meistern Klaus Burges, Gerhard Scheller, Dieter Burkhardt, Friedrich von Loeffelholz und Dieter Flögel für Furore sorgte, wurde nach 38 Jahren ebenfalls zum 31. Dezember dieses Jahres aufgelöst.

Fast 30 Jahre lang hat die „RSG“ ein großes und erfolgreiches Stück der deutschen Radsport-Geschichte mitgeschrieben.

Nur noch in schönen Erinnerungen schwelgen können Dieter Burkhardt, Dieter Flögel, Friedrich von Loeffelholz, Gerhard Scheller und Klaus Burges. Sie machten einst die kleine Renngemeinschaft, die Radsportidealisten von sechs fränkischen Vereinen (darunter der Schwabacher Tourenklub) gründeten, rund 15 Jahre lang zu einem der erfolgreichsten Radsportvereine Deutschlands. Aus der „RSG-Paintco-Franken“, entstand 1975 mit großzügiger Unterstützung des ARSV Katzwang die „RSG-Katzwang“, bei der man noch im gleichen Jahr deutsche Meistertitel feiern konnte: Steher Klaus Burges und Sprint-As Gerhard Scheller holten die ersten von insgesamt 32 (!) deutschen Meistertiteln nach Franken.

Erfolgsgeschichte
Mit „Radbaron“ Friedrich von Loeffelholz – 1976 Olympia-Vierter und 1978 Deutscher Straßenmeister – begann danach die einmalige Erfolgsserie der RSG im Straßenrennsport. Nach von Loeffelholz folgten als Titelträger seine Vereinskameraden Hans Neumayer 1980, Dieter Burkhardt 1982, Dieter Flögel 1983, Thomas Freienstein 1984 und Werner Stauff 1986. Drei Mal — 1979, 1985 und 1988 — standen die Asse der RSG bei der Vierer-Straßen-DM als beste Vereinsmannschaft ganz oben auf dem Treppchen.

Auch international waren die „Blauen“ bei renommierten Klassikern und Rundfahrten der Amateure sehr erfolgreich. Dieter Flögel verfehlte bei der Straßen-WM 1981 in Prag als Fünfter nur knapp eine Medaille. „Das waren unvergesslich erfolgreiche und schöne Jahre“, schwärmt der mehrfache Ex-Meister Dieter Burkhardt noch heute, der nach seiner aktiven Zeit als Vorsitzender der RSG dafür sorgte, dass mit Steffen Rein 1991, Bert Dietz 1992 und Stephan Gottschling 1993 — junge Talente der einstigen DDR – die Meister- und Erfolgsserie fortsetzten.

Nach den neuen Richtlinien des Radsport-Weltverbandes (UCI) wagte man – ebenfalls unter Dieter Burkhardts Regie – 1996 den Sprung in die Profi-Szene. Neben dem Team Telekom und dem Team Gerolsteiner war das aus der RSG entstandene „Team Nürnberger“ bis 2002 eine der erfolgreichsten deutschen Männer-Profimannschaften. Das international besetzte Team erkämpfte bei Straßenrennen und Rundfahrten rund 40 Erfolge. Thomas Liese holte 2001 im 50-km-Zeitfahren den letzten der 32 deutschen Meistertitel nach Nürnberg.
Nach dem Rückzug der Nürnberger Versicherung, die als Sponsor nur noch den Frauen-Radsport unterstützte, kam 2002 das Aus für das „Team Nürnberger“, nachdem man keinen neuen Hauptsponsor fand. Die RSG-Nürnberg, bei der Jugendliche und Amateure noch einige Jahre das blaue Trikot trugen, existierte jedoch noch weiterhin.

Erst im November dieses Jahres entschloss sich der harte Kern des kleinen Vereins mit dem einstigen Gründer Joachim Kröniger, mit Friedrich von Loeffelholz, Dieter Burkhardt und Dieter Flögel, die RSG zum Ende dieses Jahres endgültig aufzulösen. „Wir alle wussten, dass dieser Tag kommen wird, doch es hat uns trotzdem sehr weh getan “, sagt der letzte RSG-Boss Fritz Dotzer.

Schwabacher Tagblatt, 30.12.2010
Text und Foto: Manfred Marr

Am großen Rad gedreht

Dieter Burkhardt, früherer deutscher Meister im Radrennen, hält ein älteres Hercules-Rad in seiner Hand: «Immer etwas teurer, immer etwas besser.» Foto: Stefan Hippel

NÜRNBERG - Der kompakte, schwarze Drahtesel liegt bei Dieter Burkhardt gut in der Hand. Ja, auf diese Traditionsmarke ist der gebürtige Stuttgarter stolz. Denn als Radprofi ist er für das Team RSG Hercules Nürnberg gefahren: 1982 hat er die deutsche Meisterschaft im Einzel, 1979 und 1985 den Titel mit der Mannschaft geholt. Natürlich nicht auf einem derart antiquierten Renner, wie er derzeit im Museum Industriekultur ausgestellt ist.

