Presseartikel

Plötzlich war die RSG da - 1.Teil

Plötzlich war die RSG da
RSG Katzwang stellte selbst den RC Herpersdorf in den Schatten.
4er
Das war für die RSG Katzwang die Krönung: Der Vierer mit Dieter Flögel, Dieter Münch, Friedrich von Loeffelholz und Dieter Burkhardt (v. li.) holte sich im Jahr 1979 die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft über 100 Kilometer. © Archiv: Manfred Marr

KATZWANG - In den frühen 1970er-Jahren tauchte neben dem seit Jahrzehnten erfolgreichen RC Herpersdorf plötzlich ein neuer Vereinsname in der fränkischen Radsportszene auf: Eine "RSG Franken" Katzwang stellte ab 1975 mit ihren Erfolgen den RC Herpersdorf glatt in den Schatten. Wesentlichen Anteil an der Entstehung und an der großartigen Entwicklung dieser neuen Rennsport-Gemeinschaft hatte damals der ARSV Katzwang, ohne den es die später so erfolgreiche RSG Hercules, die RSG Nürnberg und ab 1996 auch nicht das "Profi-Team Nürnberger" gegeben hätte. Doch wie entstand diese so erfolgreiche RSG überhaupt und wie kam sie nach Katzwang?
Weil die traditionsreichen Nürnberger Radsportvereine RV Union 1886, RC Schwalbe 1897, der Ring Nürnberger Rennfahrer und Tourenclub Nürnberg 1912 zum Beginn der 1970er-Jahre nur noch wenige Aktive hatten, schlug Joachim Kröniger, damals selbst als Amateur im Sattel – den Zusammenschluss dieser Fahrer zu einer "Rennsport-Gemeinschaft" vor. Alle vier Vereine lehnten das jedoch kategorisch ab. Joachim Kröniger, der als Lehrer an Nürnberger Hauptschulen arbeitete, war danach ziemlich enttäuscht.
Wegen seiner großen Begeisterung für den Radsport engagierte er sich in den folgenden Jahren deshalb vorrangig für die Jugendarbeit im Nürnberger Radsport. Im Rahmen des Schulsports war eine Neigungsgruppe Bahnfahren für interessierte Schüler entstanden, die der Altmeister Fritz Scheller aufgebaut hatte. Aus bescheidenen Anfängen der Radsport-Stunden auf der ASN-Bahn in Ziegelstein entwickelte sich bis 1971 ein echter Bedarf.
 
Unterricht "am Keller"
Der beliebte "Rennbahn-Unterricht", der nun wöchentlich am Reichelsdorfer Keller stattfand, kam bei immer mehr Schülern gut an. Fritz Scheller brauchte Hilfe, die er damals bei Joachim Kröniger fand. Dessen Einsatz wurde bereits nach einigen Wochen belohnt, denn sehr bald bewiesen einige seiner ehrgeizigen Schützlinge echtes Talent für den Rennsport. Den Nürnberger Radsportvereinen wollte man sie jedoch nicht anvertrauen.
Fritz Scheller, damals Jugendleiter des Bayerischen Radsportverbandes, ermöglichte deshalb eine Lizensierung dieser Schüler über den "Verein Sportplatz", dem Verwaltungsverein der Nürnberger Radrennbahn. Unter den Radsport-Neulingen, die ab 1971 mit dieser Lizenz ihre Laufbahn begannen, waren mit Gernot und Michael Körber, Friedrich von Loeffelholz und Gerhard Scheller bereits einige hoffnungsvolle Talente, die in den folgenden Jahren noch für viele Schlagzeilen sorgen sollten. Ihre gute Entwicklung begleitete Joachim Kröniger in den folgenden Jahren unermüdlich als erfahrener Trainer und Betreuer.
 
RSG-Gründung und erste Erfolge
1972 fand Jochen Kröniger in Max Güttler und Kurt Albert (RC 50 Erlangen) aufgeschlossene Partner um seine Idee von einer Rennsportgemeinschaft doch noch zu verwirklichen. Am 19. Dezember gründeten der RC 50 Erlangen und der Verein Sportplatz in den Räumen der Rennbahn die "Renngemeinschaft Franken". Ab 1973 konnten rund 20 Jugendliche für die neue RSG starten. Noch war es eine kleine sehr bunte Gruppe, die ohne einheitliche Trikots fuhr, doch nicht nur beim benachbarten RC Herpersdorf war man alarmiert, als der 16-jährige Gymnasiast Friedrich von Loeffelholz zwei Saisonsiege, zehn gute Platzierungen einfuhr und noch im gleichen Jahr für den Jugend-Nationalkader nominiert wurde. In beiden Jugendklassen war die neue RSG Franken in Bayern mit tonangebend. Die RSG-Vierer wurden bei Bayerischen Meisterschaften Dritte der A-Jugend und Zweite der B-Ju-gend. Der 14-jährige Gerhard Scheller erkämpfte über 20 Siege.
Junge erfolgreiche Rennfahrer hatte man inzwischen bei der RSG , doch nun zeichnete sich ein ganz anderes Problem ab: Die Finanzierung des Rennbetriebes wurde mit steigender Anzahl an jungen Fahrer immer schwieriger. "Allein mit dem Idealismus unserer Funktionäre und Betreuer können wir 1974 nicht mehr weiterkommen", stellte Joachim Kröniger nüchtern fest. Als "Retter in der Not" erwies sich damals Ernst Feigl (RSC Fürth), der Inhaber des renommierten Radsporthauses Schertl. Er konnte mit dem RSC Fürth und den ARSV Katzwang zwei Clubs als zusätzliche Trägervereine für die RSG gewinnen.
 