Noch heute ist es seine Überzeugung: »Hercules war zwar immer etwas teurer als die anderen Hersteller, aber auch immer etwas besser.« Der gelernte Großhandelskaufmann hatte zunächst als aktiver Sportler Kontakt zum Rad-Hersteller, ehe er 1986 in die Firma eingetreten ist. Damals war Hercules schon lange von der Fürther Straße an die Nopitschstraße umgezogen.

Alles unter einem Dach

Der erste Rundgang durch den Betrieb hat sich bei ihm tief eingeprägt: Er konnte die Entstehung eines Fahrrads konkret miterleben - die ganze Produktion war unter einem Dach. Von den Metallrohren im Lager über die Lötstraße für die Rahmen, hin zur Einspeicherei und der Vormontage der Lenker - am Ende von vielen Arbeitsgängen wurde der fertige Renner in einen Karton verpackt. Einfach faszinierend.

Als Marketing-Leiter hat Burkhardt am großen Rad für den fränkischen Hersteller gedreht. In den 80er Jahren sei viel für den Markennamen getan worden, berichtet er. Gute Vermarktung von anspruchsvollen Produkten, ein engagierter Vertrieb - es lief problemlos. »Hercules war eine stocksolide Firma«, bemerkt der 55-Jährige. Nach der Übernahme durch Mannesmann sei bald spürbar geworden, dass der neue Eigentümer nur am Kfz-Zulieferer Sachs interessiert war. Es kam immer mehr Sand ins Getriebe.

Mittlerweile in Ungarn gefertigt

Von den früher rund 1200 Beschäftigten waren es im Jahr 2001 nur mehr 60 Kollegen. Das Unternehmen hat nun seinen Sitz in Neuhof an der Zenn und firmiert dort bis heute als Accell-Hercules Fahrrad GmbH &Co.KG. Im Jahr 2001 erhielt Burkhardt seinen blauen Brief: »Leute wie mich brauchte man nicht mehr, aber immerhin gehörte ich zu den letzten Führungskräften.« Der einstige Radprofi trauert seiner Firma noch ein wenig nach - wegen des Teamgeists, des Zusammenhalts unter den »Herculanern«: »Das ist auch heute noch spürbar, wenn man sich trifft.«

Hercules-Räder werden mittlerweile in Ungarn gefertigt. Burkhardt hat ein Jahr noch die Profis vom »Team Nürnberger« betreut und sich dann selbstständig gemacht. Als Besitzer eines Radgeschäfts an der Danziger Straße ist er der Branche treu geblieben. Er legt bis heute großen Wert auf Qualität seiner Bikes, Trekking-, Renn- und Jugendräder. Hercules hat er teilweise auch noch verkauft, aber seine Kundschaft verlangt andere Modelle, erklärt der Geschäftsmann.

Hartmut Voigt
31.7.2010

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Ein Katzwanger wird zum Global-Player

Holger Burkhardt: Radprofi in Schweizer Team mit armenischer Lizenz und 15 Fahrern aus Estland, China, Japan, Armenien, Australien und Taiwan

Radprofi Holger Burkhardt wird in dieser Saison zum Global-Player: Seit Januar trägt der 22-jährige Katzwanger das Trikot des Teams »CKT-Champion System». Es handelt sich dabei um die erste Continental-Profi-Mannschaft mit armenischer Lizenz für die 15 Fahrer aus sieben Nationen.
»Für mich ist es eine neue sehr interessante Herausforderung, für diese internationale Mannschaft zu fahren, die schwerpunktmäßig ihre Rennen vor allem im asiatischen Raum bestreitet», sagt der fränkische Straßencrack, der bei zwei Rennen in Dubai und Abu Dhabi sehr angenehm vom Team und seinen Teamkameraden überrascht war. »Eine tolle, bunte Truppe, in der man sieben verschiedene Sprachen spricht. Offizielle Teamsprache ist englisch und damit verstehen wir uns alle recht gut», stellte Burkhardt bereits beim ersten Treffen der Mannschaft fest.

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Internationale Truppe

Neben vier jungen Armeniern, zwei Fahrern aus Estland, einem Japaner und einem Chinesen, einem Taiwanesen und einem Australier fahren mit Holger Burkhardt, Serge Herz und Benjamin Stauder auch drei junge deutsche Profis für das CKT-Team, dessen Sitz in der Nähe von Luzern ist. Die beiden Schweizer Dominic Keller und Markus Kammermann, ein einstiger Bahnspezialist, fungieren als Teamchef und Sportleiter der Mannschaft, die aus dem früheren südafrikanischen Team »CKT-Neotel» hervorging.

Mit dem Schweizer Roger Beuchat (38), der in seiner langjährigen Karriere zahlreiche namhafte Rennen gewann und dem spurtschnellen Esten Jan Kirsipuu hat die Mannschaft zwei echte Routiniers an der Spitze, von deren Erfahrung die jungen Fahrer profitieren können.

Von Kirsipuu lernen

Jan Kirsipuu, einst vierfacher Etappen-Sieger und Träger des Gelben Trikots bei der Tour de France, ist trotz seiner 40 Jahre bei rasanten Sprintankünften noch immer sehr gefürchtet. Allein 2009 konnte Kirsipuu immerhin sieben Rennen gewinnen. Ein wesentlicher Grund für die Teamleitung den populären Oldtimer zu verpflichteten. »Unsere wichtigste Aufgabe wird es sein, die beiden Kapitäne Kirsipuu und Beuchat bei allen Rennen und Rundfahrten optimal zu unterstützen», weiß Holger Burkhardt, der sich vor allem auf die zahlreichen Einsätze in Asien freut.

Die Firma CKT, ein taiwanesischer Fahrradhersteller, erhofft sich vom Team gute Werbung in ganz Asien und möchte, beginnend in der Schweiz, sich langfristig auch in Europa etablieren. »Die CKT-Rennmaschinen sind leichte Carbon-Räder, schnell und von ausgezeichneter Qualität» lobt Holger Burkhardt sein neues Sportgerät.

Demnächst in Mexiko

Holger Burkhardt bereitet sich derzeit gewissenhaft auf die mexikanische Rundfahrt »Vuelta Telmex» vor, die am 18. April beginnt. Holger bedauert es, dass er Anfang März nicht schon bei Rennen in Mumbay/Indien dabei sein konnte: »Da standen noch wichtige Prüfungen für mich an», sagt der ehrgeizige Franke, der an der Uni Nürnberg weiterhin Wirtschafts-Wissenschaft studiert.

Nach Mexiko wird Holger Burkhardt hauptsächlich in Asien starten, wobei der endgültige Rennkalender noch mit der Teamleitung so abgestimmt wird, dass er vor weiteren Uni-Prüfungen eine ausreichende Rennpause erhält. »Im Oktober möchte ich gerne in Australien bei der Herald-Sun-Tour fahren und im November ist die Tour de Hainan in China das abschließende Highlight meiner Saison 2010», sagt Holger Burkhardt, der im Vorjahr noch für ein österreichisches Team fuhr.

Übers Internet

»Eigentlich bin ich selbst überrascht, wie gut und vor allem wie schnell das mit dem Wechsel geklappt hat», gesteht Holger Burkhardt, der durch eine Internet-Seite auf die CKT-Mannschaft aufmerksam wurde. » Ich hab’ mir das alles näher angesehen. Als ich las, dass die Teamleitung in der Schweiz ist und dass man noch Fahrer sucht, habe ich einfach mal bei Dominic Keller angerufen und zwei Wochen später war alles klar», erzählt er.

Seine deutschen Teamkameraden Serge Herz (26) aus Niedersachsen und Benjamin Stauder (22) aus Kirchzarten kennt Holger Burkhardt zwar schon von früheren Rennen, doch heuer sieht er sie fast nur bei Rennen im Ausland. »Gemeinsames Training ist natürlich nicht möglich», bedauert Holger, der seine vielen Trainingskilometer eisern und allein in den heimischen Jurahöhen um Spalt abspult.

Quelle: Schwabacher Tagblatt, 10.04.2010
Text / Foto: MANFRED MARR.


KATZWANG - Frankens Radsportler trauern um Jochen Müller.

Der langjährige Vorsitzende der RSG Nürnberg erlag im Alter von nur 61 Jahren an den Folgen eines schweren Auto-Unfalles, der sich im Mai 2008 auf der Autobahn Nürnberg-Berlin ereignet hatte.
Jochen Müller, der sich Ende der 70er Jahre der RSG Katzwang angeschlossen hatte, übernahm 1980 die Führung des erfolgreichen Vereins, aus dem im gleichen Jahr die RSG Nürnberg entstand. Unter seiner Regie errang die RSG zwei deutsche Meistertitel im Straßenvierer über 100 Kilometer. Dieter Burkhardt, Dieter Flögel, Thomas Freienstein und Werner Stauff holten 1982, 1983, 1984 und 1986 vier Mal die Einer-Straßen-DM nach Franken!
Maßgeblich beteiligt war Jochen Müller 1996 auch am Einstieg des Vereins in den Profibereich, als aus der RSG Nürnberg das «Team Nürnberger» wurde. Mit Dieter Burkhardt war Jochen Müller geschäftsführender Gesellschafter der dafür gegründeten «RSG Profi-Team GmbH».


rebellen

Auf dem Foto freut sich Müller (Mitte) über den DM-Sieg von Thomas Freieinstein (re.) und Platz drei von Dieter Burkhardt (li.).