Sechs Vereine als Basis
Nachdem sich im November 1973 auch noch der RC Bavaria Neumarkt, und der Tourenklub Schwabach angeschlossen hatten, hatte die RSG nun insgesamt sechs Vereine als Basis, deren Aktive zwar weiter ihren Vereinen angehörten, aber bei den Rennen für die RSG starteten. Völlig überraschend kam dann noch ein echter Glücksfall hinzu: Der ARSV Katzwang hatte mit der Firma "Paintco-Industrieanstriche" einen großzügigen Sponsor für die RSG gefunden, die man deshalb ab 1974 "RSG-Paintco-Franken" nannte.
Die Sensation in der deutschen Radsportszene war damit perfekt, denn einen offiziellen Sponsor konnte damals noch kein deutscher Radsportverein aufweisen! Zurecht sehr zuversichtlich äußerte sich deshalb der erste RSG-Vorsitzende Helmut Möckel (ARSV Katzwang), der als agiler Manager seiner Zeit weit voraus war: "Unser Ziel ist es, den Radsportlern unserer sechs Trägervereine optimale Voraussetzungen für höchste Ziele zu schaffen!"
Und die Aktiven bedankten sich auf ihre Weise: Allein in der Saison 1974 war die sportliche Ausbeute enorm: Gerhard Scheller wurde Dritter der Jugend-Straßen-DM, Günther Nitsche Dritter der Cross-DM bei den Junioren und Klaus Burges Dritter der Steher-DM! Friedrich von Loeffelholz, der sich intensiv für sein Abitur vorbereitete, fuhr in seinem ersten Amateurjahr "nur" zwei Siege und viele gute Platzierungen ein!
RSG-Boß Helmut Möckel wurde von Insidern als "Großmaul" bezeichnet, als er im Herbst 1974 erklärte: "Wir werden ein Team von Straßenamateuren aufbauen, das zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen einmalig ist. Später könnte daraus eine Nürnberger Profi-Mannschaft entstehen!" Seine Prognose war damals zwar sehr gewagt, doch er sollte Recht behalten.
Zunächst gab es für die aufstrebende RSG-Paintco Franken 1975 allerdings erst großen Ärger, denn auf Anordnung des Dachverbandes Bund Deutscher Radfahrer (BDR) musste der Name des Sponsors aus dem Vereinsnamen entfernt werden. Soweit war man beim BDR damals noch nicht! Walter Schlöffel, der Inhaber der Firma Paintco, hatte ein Einsehen und sponserte die RSG trotzdem weiter. Der Verein wurde nun in "RSG Franken Katzwang" umbenannt, nachdem inzwischen die Hauptlast der Organisation, der Arbeit und der Finanzierung vom ARSV Katzwang getragen worden war.
 
Der Bekanntheitsgrad wuchs
Damit wurde der Name Katzwang plötzlich im ganzen Bundesgebiet bekannt. Die jungen Fahrer, in ihren grauen Trikots mit dem auffälligen Katzen-Emblem sorgten mit ihren Erfolgen bundesweit für Schlagzeilen und für eine sensationelle Siegesserie: Gerhard Scheller wurde als Junior auf der Bahn im Sprint und über 500 Meter zweifacher Deutscher Meister sowie in Lausanne Vizeweltmeister! Klaus Burges gewann mit Schrittmacher Manfred Höflich die deutsche Meisterschaft der Amateursteher. Friedrich Loeffelholz schaffte schon als 20-Jähriger den Aufstieg in die Amateur-Nationalmannschaft. Zusammen mit Klaus Burges , Dieter Flögel und Eugen Heim wurde der Katzwanger-Straßenvierer als Dritter der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft über 100 Kilometer zum Favoritenschreck. Dieter Flögel war als junger Amateur von Schweinfurt zur RSG gestoßen und Eugen Heim hatte aus Esslingen den Weg nach Katzwang gefunden. Erstmals kamen auf Grund ihrer Freundschaft zu von Loeffelholz "externe" Spitzenfahrer zur RSG, um sich sportlich noch besser weiterzuentwickeln!
 
"Rad-Baron" bei Olympia
Auch zwischen 1976 und 1979 ging es bei der RSG Franken Katzwang steil bergauf: Mit Friedrich von Loeffelholz, inzwischen einer der besten deutschen Straßenamateure, hatte die RSG Franken 1976 sogar einen Olympia-Teilnehmer. Der "Rad-Baron", wie der blonde Maschinenbau-Student längst von den Medien genannt wurde, war jüngster Fahrer des bundesdeutschen Olympia-Vierers, in dem der spätere Bundestrainer Peter Weibel (Mannheim) als Kapitän fuhr. "Der ,Loeffel‘ kann sich quälen, dass ist ja unglaublich", staunte Weibel damals über seinen jungen Teamkameraden. Doch alle Quälerei reichte am 24. August 1976 in Montreal bei über 36 Grad Hitze und einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent dem deutschen Top-Quartett nicht zum Erfolg: "Lumpige 14 Sekunden fehlten uns nach 100 Kilometern", ärgerte sich von Loeffelholz noch lange über die verpasste Olympische Medaille.
Ansonsten aber gab es ab 1976 fast nur Grund zur Freude. Die Asse der RSG Katzwang räumten auf Bahn und Straße ab. Inzwischen zählte auch Dieter Flögel zum BDR-Nationalkader. Ebenfalls aus Unterfranken kam ein weiterer Spitzenamateur nach Katzwang: Dieter Burkhardt aus Dittelbrunn bei Schweinfurt hatte als Topsprinter Flögel und von Loeffelholz schon so manchen fast sicheren Sieg vor der Nase weggeschnappt. Er komplettierte das legendäre Katzwanger Erfolgstrio und sollte im Laufe der folgenden zehn Jahre eine der Hauptstützen der erfolgreichen fränkischen Radsport-Gruppe werden!
Nachdem Klaus Burges bei den Stehern und Gerhard Scheller im Sprint der Amateure 1977 zwei weitere deutsche Meistertitel für die "Katzen" erkämpft hatten, war 1978 der erste Straßentitel längst überfällig, denn Flögel, von Loeffelholz und Burkhardt setzten ihre Siegesserie unaufhaltsam fort. Allein von Loeffelholz stieg 1978 zwanzig (!) Mal bei großen Straßenrennen als Sieger aufs Treppchen! Und "Loeffel" war topfit und heiß auf die Straßen-DM in Berlin. Im Finale sprengte er auf den letzten Kilometern eine dreiköpfige Spitzengruppe und fuhr am Wannsee als strahlender Sieger allein ins Ziel!
 
1979 klappte es endlich
Ein weiteres ganz großes – leider lange unerfülltes – Ziel der Katzwanger Elite-Radler blieb bis 1979 die Vierer-Straßen-DM bei der es vor allem um das Prestige "der besten deutschen Rad-Mannschaft" ging. "Das Problem mit dem Vierer ist für unsere Jungs, dass sie Jahr für Jahr einfach zu viele große Renntermine haben und sich deshalb nie gezielt auf diese DM vorbereiten können", bedauerte Fritz Wolkersdorfer, der nach Helmut Möckel den Vorsitz der RSG übernommen hatte.
Doch bei der Vierer-DM 1979 im unterfränkischen Dittelbrunn sollte es endlich klappen: Bei strömendem Regen fuhren Friedrich von Loeffelholz, Dieter Burkhardt, Dieter Flögel und der junge Dieter Münch, der sich im gleichen Jahr der RSG angeschlossen hatte, die Konkurrenz buchstäblich in Grund und Boden. Die Zeitnehmer blickten immer wieder ungläubig auf ihre nassen Stoppuhren, die Bestzeiten der vier Katzwanger nach 25, 50- und 75 Kilometern waren sensationell. Nach genau 100,6 Kilometern raste der "Franken-Express", der diesmal in roten einteiligen Trikots fuhr, mit über drei Minuten Vorsprung als neuer Meister ins Ziel!
"Das mit den roten Trikots war ein kleiner Trick von uns. Es waren eigentlich Nationaltrikots russischer Bahnfahrer, die wir uns besorgt hatten, die waren viel windschlüpfiger als herkömmliche Straßentrikots", gestanden die vier Meister im Ziel. Mit dem Vierer-DM-Titel, der damals als die "Krone des Amateur-Straßenrennsports" galt, hatte die RSG Katzwang 1979 endgültig den Olymp des deutschen Straßenrennsports erreicht. Damit konnte man nun den Nürnberger Fahrrad-Hersteller "Hercules" als Hauptsponsor gewinnen.
Nach 12 Deutschen Meistertiteln begann 1980 der zweite Teil der einmaligen Erfolgsgeschichte für die fränkischen Rad-Asse die nun als "RSG Hercules" in ihren neuen blauen Trikots ihre Siegesserie fortsetzten. Darüber in Kürze mehr . . .

Rebellen im Radsport - 2.Teil

"Rebellen" im Radsport
Teil 2 der Serie: Wie die RSG Hercules zwischen 1980 und 1989 den deutschen Straßenrennsport dominierte. - 19.06.2020 

1984
Da gab es für den RSG-Chef Jochen Müller reichlich Grund zur Freude, als im Jahr 1984 in Alpirsbach Thomas Freienstein die Straßen-DM gewann und Dieter Burkhardt (links) Platz drei erkämpfte. © Archiv: Manfred Marr.

KATZWANG - Ab 1979 zählte sie mit einer beachtlichen Anzahl an Siegen und 12 Deutschen Meister-Titeln auf Bahn und Straße bereits zu den erfolgreichsten Radsport-Vereinen Deutschlands! Doch das sollte erst der Anfang sein, denn die außergewöhnliche Erfolgsserie des kleinen Radsportvereins setzte sich mit zahlreichen Siegen und 20 weiteren Deutschen Meistertiteln noch bis 2002 fort – ab 1980 unter dem neuen Namen RSG Hercules Nürnberg, ab 1991 als RSG Nürnberg und ab 1996 als Profi-Mannschaft "Team Nürnberger". Im zweiten Teil unserer Serie berichten wir über die Zeit zwischen 1980 und 1989.
Trotz der vielen großen Erfolge endete das Rennjahr 1979 für die RSG mit erheblichen Sorgen, denn der immer größer und umfangreicher werdende Rennbetrieb konnte auf der bisherigen Vereinsbasis nicht mehr finanziert werden. Verzweifelt suchte man deshalb nach einem Sponsor. Und wieder war es der Fürther Radsportidealist Ernst Feigl, der den entscheidenden Tipp gab. Durch seine Vermittlung kam der Kontakt der RSG zur Firma Hercules zu Stande, der neue Hauptsponsor.
Mit großzügiger Unterstützung durch den renommierten Fahrradhersteller hatte die Mannschaft, die nun als "RSG Hercules" in ihren neuen blauen Trikots fuhr, eine solide Basis für die folgenden Jahre. Doch plötzlich gab es ein neues, sehr großes Problem durch den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) der von den Nationalfahrern des Olympia-Kaders von 1980 verlangte, dass sie an allen Vorbereitungsmaßnahmen des BDR teilnehmen und ausschließlich mit Rennmaterial des BDR-Sponsors Peugeot fahren sollten.
 
Eklat mit dem BDR
Damit standen die Nürnberger Cracks plötzlich vor der Wahl "Brot oder Spiele", denn ihre Freiheit bei der Rennplanung und den gerade erst gewonnenen Sponsor Hercules wollten sie natürlich nicht verlieren. Die BDR-Bedingungen wurden abgelehnt. Nachdem auch ein Kompromissvorschlag der RSG beim BDR keine Gegenliebe gefunden hatte, kam es schließlich zum Eklat. Der BDR schloss die fränkischen Asse aus dem National- und Olympia-Kader und damit auch aus der Sporthilfe aus!
Für die Medien damals ein gefundenes Fressen: Die Nürnberger Asse wurden über Nacht zu "Rebellen", deren Leistungen nun besonders aufmerksam verfolgt wurden. Die Werbung für den Sponsor Hercules hätte nicht größer und wirkungsvoller sein können, denn Burkhardt, von Loeffelholz, Flögel und Co. stürmten von Sieg zu Sieg und hängten dabei die Nationalfahrer von Bundestrainer Karl Ziegler fast immer ab. So auch bei der Straßen-DM 1980 in Mainz-Ebersheim, die der RSG-Neuzugang Hans Neumayer aus Moosach gewann. Friedrich von Loeffelholz stand als Dritter mit auf dem Podium. Mit vier Fahrern war die RSG Hercules unter den Top 12.
Den Ausschluss aus dem Olympiakader konnten die Hercules-Asse als Deutschlands erfolgreichste Straßenfahrer also locker wegstecken! 1980 gewannen von Loeffelholz, Burkhardt, Flögel und Neuzugang Andreas Lübeck mit fast drei Minuten Vorsprung auch die Deutsche Vierer-Meisterschaft über 100 Kilometer. Die Freude über diesen Titel sollte nicht lange währen, denn der BDR schlug zurück: Wegen eines minimalen Restbefundes eines Aufbaumittels, das Dieter Flögel nach einer schweren Infektion im Frühjahr zur besseren Regeneration eingenommen hatte, wurde der RSG der Titel wieder aberkannt.
 