Text:Marr/Foto:Roth
Quelle: Schwabacher Tagblatt, 13.02.2010

Dieter Burkhardt blieb dem Radsport bis heute eng verbunden

1980 zählte der vierfache Meister zu den „Rebellen“
Nürnberg - Darauf ist Dieter Burkhardt noch heute stolz: „Von 1977 bis 1986 stand ich ohne Unterbrechung jedes Jahr bei einer Deutschen Meisterschaft auf dem Treppchen. Mal bei der Einer-, mal bei der Vierer-DM, manchmal auch bei beiden.“ Ein außergewöhnlicher Rekord, den Dieter Burkhardt bis heute niemand streitig machte. Zehn Jahre – im Leistungssport eine lange Zeit - trug Dieter Burkhardt damals das Trikot der RSG-Nürnberg, deren erfolgreiche Geschichte er in diesen Jahren ganz wesentlich mitprägte. Auch nach seiner aktiven Laufbahn, in der er zwölf Jahre zum Nationalkader zählte und rund 120 Rennen gewann, blieb Dieter Burkhardt bis heute dem Zweirad und dem Radsport eng verbunden. Ab 1987 war er 16 Jahre als PR- und Marketing-Chef der Nürnberger Hercules-Werke im Einsatz. Nachdem sich diese vom Standort Nürnberg zurückzogen, übernahm Dieter Burkhardt im Nordosten Nürnbergs das renommierte Fahrrad-Geschäft des Herpersorfer Ex-Meisters Jürgen Goletz. Seitdem ist die Firma „RADSPORT BURKHARDT“ nicht nur für die fränkischen Radfreaks ein Begriff:„ Bei uns finden die Kunden jede Art von Rädern und dazu auch die richtige Bekleidung“, betont der Ex-Meister.