Boykott der "Spiele"
Mit ganz großen Siegen unter anderen am "Henninger-Turm" in Frankfurt und beim "Ernst-Sachs-Gedächtnis-Rennen" in Schweinfurt verabschiedete sich der "Radbaron" Friedrich von Loeffelholz 1980 mit 25 Jahren sehr früh vom Radsport. "Meine berufliche Entwicklung hat nun den Vorrang", ließ er den erstaunten Medien-Vertretern wissen. Sein Erbe setzten Dieter Flögel und Dieter Burkhardt zusammen mit dem Deutschen Straßenmeister Hans Neumayer und den Neuzugängen Andreas Lübeck (Bünde) und Andreas Englert (Schweinfurt) erfolgreich fort. Insgesamt feierten die "Rebellen" 51 Saisonsiege im Jahr 1980! Nachdem die Olympischen Spiele von Moskau wegen der sowjetischen Invasion in Afghanistan unter anderem von der BRD boykottiert worden waren, hatten die fränkischen "Rebellen" zur Freude über ihr Rennjahr auch noch die Schadenfreude auf ihrer Seite!
Zur Förderung des Amateur-Straßenrennsports sponserte die Dredner Bank ab 1981 eine neue Rennserie um das "Grüne Band" mit den zwölf bedeutendsten und schwersten Eintages-Rennen. Auch hier dominierten die fränkischen Asse: Allein vier Siege erkämpfte Janusz Bieniek, ehemaliger polnischer Nationalfahrer, der ab 1981 das Nürnberger Trikot trug. Dieter Flögel, der in der Gesamtwertung als zweiter den Doppelerfolg der RSG sicherte, gewann "Rund um Dortmund", Dieter Burkhadt den Frühjahrs-Klassiker "Köln-Schuld-Frechen" und Andreas Englert den "Großen Tucher-Preis" des RC Herpersdorf.
Bester deutscher Fahrer bei der Straßen-WM in Prag war Dieter Flögel als Fünfter. Jochen Müller, der als Nachfolger von Fritz Wolkersdorfer ab 1981 die RSG Hercules leitete, konnte sich außerdem über einen weiteren Deutschen Meistertitel freuen: Martin Pudelko, der als Schüler bei der RSG mit dem Radsport begonnen hatte, wurde in Bergen-Enkheim Deutscher Straßenmeister der Junioren! Fast wäre 1981 noch ein weiterer DM-Titel dazu gekommen: Nur elf Sekunden fehlten Burkhardt-Flögel-Lübeck und Ireneus Walczak, ein weiterer Fahrer aus Polen, nach 100 Kilometern zum DM-Titel im Vierer.
Während die Polen Walczak und Bieniek bereits 1982 die RSG wieder verließen, fand mit Thomas Freienstein (Fulda) ein junger Nationalfahrer zur RSG, der in den folgenden Jahren echtes Weltklasseformat erreichte! Freienstein gewann die Gesamtwertung des "Grünen Bandes", den Brügelmann-Cup und die Hessen-Rundfahrt. Doch auch mit der neuen Top-Besetzung Thomas Freienstein, Dieter Burkhardt, Dieter Flögel und Andreas Englert verpasste der RSG-Vierer als Vizemeister erneut ganz knapp den DM-Titel hinter dem RC Opel-Schüler Berlin.
 
1982 von Sieg zu Sieg
Überragender Mann der Saison war 1982 Dieter Burkhardt, der nach Siegen bei den Klassikern in Dortmund und Schweinfurt in Rosenheim bei der Einer-Straßen-DM ganz groß auftrumpfte: Im packenden Finale um den Titel ließ er nach rund fünfstündiger Regenschlacht durch die oberbayerischen Berge dem späteren Weltklasse-Profi Rolf Gölz sowie Werner Stauff keine Chance!
Außergewöhnlich erfolgreich verliefen für die RSG Hercules auch die Rennjahre 1983 bis 1989 mit vielen großen Siegen bei Klassikern, Etappenrennen und acht weiteren Deutschen Meistertiteln! Seinen schönsten Sieg feierte 1983 Dieter Flögel als er in Reute/Breisgau mit einem kraftvollen und cleveren Schlussspurt die Straßenmeisterschaft vor den beiden Berlinern Joachim Schlaphoff und Peter Becker gewann.
1984 sorgte Thomas Freienstein dafür, dass der Straßen-Titel bei der RSG Hercules blieb. Auf einer sehr selektiven 168-Kilometer-Strecke durch den Nord-Schwarzwald war der 24-jährige Theologiestudent in Alpirsbach der überragende Mann des Tages. Freienstein fuhr als strahlender Solo-Sieger mit klarem Vorsprung vor Rajmund Lehnert (Dortmund) ins Ziel. Im mitreißenden Finish des Feldes um Platz drei hatte einmal mehr Dieter Burkhardt die schnellsten Beine.
Der nächste DM-Titel für die RSG Hercules war bereits 1985 fällig, als der Nürnberger Straßenvierer mit Dieter Burkhardt, Thomas Freienstein, Werner Stauff und dem Lisberger Hans Knauer über 100 Kilometer absolute Tagesbestzeit fuhr. Ein Jahr später folgte die sechste deutsche Meisterschaft für die RSG Hercules im Einer-Straßenrennen als Werner "Kiko" Stauff nach brutaler Hitzeschlacht im pfälzischen Bann mit dem Dortmunder Bernd Gröne in die Zielgerade einbog. Stauff gewann den Zweikampf um den Titel souverän. Noch spannender wurde es nach knapp einer Minute als das Feld verbissen um Platz drei spurtete. Und wieder war es Dieter Burkhardt, der unwiderstehlich antrat und den Massensprint unangefochten für sich entschied! Für Dieter Burkhardt, der damit zum zehnten Mal bei einer DM auf dem Treppchen stand, war es ein glänzender Abschluss seiner langen und erfolgreichen Karriere.
Ein neuer Abschnitt in der Geschichte der RSG hatte sich entwickelt nachdem sich Friedrich von Loeffelholz 1980, Dieter Flögel 1984 und Dieter Burkhardt 1986 verabschiedet hatten, denn diese drei Fahrer waren absolute Ausnahmeathleten. Ihr Erfolgsrezept war kein Geheimnis, wie Burkhardt in einem Interview einst erklärte: "Wir betrieben unseren Sport professioneller und konsequenter als die Konkurrenz und setzten uns im Rennen immer Ziele. Es hat sich ausgezahlt, dass wir immer getreu dem Motto an den Start gingen: ,Lieber einen schlechten, als gar keinen Plan." Hinzu kam, dass das legendäre Erfolgstrio der RSG wesentlich härter trainierte als viele ihrer Konkurrenten, denen sie meist auch an taktischer Cleverness überlegen waren.
 