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Begonnen hat Dieter Burkhardt´s sportlicher Lebenslauf nicht auf dem Rennrad: „ Als Schüler habe ich mehrere Jahre begeistert Fußball gespielt“, erinnert sich der heute 53-Jährige. „Auf dem Heimweg vom Fußballplatz trat Dieter Burkhardt dann meist sehr stramm in die Pedale seines Tourenrades, so stramm, dass er selbst bei den Jugendfahrern des Radsportvereins – die auf gleicher Strecke trainierten - locker mithielt.“ Kein Wunder, dass der „schnelle Fußballer“ über Schulfreunde zum RV 89 Schweinfurt fand und bald erste Jugendrennen fuhr, obwohl er noch immer genau so eifrig kickte. Erst ein Jahr später, nachdem er sich seinem Heimatverein, der SG Dittelbrunn anschloss, bei dem Ex-Profi Ludwig Geyer den Nachwuchs betreute, hängte Dieter Burkhardt als 14-Jähriger die Fußballstiefel endgültig an den Nagel. Sehr schnell bewies er nun sein außergewöhnliches Talent im Rennsattel. Gerne denkt er zurück an erste heiße Duelle mit dem Nürnberger „Radbaron“ Friedrich von Loeffelholz, der damals als Jugendfahrer eine ebenso erfolgreiche Karriere startete: „ 1971 gewann ich vor Friedrich die bayerische Straßenmeisterschaft der Junioren“, erinnert sich Burkhardt, der 1972 erstmals für die Nationalmannschaft der Junioren nominiert wurde. Der erfolgreichste Abschnitt seiner langen Karriere begann 1977 als sich der 21-jährige Dittelbrunner als Amateur der erst 1973 gegründeten „RSG-Franken Katzwang“ ( später RSG Nürnberg) anschloss , in der bereits Friedrich Von Loeffelholz und Dieter Flögel für Furore sorgten. Diesen Schritt hat Dieter Burkhardt nie bereut, denn das Erfolgstrio Burkhardt/Flögel/von Loeffelhoz gab damals in Bayern und sehr bald auch bundesweit souverän den Ton im Straßenrennsport der Amateure an. Die drei schnellen Franken stellten bei Rundfahrten und Weltmeisterschaften für viele Jahre das Rückgrat der deutschen Strassen-Nationalmannschaft. 1979, 1981 und 1985 wurde Dieter Burkhardt mit dem RSG-Vierer Deutscher Mannschaftsmeister über 100 Kilometer, 1982 gewann er in Rosenheim vor dem späteren Weltklasse-Profi Rolf Gölz im mitreißenden Finish die Einer-DM! Die Art und Weise, in der die Katzwanger Cracks den Straßenrennsport der Amateure dominierten, beeindruckte nicht nur die fränkischen Fans. Auch in der Chefetage der Firma Hercules war man begeistert. So begeistert, dass der heimische Fahrradhersteller zum großzügigen Sponsor wurde, nach dem sich der kleine Verein ab 1980 „RSG-Hercules Nürnberg“ nannte. Eine solche Namensänderung, verbunden mit Werbung, war seinerzeit innerhalb des Bundes Deutscher Radfahrer jedoch ebenso wenig erlaubt, wie die effizienten neuen Team-Strukturen mit denen die Nürnberger Cracks ihre Rennen fuhren - und gewannen! Es kam schließlich zum Eklat: Als „Rebellen“ wurden die RSG-Fahrer im Olympia-Jahr 1980 rigoros vom Bund Deutscher Radfahrer von der Nationalmannschaft ausgeschlossen! Heute lacht Dieter Burkhardt darüber, wenn er feststellt: „ Wir waren damals einfach um einiges voraus. Wenige Jahre später folgten unserem Beispiel die Dortmunder und dann fanden sich bald weitere Vereine, die nach unserem Sportgruppen-Konzept arbeiteten. Der Erfolg sprach schließlich so deutlich dafür, dass der BDR , wenn auch spät, sein Reglement änderte.“
Eigentlich wollte Dieter Burkhardt 1985, nachdem er die RSG-Hercules Nürnberg zum dritten Mal zum Vierer-DM-Titel führte, seine Karriere beenden. „ Doch dann hatte ich einen sehr schweren Autounfall und die Saison 1985 war gelaufen. So wollte ich mich nicht verabschieden“. Umso größer war Burkhardt´s Ehrgeiz im folgenden Jahr. Neben zahlreichen Siegen wollte er in seiner letzten Saison vor allem bei der Straßen-DM noch einmal ganz vorne dabei sein. “Die DM in Bann war 1986 eine extreme Hitzeschlacht auf einem sehr schweren Kurs, doch wir hatten alles gut im Griff“, erinnert sich Dieter Burkhardt an sein letztes großes Rennen, das er fast noch gewonnen hätte: „ Die Nürnberger und die Dortmunder gaben bei dieser DM einmal mehr souverän den Ton an. In der letzten Runde fuhr der Dortmunder Bernd Gröne zusammen mit Werner „Kiko“ Stauff ab, der in dieser Saison für Nürnberg fuhr. „Gröne galt damals zwar auch als gefährlicher Sprinter, doch ich war sicher, Kiko fährt das Ding nach hause“, erinnert sich Dieter Burkhardt, der mit seiner Prognose richtig lag und das Feld der Verfolger kontrollierte. Stauff gewann den Titel vor Gröne und Dieter Burkhardt wuchs eine halbe Minute später im rasanten Massensprint des heranbrausenden Feldes noch einmal über sich hinaus. Als strahlender Dritter der DM stieg er mit Gröne und Stauff zum 12. Mal auf ein DM-Treppchen!
1987 hängte Dieter Burkhardt zwar seine Rennmaschine an den berühmten Nagel, doch für die RSG-Nürnberg war er als langjähriger 1. Vorsitzender noch viele Jahre unermüdlich im Einsatz. Beim späteren Profi-Team NÜRNBERGER , das 1996 aus der RSG entstand, fungierte Dieter Burkhardt bis zum Ende 2001 als Geschäftsführer und Sportlicher Leiter. 1991 war er einer der Mitbegründer des Radrennens „Rund um die Nürnberger Altstadt“, das heuer zum 17. Mal stattfand und bis heute gehört er der Sportkommission der Stadt Nürnberg an. Den Straßen-Rennsport verfolgte Dieter Burkhardt noch aufmerksamer, seit sein Sohn Holger erfolgreich im Sattel sitzt, der Ende dieses Jahres vom Milram-Continental-Team zum „FC Rheinland-Pfalz/Saar Mainz“ wechselte. Trotz der vielen negativen Ereignisse im Profisport der letzten Jahre hat Dieter Burkhardt seinen Optimismus nie verloren: „Der Radsport ist eine der schönsten und schwersten Sportarten und er wird sich – wenn auch nur langsam - auch wieder erholen“, ist der vierfache Ex-Meister überzeugt.

Aus der Fachzeitschrift RADSPORT 01/09
Text und Fotos: Manfred Marr

Brandenburg-Rundfahrt: Holger Burkhardt gewinnt zweite Etappe

Senftenberg (rad-net) - Holger Burkhardt vom Milram Continental Team hat die zweite Etappe der 5. Brandenburgrundfahrt gewonnen. Der 20-jährige Nürnberger verwies auf der Etappe über 160 Kilometer von Spremberg nach Senftenberg Dominik Nerz vom Team Ista und Sebastian Köcker (MLP-Team) auf die Plätze zwei und drei. Der Etappenzweite Dominik Nerz übernahm das gelbe Trikot von Roger Kluge (LKT Team Brandenburg) der nun auf Platz zwei liegt.
In den zu fahrenden fünf Runden um Senftenberg konnte sich zunächst eine vierköpfige Spitzengruppe, die teilweise 1:30 Minuten Vorsprung hatte, absetzen. Auf den letzten Kilometern forcierte das Hauptfeld allerdings mächtig das Tempo und der Vorsprung schmolz bis auf 50 Meter. Im Sprint behauptete sich in der schwierigen Zieleinfahrt zum Senftenberger Holger Burkhardt ( Milram Continental).