Regie übernommen
Ab 1987 wurde es zwar etwas ruhiger um die RSG, doch mit zehn Spitzenfahrern zählte sie nach wie vor zu Deutschlands erfolgreichsten Teams, in dem erstmals Dieter Burkhardt fehlte, der nun jedoch neben Jochen Müller als 2. Vorsitzender und Sportleiter die Regie übernahm. Zu den bewährten Assen Werner Stauff, Hans Knauer, Thomas Freienstein und Werner Wüller gesellten sich junge Talente wie Remig Stumpf, Klaus-Dieter Pöhlmann, Thomas Krön, Markus Schleicher, Christian Verschl und Axel Hassler. Großartig entwickelt hatte sich auch der gebürtige Nürnberger Norbert Arnold, der als 10-Jähriger bei der RSG mit dem Radsport begonnen hatte. Er begeisterte die heimischen Radsportfans später als Amateur mit Siegen bei den fränkischen Klassikern in Herpersdorf und Cadolzburg! Auch im Crosssport zeigte Norbert Arnold außergewöhnliches Talent. Er wurde mehrfacher Bayerischer Meister und 1987 in Berlin deutscher Vize-Meister im Gelände. Remig Stumpf, der 1988 mit einem sensationellen Etappensieg bei der Friedensfahrt überraschte und in Schweinfurt die schwere Ernst-Sachs-Tour gewann, holte im 50-Kilometer-Einzelzeitfahren einen weiteren deutschen Meistertitel für die RSG. Bei der Vierer-WM in Villach wurde er Fünfter.
Die Schallmauer von 50 km/h durchbrach 1988 bei der Vierer-DM in Berlin das Quartett der RSG Hercules mit Remig Stumpf, Werner Stauff, Werner Wüller und dem Münchner Ernst Christl. Die 92,3 Kilometer lange Schleife legten die entfesselten Franken in der sensationellen Siegerzeit von 1:49,11 Std. zurück und ließen damit den Mitfavoriten aus Stuttgart und Berlin keine Chance.
Kapitän Remig Stumpf holte wenige Wochen danach erneut den Einer-Titel im Zeitfahren über 50 Kilometer nach Nürnberg: "Es lief einfach prächtig bei mir", strahlte der erst 21-jährige Unterfranke, der damals als größtes deutsches Radsporttalent bezeichnet wurde. Nach der Super-Saison 1988 wechselten Stumpf, Stauff und Wüller gemeinsam ins Lager der Profis, womit sie bei der RSG Hercules eine große Lücke hinterließen.
Es war nicht leicht für die RSG Hercules 1989 an frühere Erfolge anzuknüpfen, zumal man nun mit einigen weniger bekannten Talenten in die neue Saison ging! Doch auch diese jungen Fahrer zeigten enormen Ehrgeiz und holten 21 Siege bei Eintages- und Etappenrennen. Der gebürtige Münchner Holger Duwe überraschte bei der Deutschen Straßenmeisterschaft in Schweinfurt mit Platz zwei. Als bester Sprinter der RSG Hercules feierte der Strullendorfer Thomas Krön neun Saisonsiege. Der erst 21-jährige Junioren-Ex-Meister Christian Verschl zeigte bei Straßenrennen und Rundfahrten vielversprechende Leistungen. In der Gesamtwertung der Rad-Bundesliga 1989 belegte er als bester Nürnberger Rang sieben.
Einen weiteren DM-Titel für die RSG – es war inzwischen der 23. – gewann 1989 eine junge Dame: Die 17-jährige Jeanette Matt, Schwester des RSG Fahrers Reto Matt, sorgte als Straßenmeisterin der Juniorinnen dafür, dass die jährliche Siegesserie der RSG bei Deutschen Meisterschaften von 1975 bis 1989 nicht unterbrochen wurde.
Das letzte – ebenfalls sehr erfolgreiche – Kapitel der RSG wurde in den 1990er-Jahren geschrieben, nachdem sich die Firma Hercules vom Radrennsport zurückgezogen hatte und die Nürnberger Versicherung als neuer Sponsor gewonnen werden konnte. Mehr darüber im dritten Teil des Rückblicks in Kürze.

Frischer Wind aus dem Osten - 3.Teil

Frischer Wind aus dem Osten
Der dritte und letzte Teil unserer kleinen Serie: Von der RSG Katzwang über die RSG Hercules zum Profi-Team Nürnberger. - 26.06.2020 11:33 Uhr

gottschling
KATZWANG - Das bisher größte Tief ihrer Geschichte erreichte die RSG-Hercules im Jahr 1990. In der Bundesliga-Gesamtwertung reichte es gerade noch für Rang sieben und in der Einzelwertung kam kein einziger Fahrer unter die ersten Zehn! Bei der Vierer-DM, bei der die RSG seit 1979 alljährlich zu den Top-Favoriten gezählt hatte, kam der RSG-Vierer auf Rang 25 ins Ziel! Nach dieser Saison war man sehr enttäuscht und machte sich ernsthafte Sorgen um den Fortbestand der RSG, zumal auch noch die Firma Hercules nach zehn Jahren ihren Rückzug als Hauptsponsor ankündigte.

Doch 1991 kam plötzlich frischer Wind aus dem Osten. Nach der Wiedervereinigung wechselten zahlreiche DDR-Spitzenfahrer in den Westen und RSG-Boss Dieter Burkhardt nutzte die Gunst der Stunde. Er konnte sechs außergewöhnlich talentierte DDR-Radsport-Talente für die RSG gewinnen: Gerd Audehm, Bert Dietz, Darius Matuszek, Steffen Rein, Mike Weissmann und Stephan Gottschling schlossen sich der RSG an.
Als neuer Hauptsponsor engagierte sich die Nürnberger Versicherungsgruppe mit deren Radsport begeistertem Direktor Wolfgang Leiber. Damit begann nun ein neues erfolgreiches Kapitel in der RSG-Geschichte, die weiterhin materielle Unterstützung durch die Firma Hercules erhielt und sich ab 1991 in "RSG Nürnberg" umbenannte. Bereits im ersten Jahr legten die "Neuen" aus den einstigen DDR-Kaderschmieden von Cottbus und Leipzig dermaßen los, dass die Konkurrenten nur noch staunen konnten! Steffen Rein setzte als Deutscher Straßenmeister 1991 die frühere Erfolgsserie der RSG bei Deutschen Radsport-Meisterschaften fort, Gerd Audehm gewann die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt und bei weiteren Rundfahrten und schweren Klassikern holten die RSG-Fahrer die Siege in Serie. Einziger Wermutstropfen der Supersaison 1991 war, dass der Bund Deutscher Radfahrer für die WM in Stuttgart die erfolgreichen RSG-Fahrer nicht nominierte — auch nicht Steffen Rein, der die DM wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft auf gleichem Kurs vor Erik Zabel gewonnen hatte