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RSG Nürnberg History

Es war einmal . . . So beginnen alle Märchen. Wie ein Märchen begann vor 30 Jahren das erfolgreichste Kapitel der Nürnberger Radsportgeschichte. Ein Kapitel, das in diesen Tagen zu Ende geht: Aus der am 19. Dezember 1972 gegründeten Rennsportgemeinschaft (RSG) der beiden Klubs RC 50 Erlangen und „Verein-Sportplatz Nürnberg“ entwickelte sich 1973 die „RSG-Paintco-Franken“, die 1975 zur „RSG Franken Katzwang “ und 1980 zur RSG Hercules Nürnberg“ wurde.

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Im Jahr 1990 kam die Nürnberger Versicherung als Sponsor hinzu, das Team nannte sich seitdem RSG Nürnberg. Daraus entstand 1996 die erste deutsche GS II-Profi-Mannschaft: das Team Nürnberger. Nach der Saison 2002 kam für Nürnbergs Elite-Radler — nach sieben Profi-Jahren — das Aus, weil sich der Hauptsponsor vom Straßenrennsport im Männerbereich zurückzieht. Ein neuer Sponsor ist trotz intensiver Bemühungen nicht zu finden. Künftig sponsert die Nürnberger Versicherung nur noch die Equipe, das Frauen-Team.

Boom in Herpersdorf

Drei Jahrzehnte lang hat die RSG deutsche Radsportgeschichte geschrieben: 32 deutsche Meistertitel, rund 800 große Siege und ein Vize-WM-Titel wurden auf Bahn und Straße erkämpft. Eine Ära geht zu Ende, die den deutschen Radsport nachhaltig geprägt und wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt hat. 1972 hatte nur beim RC Herpersdorf der Radrennsport noch geboomt. Die tradtionsreichen Nürnberger Radsportvereine RV Union, RC Schwalbe, Ring Nürnberger Rennfahrer und Tourenclub Nürnberg existierten zwar zu Beginn der 70er Jahre noch, doch ihre leistungssportbezogenen Perspektiven waren in jenen Jahren mehr als bescheiden. Die wenigen echten Radsporttalente der alten Nürnberger Vereine wechselten deshalb fast alle nach Herpersdorf, wo die Fahrer wie in keinem anderen Nürnberger Verein gefördert wurden.

Um die Situation zu verbessern, besuchte 1970 Joachim Kröniger, damals Straßenamateur beim Ring Nürnberger Rennfahrer, die Nürnberger Vereine und schlug einen Zusammenschluss zu einer „Renngemeinschaft“ vor. In allen vier Vereinen fand Kröniger zwar eine gewisse Zustimmung, meist von den wenigen Aktiven, doch die Vereinsleitungen lehnten ab.

RG mit Erlangen

Die erste Rennsportgemeinschaft (RG) entwickelte sich aus dem Schulsport: 1968 bot Kröniger in den Ferien erstmals eine Neigungsgruppe „Bahnfahren“ an. Nach drei erfolgreichen Rennjahren seiner „Radsportschüler“ fand Kröniger in Kurt Albert vom RC 50 Erlangen einen aufgeschlossenen Partner, um seine Idee der RG doch noch zu verwirklichen: Am 19. Dezember 1972 riefen neun Gründungsmitglieder des Erlanger Vereins und des Vereins „Sportplatz Nürnberg“ die „Renngemeinschaft Franken“ ins Leben. In beiden Jugendklassen war die RG in Bayern tonangebend, wurde Dritter der Vierer-Meisterschaft der A-Jugend und Zweiter in der B-Jugendklasse.

Junge und erfolgreiche Rennfahrer hatte man inzwischen bei der Renngemeinschaft Franken genug, doch nun zeichnete sich ein anderes Problem ab: Die Finanzierung des Rennbetriebs wurde mit steigender Anzahl Aktiver immer problematischer. Man war deshalb gewungen, weitere Trägervereine oder einen Sponsor zu finden. „Allein mit dem Idealismus der kleinen Gruppe der Funktionäre und Betreuer können wir nicht mehr weiterkommen“, stellte Jochen Kröniger 1974 fest.

Als Retter in der Not erwies sich schließlich Ernst Feigl vom RSC Fürth, der Inhaber des Radsporthauses Schertl. Er konnte seinen Verein und den zweiten Vorsitzenden des ARSV Katzwang, Peter Arnold, für die RSG gewinnen: Am 24. November 1973 erhielt die RG mit dem RSC Fürth, dem ARSV Katzwang, dem RC Bavaria Neumarkt, und dem Tourenklub Schwabach, die sich ebenfalls anschlossen, vier weitere Trägervereine. Die vergrößerte Renngemeinschaft nannte sich „RSG Paintco Franken“ — mit dem ersten offiziellen Sponsor in der bayerischen Radsportszene. RSG-Boss Helmut Möckel wurde jedoch von Insidern als „Großmaul“ bezeichnet, als er 1974 verkündete: „Wir werden ein Team von Straßenamateuren aufbauen, das zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen einmalig ist. Später könnte daraus eine Nürnberger Profi-Mannschaft entstehen.“ Er warseiner Zeit um 20 Jahre voraus.