Zurück an der Spitze
"Die RSG-Nürnberg ist nicht nur an die bundesdeutsche Spitze zurückgekehrt, sie zählt auch international zu den besten Amateurteams", stellte RSG-Boss Dieter Burkhardt auch in den folgenden Jahren fest: Nach Steffen Rein holten Stephan Gottschling und Bert Dietz die Einer-Straßen-DM 1992 und 1993. Bert Dietz gewann 1992 die Hessen- und die Thüringen-Rundfahrt. Auch 1993 war der 24-jährige Allrounder nicht zu bremsen. Neben dem Deutschen Meistertitel und zahlreichen weiteren Siegen gewann er die Niedersachsen- und die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt!
Auch bei ihrem Heimspiel "Rund um die Nürnberger Altstadt" begeisterte die RSG ihre fränkischen Fans mit einer dreifachen Siegesserie (Gottschling 1991, Dietz 1992, Rein 1993). 1994 war "Bergfloh" Stephan Gottschling in der Form seines Lebens. Bei der Berg-DM in Bad Säckingen ließ er den amtierenden Straßen-Weltmeister Jan Ullrich locker hinter sich! Im Ziel strahlte er mit Udo Sprenger um die Wette. Der Wiesbadener Kripo-Beamte war ab 1994 sportlicher Leiter der RSG.
Zwischen 1991 bis 1995 war die RSG Nürnberg, deren Cracks pro Saison rund 60 Siege errangen, bundesweit der erfolgreichste Radsportverein, wobei sich die bayerischen Neuzugänge Thomas Krön (Strullendorf), Klaus Diewald (Bogen), Andreas Valenta (Regensburg) und Alexander Kastenhuber (Bad Reichenhall) großartig entwickelten! Krön wandelte sich vom Kriteriums-Spezialisten zum gefürchteten Straßensprinter. Berg- und Rundfahrtspezialist Alexander Kastenhuber gewann 1993 die Bayern-Rundfahrt, 1994 die Neukaledonien-Rundfahrt und 1995 die Deutsche Bergmeisterschaft vor Titelverteidiger Gottschling. In Topform war stets auch Klaus Diewald, der 1994 DM-Dritter wurde und als erfolgreichster RSG-Fahrer des Jahres 14 Rennen gewann.

Sprung ins kalte Wasser

Nachdem der Radsport-Weltverband UCI 1995 eine neue Einheitslizenz für nur eine "Eliteklasse" einführte, wagte man bei der RSG Nürnberg den Sprung ins kalte Wasser. "Wir wechseln ins Lager der Profis, denn wir wollen auch künftig Leistungssport auf hohem Niveau betreiben, da bleibt uns keine andere Wahl", begründete Dieter Burkhardt die Entscheidung, die auch der Hauptsponsor akzeptierte.
Als erste deutsche Amateur-Mannschaft wechselten die Nürnberger 1996 in das Lager der neuen Profi-Kategorie "GSII". Mit dem Wiesbadener Bergspezialisten Jens Zemke als neuen Kapitän schlugen sich die zehn fränkischen Radprofis in ihrer ersten Saison sehr wacker. Klaus Diewald und Steffen Rein gewannen zwei Etappen bei der "Tour de Normandie", Mike Weißmann und Andreas Klier wurden Etappensieger bei der Niedersachsen-Rundfahrt und bei der Boland-Bank-Tour in Südafrika. Insgesamt holten die Nürnberger Profis 19 Saisonsiege im In- und Ausland und erkämpften dadurch 367 wertvolle UCI-Punkte!

Mit konstant guten Leistungen überzeugten die inzwischen "Blau-Weißen" auch in den folgenden Jahren alle Skeptiker und überraschten immer wieder mit sehr guten Ergebnissen. Fast hätte es 1999 sogar einen Weltcupsieg für das "Team Nürnberger" gegeben. Bei den "HEW-Cyclassics" in Hamburg spurtete Raphael Schweda im heißen Finish nach 253 Kilometern hinter dem Italiener Mirko Celestino als Zweiter, noch vor dem späteren Weltmeister Roman Vainsteins und Weltcup-Sieger Johan Museeuw über die Ziellinie!
Auch der mehrfache Bahnweltmeister Jens Lehmann, der ab 2001 für das Team Nürnberger startete, zählte in seinem Metier noch immer zur absoluten Weltklasse. Der 34-jährige Leipziger wurde Vize-Weltmeister und Deutscher Meister über 4000 Meter. Für weitere erfreuliche Schlagzeilen sorgte Jens Lehmann 2001 zusammen mit Thomas Liese beim "Grand-Prix EnBW" , einem international und hochkarätig besetzten Paar-Zeitfahren in Karlsruhe. Um nur vier Sekunden verfehlten die beiden Nürnberger nach 72 Kilometern den Tagessieg, den ihnen die Franzosen Christophe Moreau und Florent Brard auf den letzten 1000 Metern vor der Nase wegschnappten. Das Favoriten-Paar Jan Ullrich/Andreas Klöden belegte mit 1:47 Minuten Rückstand nur Platz fünf. Mit 28 Siegen – wovon zwölf die beiden Top-Sprinter Robert Förster und Thorsten Wilhelms feierten – sowie weiteren internationalen Bahnerfolgen von Jens Lehmann konnte das Team Nürnberger 2001 auf seine bislang erfolgreichste Saison zurückblicken!

Ausstieg des Sponsors
Im Februar 2002 stellten die Sportlichen Leiter Udo Sprenger und Uwe Raab eine 19-köpfige Mannschaft vor, in der die bewährten deutschen Asse zusammen mit Fahrern aus Rußland, Tschechien, Polen, Slowenien und Österreich ein starkes internationales Team bildeten. Eine weitere Supersaison war zu erwarten, als eine Woche vor dem Frankfurter Klassiker am Henninger-Turm eine Nachricht einschlug wie eine Bombe: Die Nürnberger Versicherungsgruppe kündigte überraschend ihren Ausstieg als Sponsor an.

"Die finanziellen Anforderungen in der Kategorie der internationalen Top-Teams sind in den vergangenen Jahren explosionsartig gewachsen. Für unser Unternehmen ist es nicht mehr vertretbar, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Nach 12 Jahren fruchtbarer Zusammenarbeit ist uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen", lautete die Begründung der Unternehmensleitung. Trotz des Schocks, den diese Nachricht auslöste, zeigten die Nürnberger Profis in den folgenden Wochen weiter ungebrochenen Kampfgeist. Bei der Bayern-Rundfahrt gewann Jürgen Werner sowohl Berg- als auch Sprintwertung!
Auch Sprint-Ass Werner Riebenbauer war noch immer voll motiviert. Vier Mal erkämpfte der schnelle Österreicher bei der Deutschland-Tour den vierten Etappenplatz, bei der Friedensfahrt spurtete er als Zweiter der 1. Etappe ins Ziel, Thomas Liese wurde Fünfter der Gesamtwertung! Sascha Sviben, der neue Mann aus Slowenien, triumphierte beim Klassiker "Rund um die Hainleite" und mit den Plätzen vier und sieben von Riebenbauer und Förster verabschiedeten sich die Nürnberger Profis beim Altstadt-Rennen im September 2002 von ihren fränkischen Fans.
"Unsere Jungs fuhren heute ganz groß und hätten gerade an diesem Tag einen Platz auf dem Treppchen verdient", kommentierte Sportleiter Udo Sprenger sichtbar geknickt die Abschiedsvorstellung seiner langjährigen erfolgreichen Lokalmatadore.
Mit dem Rückzug der Nürnberger Versicherung, die ab 2002 nur noch den Frauen-Radsport der "Equipe Nürnberger" sponserte, kam das endgültige Aus für das fränkische Profi-Team, zumal man trotz vieler Verhandlungen keinen Hauptsponsor fand. Die RSG Nürnberg, für die einige Jugendliche und Amateure noch mehrere Jahre fuhren, existierte jedoch noch immer. Erst im November 2010 entschloss sich der harte Kern des kleinen Vereins mit dem einstigen Gründer Joachim Kröniger, Friedrich von Loeffelholz, Dieter Burkhardt und Dieter Flögel, die RSG zum Ende des Jahres aufzulösen. Ein erfolgreiches Stück fränkischer Radsport-Geschichte ging damit zu Ende!

Ein Spezialist und idealer Berater

Altmeister Dieter Burkhardt führt sein Radgeschäft mit Leidenschaft

VON DIETER BRACKE

NÜRNBERG – Das Fahrrad, das Karl Freiherr von Drais im Jahre 1817 erfunden hat, bestimmte sein Leben seit frühester Jugend und lässt ihn nicht mehr los: Dieter Burkhardt, Jahrgang 1955, sitzt zwar nicht mehr als Rennfahrer im Sattel, aber er gilt in seinem Radgeschäft im Norden Nürnbergs für Interessenten als Spezialist und idealer Berater. Die stolzen Erfolge des gebürtigen Stuttgarters, der im unterfränkischen Dittelbrunn aufgewachsen und seit einigen Jahrzehnten in der Noris beheimatet ist, sind nicht nur den Radsportexperten im Gedächtnis haften geblieben.
Kein Wunder angesichts der stattlichen Bilanz: Bei mehr als 120 Rennen stand er als Sieger auf dem obersten Treppchen. Und dies in vielen Ländern Europas und sogar in Südamerika bei Tages- und auch Etappenrennen.
An welchen Triumph erinnert sich Burkhardt besonders? Die Antwort kommt nach kurzem Zögern: „Es war der erste deutsche Meistertitel mit dem Straßenvierer der RSG Nürnberg 1979. Und dies in der alten Heimat Dittelbrunn, dazu noch an meinem Geburtstag.“ Einem weiteren DM-Sieg mit dem Vierer folgte 1982 auch ein Titel als Einzelfahrer. In diesen Disziplinen stand er danach, dies erwähnt der 60-Jährige so nebenbei, jahrelang immer auf dem Siegerpodest. Der deutliche Beweis seiner Klasse und Beständigkeit.
früher1
Sein größter Triumph: 1982 wurde Dieter Burkhardt in Rosenheim Deutscher Meister im 1er Straßenfahren

Doch warum hat ein derart erfolgreicher Rennfahrer nicht den Sprung ins Profilager vollzogen? Gewagt wäre die richtige Formulierung angesichts Burkhardts Aussage: „Wir konnten vom Frühjahr bis in den Herbst permanent Rennen fahren und haben gut verdient.“ Über manche Gehälter der Profis hätten sich er und seine Kollegen schiefgelacht. Der Blick auf das Geschehen der Gegenwart verbietet Optimismus. Weil ein starkes deutsches Team fehle, seien die meisten Profis nur Ergänzungen in ausländischen Teams. Eine triste Situation, für die Burkhardt eine Erklärung hat, ohne dabei tief schürfen zu müssen: „Es gibt in Deutschland kaum noch Rennen, so dass die Probleme um den fehlenden Nachwuchs immer größer werden.“ Das kürzlich verkündete Ende der Bayern-Rundfahrt untermauert dies. Mit Wehmut erinnert sich der Altmeister in diesem Zusammenhang an das damit verbundene Aus des Nürnberger Altstadtrennens, sein Steckenpferd. „Das waren tolle Veranstaltungen mit Superstars wie Jan Ullrich, Erik Zabel, Marco Pantani oder Fabio Baldato und großer Zuschauerkulisse“, blickt er zurück.
Der Radsport und Doping – ein heißes Thema, bei dem Burkhardt nicht ausweicht und auch nicht nach Ausflüchten sucht. Die eigenen Erfahrungen dabei entlocken ihm ein Schmunzeln. „Entweder ich oder ein anderer RSG-Starter musste bei jedem Rennen zur Dopingkontrolle“, erzählte er, „weil wir mit dem Bund Deutscher Radfahrer im Clinch lagen. Mit unseren Forderungen nach strukturellen Veränderungen blitzten wir leider zunächst ab und zogen uns den Zorn der Verantwortlichen zu.“
Keinerlei Verständnis hat Burkhardt für das Verhalten von Ullrich und dessen Aussage, er habe niemanden betrogen, „ denn alle haben gedopt“, übrig. „Ich kann auch nicht bei Rot über die Ampel fahren, weil dies der Autofahrer vor mir getan hat“, meint er kopfschüttelnd. Eine Frage, die bei diesem leidigen Thema immer wieder auftaucht: Könnte ein Profi bei der Tour de France in den Alpen oder Pyrenäen eine Königsetappe furios gewinnen, ohne gedopt zu sein? „Schon“, meint der Ex-Meister und fügt aufklärend hinzu: „Bei den folgenden Etappen aber würde er keine Rolle spielen können.“
Da der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, eiferte Burkhardts Sohn Holger seinem Vater nach. Er galt als talentiert und fuhr auch für die eine oder andere deutsche Spitzenmannschaft. Doch dann erkannte er den Niedergang seiner Sportart und nahm rechtzeitig die Kurve: Er hat ein Masterstudium begonnen. Sehr zur Freude des Vaters, der nur schwer an eine Wende im Radsport glaubt.
Für das erwähnte Problem mit dem fehlenden Nachwuchs hat Dieter Burkhardt noch eine Erklärung parat: „Früher sind viele Leute mit den Jungs zu Rennen gefahren. Heute aber packen sie ihre Räder ein und starten dann irgendwo bei einem Jedermann-Rennen.“ Ein zweischneidiges Schwert für ihn: Zwar profitiert er mit seinem Geschäft von dieser Entwicklung, doch seine Sportart zieht daraus keinen Nutzen.
heute1
In seinem Radgeschäft im Nürnberger Norden berät Dieter Burkhardt seit Jahren seine Kunden kompetent