Olympia-Medaille verpasst

Von 1976 bis 1979 ging es bei der RG, die sich nun RSG Franken Katzwang nannte, kontinuierlich bergauf: Mit Friedrich von Loeffelholz, der inzwischen zu Deutschlands besten Straßenamateuren zählte, stellte die RSG einen Olympia-Teilnehmer. Der „Rad-Baron“, wie der blonde Maschinenbau-Student genannt wurde, war jüngster Fahrer des bundesdeutschen Olympia-Vierers, in dem der heutige Bundestrainer Peter Weibel aus Mannheim als Kapitän fuhr. Alle Quälerei reichte im August 1976 in Montreal bei über 30 Grad Hitze nicht zum Erfolg: „Lumpige 15 Sekunden fehlten uns nach 100 Kilometern zur Bronzemedaille“, ärgert sich von Loeffelholz noch heute.

Eines war trotzdem klar: Von Loeffelholz, Dieter Burkhardt und Dieter Flögel — die großen drei des Nürnberger Radsports — waren nicht mehr zu stoppen. Die Radler der RSG räumten auf Bahn und Straße Titel und Siege ab. Nachdem Klaus Burges bei den Amateurstehern und Gerhard Scheller im Amateur-Sprint 1977 erneut deutsche Meistertitel für die „Katzen“ erkämpften, war 1978 der erste Straßentitel überfällig. Allein von Loeffelholz stieg in diesem Jahr bei Straßenrennen 20 Mal als Sieger auf das Treppchen.

Trotz des eindrucksvollen Vierermeister-Titels endete das Rennjahr 1979 für die Katzwanger RSG mit erheblichen Sorgen, denn der immer größer und umfangreicher werdende Rennbetrieb konnte auf der bisherigen Vereinsbasis mit dem ARSV Katzwang nicht mehr finanziert werden. Krampfhaft suchte man deshalb nach einem größeren Sponsor — und fand ihn schließlich in Hercules. Mit Unterstützung des Fahrradherstellers und dem neuen Namen RSG Hercules Nürnberg war eine gute Basis für zehn weitere erfolgreiche Radsportjahre geschaffen.

Zehn Spitzenfahrer

1980 avancierten die Nürnberger zu Deutschlands erfolgreichsten Straßenfahrern. Mit Siegen am „Henninger-Turm“ in Frankfurt und beim „Ernst-Sach-Rennen“ in Schweinfurt verabschiedete sich von Loeffelholz mit 25 Jahren bereits vom Radsport. Ebenso erfolgreich verliefen für die RSG Hercules die Rennjahre 1983 und 1984 mit Siegen bei Klassikern und Etappenrennen. Im Jahr 1987, nach Burkhardts Karriereende, umfasste das RSG-Team zehn Spitzenfahrer.

Nicht leicht war es deshalb 1989, an frühere Erfolge anzuknüpfen, zumal man bei der RSG mit neun weniger bekannten Neulingen in die neue Saison ging. Doch auch die neue junge Gruppe zeigte enormen Ehrgeiz und holte 21 große Siege bei Eintages- und Etappenrennen. Das bisher größte Tief ihrer Geschichte erreichte die RSG Hercules im Jahr 1990, als Jochen Dornbusch, der heutige Frauen-Bundestrainer, als neuer sportlicher Leiter fungierte: Bei der Bundesliga-Gesamtwertung des Jahres reichte es gerade noch für Rang sieben, bei der Vierer-DM, bei der die RSG stets zu den Top-Favoriten zählte, kamen die Nürnberger auf Rang 25 ins Ziel.

Nürnberger als Sponsor

Nach dem Rennjahr 1990 war man mehr als enttäuscht und man machte sich ernsthafte Sorgen um den Fortbestand der RSG. 1991 kam aber frischer Wind aus dem Osten: Nach der Wiedervereinigung konnte RSG-Boss Dieter Burkhardt sechs junge Spitzenfahrer der ehemaligen „DDR“ für die RSG gewinnen: Gerd Audehm, Bert Dietz, Darius Matuszek, Steffen Rein, Mike Weissmann und Stephan Gottschling schlossen sich der RSG an.

Noch viel entscheidender aber war: Die Nürnberger Versicherung stieg als Sponsor bei der RSG ein. Damit hatte ein neues erfolgreiches Kapitel in der Geschichte der RSG begonnen, die weiterhin auch materielle Unterstützung durch die Firma Hercules erhielt. „Wir wollen wieder an der Spitze mitmischen“, verkündete Dieter Burkhardt bei der Vorstellung der neuen Fahrer, die mit ihren Frauen und Freundinnen ihren Wohnort nach Franken verlegten.

Burkhardt hatte nicht zu viel versprochen: Bereits im ersten Jahr legten die jungen Talente der einstigen großen Kaderschmieden in Cottbus und Leipzig dermaßen los, dass bundesweit alle Konkurrenten nur staunten. Steffen Rein setzte auf dem WM-Kurs in Stuttgart die Erfolgsserie als neuer Straßenmeister fort, Gerd Audehm gewann die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, und bei den schweren Klassikern holten die Neuen der RSG mehrere Dutzend Siege. „Die RSG hat in den vergangenen 15 Jahren weiß Gott unzählige bedeutende Sieg errungen, eine Saison aber, in der eine solche Anzahl größter Erfolge erkämpft wurden, hat es noch nie gegeben“, staunte selbst RSG-Gründer Jochen Kröniger nach dem Rennjahr 1991.

Die „Blauen“ schlugen zu

Die „Blauen“, wie man die schnellen Cracks im Trikot der Nürnberger Versicherung bald nannte – schlugen auch in den folgenden Jahren zu. „Die RSG Nürnberg ist nicht nur an die bundesdeutsche Spitze zurückgekehrt, sie zählt auch international zu den besten Amateurteams“, stellte man in Nürnberg nicht ohne Stolz fest. Nach Steffen Rein holten in den folgenden Jahren Stephan Gottschling und Bert Dietz die Einer-Straßen-DM 1992 und 1993, gewannen Klassiker und Etappen-Rennen im In- und Ausland, und auch bei dem seit 1991 stattfindenden Heimspiel „Rund um die Nürnberger Altstadt“ begeisterten sie die fränkischen Fans mit einer dreifachen Siegesserie (Gottschling 1991, Dietz 1992, Rein 1993).

In den Jahren 1991 bis 1995 war die RSG Nürnberg – deren Cracks pro Saison oft über 60 Siege errangen – bundesweit der erfolgreichste Radsportverein, wobei sich inzwischen als bayerische Neuzugänge Thomas Krön aus Strullendorf, Klaus Diewald aus Bogen, Andreas Valenta aus Regensburg und Alexander Kastenhuber aus Bad Reichenhall ebenfalls großartig entwickelten.

Sprung ins kalte Wasser

Nach gravierenden Änderungen des Radsportreglements durch den Weltverband UCI, der 1995 eine Einheitslizenz für nur eine Elite-Klasse einführte, reagierte man in Franken prompt und wagte mit der RSG Nürnberg 1996 den Sprung ins kalte Wasser. „Wir wechseln ins Lager der Profis, denn wir wollen auch künftig Leistungssport auf hohem Niveau betreiben, da bleibt uns keine andere Wahl“, begründete RSG-Boss Dieter Burkhardt seine Entscheidung, die auch der Hauptsponsor großzügig akzeptierte: Als erste deutsche Mannschaft der GS II wechselten die Nürnberger – wieder einmal richtungweisend für alle übrigen Spitzenmannschaften der Amateure – in das Lager der Profis.

Mit dem aus Wiesbaden neu hinzu gekommenen Top-Fahrer Jens Zemke als neuen Kapitän schlugen sich die zehn fränkischen Radrpofis in ihrer ersten Saison recht wacker. Mit konstant guten Leistungen und enormen Einsatz überzeugten die „Blauen“ in den ersten Profi-Jahren alle Skeptiker und überraschten immer öfter mit sensationellen Ergebnissen: Fast hätte es 1999 sogar für einen Weltcup-Sieg für das Team Nürnberger gereicht.

Altstadtrennen als Höhepunkt

Zu den Höhepunkten der vergangenen Jahre zählten für das Team Nürnberger vor rund 100 000 Zuschauern die zwei Siege der Lokalmatadoren Zemke und Schweda (1999 und 2000) beim Rennen „Rund um die Nürnberger Altstadt“, das inzwischen mit internationaler Topbesetzung stattfand. Trotz vier Bergmeistertiteln schwärmt Zemke noch heute: „Das Rennen 1999 war der schönste Sieg meiner Karriere.“

Mit 28 Siegen – 19 davon mit UCI-Status – sowie fünf großen internationalen Bahnerfolgen, die neben Thomas Liese der mehrfache Weltmeister und Olympia-Sieger Jens Lehmann für das Team Nürnberger erkämpfte, konnte man 2001 auf die bislang erfolgreichste Profisaison zurückblicken.

Eine weitere gute Saison schien zu beginnen, als eine Woche vor dem Frankfurter Klassiker am Henninger-Turm die Nürnberger Versicherung ihren Ausstieg als Sponsor nach zwölf Jahren im Straßenrennsport der Männer ankündigte: „Die finanziellen Anforderungen bei der Umsetzung in die Kategorie der internationalen Top-Teams sind explosionsartig gewachsen. Für unser Unternehmen ist es nicht mehr vertretbar, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten“, lautete die Begründung der Unternehmensleitung. Das bedeutete das Ende des Nürnberger Profiradsports bei den Männern.

AUTOR: MANFRED MARR, QUELLE: RADSPORT FORUM