Nürnberger Zeitung, 01.02.2016

Holger Burkhardt bei der BR-Radltour

Am Montag, 03.08.2015 war Holger Burkhardt Gast in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens. Im Rahmen einer ausführlichen Berichterstattung über die diesjährige BR-Radltour wurde auch ein Beitrag über das Team Heizomat gesendet und Holger als Interview-Gast eingeladen.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/sport-in-der-abendschau/radsport-holger-burkhardt-team-heizomat-br-radltour-100.html

Pasted Graphic 1

Erst sorgfältig putzen, dann fahren

Wer mit dem Rad in den Frühling starten will, sollte ein paar Tipps beherzigen
 
VON THOMAS SCHARRER
 
Orkantief „Niklas“ wird sich irgendwann ausgetobt haben, die Sonne kommt heraus und bei angenehmen Frühlingstemperaturen lockt ein Ausflug mit dem Fahrrad - entweder nur um die Natur zu genießen oder um sich richtig fit zu trimmen. Doch gerade nach dem Winter sollte man dem Rad - egal, ob reinrassiges Sportgerät oder nur Fortbewegungsmittel - ein wenig Aufmerksamkeit schenken.
 
NÜRNBERG — Das hat beinahe jeder Radler schon mal erlebt: Man schwingt sich bei endlich frühlingshaften Temperaturen euphorisch in den Sattel, will endlich wieder die Natur auf zwei Rädern genießen, aber die Freude ist schnell verflogen. Die Kette rattert, die Schaltung quietscht oder - noch schlimmer - beim ersten stärkeren Bremsvorgang ruckelt die Gabel oder ein Bremszug reißt und macht das Anhalten fast unmöglich.
Wer sein Rad - egal, ob Renn- oder Tourenrad - den Winter über im Keller eingelagert hat, und sich im Herbst nicht mehr zu einer gründlichen Überholung aufraffen konnte, der sollte spätestens jetzt im Frühjahr seinen Drahtesel überprüfen – oder überprüfen lassen. Dieter Burkhardt, früher erfolgreicher Rennfahrer, Manager des Teams Nürnberger und jetzt Inhaber eines Radgeschäfts in Nürnberg, empfiehlt, jede Radsaison mit gründlichem Putzen zu beginnen.
„Nur bei einem sauberen Rad“, sagt Burkhardt, „ist es möglich, die so wichtige Sichtkontrolle durchzuführen, mit der man eventuelle Schäden erkennen kann.“ Dazu genügt ein normales Autowaschmittel, ein Schwamm und, wenn Staub oder Dreck entfernt sind, ein Poliermittel, mit dem man das Rad wieder erstrahlen lässt. Am Ende dann ein paar Tropfen Öl auf Schaltung und Kette, und der Drahtesel ist schon fast wieder flott. Wer sich halbwegs gut mit einem Zweirad auskennt, der überprüft dann den Rahmen und die Züge auf mögliche Risse, kontrolliert alle Schraubverbindungen, weil besonders Schutzbleche oder Lichthalter nervtötend klappern, wenn die nicht mehr fest sind.
Beim Nachziehen der Schrauben sollte man allerdings nicht mit roher Gewalt vorgehen. Leichte Alu- oder Karbonteile dürfen nur mit einem vom Hersteller bestimmten Drehmoment angezogen werden, sonst können sie später brechen oder reißen. Wer da nicht das nötige Werkzeug hat, der sollte lieber einen Fachmann ranlassen, sonst ist der mögliche Schaden schnell größer als der angestrebte Nutzen. Auch für die laut Burkhardt nötige Kontrolle von Lagern, Naben und Schaltungen ist schon eine gewisse technische Fertigkeit nötig.
Bevor man endlich aufsteigen kann, noch die Reifen überprüfen, mit dem richtigen Luftdruck aufpumpen und dann die erste Testfahrt vielleicht nicht gleich bei vollem Tempo auf einer stark befahrenen Straße absolvieren.
 
Die Kette!
Neben den Reifen ist bei einem Rad die Kette dem größten Verschleiß ausgesetzt - und diesen so unscheinbaren wie effizienten Antriebsstrang sollte man auch regelmäßig kontrollieren. Die vielen Glieder einer Fahrradkette dehnen sich nämlich durch den Gebrauch aus, und eine derart „gelängte“ Kette läuft nicht mehr sauber über die hinteren Ritzel und die vorderen Kettenblätter. „Dadurch“, erläutert Burkhardt, „kann der ganze Antriebsstrang Schaden erleiden. Die Kosten sind dann viel höher als die rund 15 Euro für eine neue Kette.“ Der Zustand einer Kette lässt sich nur mit einer Kettenmesslehre bestimmen. Die hat jeder Radhändler, die Überprüfung dauert nur ganz kurz - und lohnt sich.
Für die einzelnen Schritte, wie man seinen Renner fit fürs Frühjahr und die neue Saison macht, gibt es auch zum Beispiel beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club -
www.adfc.de - umfangreiche Checklisten und viele nützliche Tipps im Internet. Wer nicht selber Hand anlegen will, kann sein Gefährt natürlich auch zu einem Händler in die Werkstatt bringen. Auf rund 50 Euro - ohne eventuell nötige Ersatzteile - beziffert Burkhardt den kompletten Check. „Regelmäßige Wartung“, sagt der Spezialist, „erhöht den Spaß am Fahren, die Lebenserwartung des Rades und spart so letztlich Geld.“ Jetzt muss sich also nur noch Sturmtief „Niklas“ verziehen, dann können die Räder endlich wieder rollen.

 
NN
 Zwei Spezialisten und ein topgepflegtes Rad: Christian Fischer (links) und Dieter Burkhardt erklären, wie man sein Zweirad fit für die neue Saison macht.
Foto: tsch

Nürnberger Nachrichten sowie alle angeschlossenen Regionalzeitungen
01.04.2015
 
 

Holger Burkhardt ist wieder zurück im Frankenland

Holger Burkhardt ist wieder zurück im Frankenland
Der 27-jährige Katzwanger fährt in der neuen Radsportsaison 2015 für das Team Heizomat – Große Ziele gesteckt
 
VON MANFRED MARR
 
Für Holger Burkhardt beginnt in diesen Tagen ein neuer Abschnitt seiner rund 10-jährigen Radsportkarriere. Der 27-jährige Katzwanger, der in den vergangenen fünf Jahren für die Teams Champion-Systems, Nutrixxion-Abus und Ur-Krostitzer-Giant gefahren ist, wir heuer für das Team-Heizomat starten, das sich im Vorjahr den Mannschaftssieg in der Rad-Bundesliga erkämpft hat. „Ich freue mich, dass ich wieder in meine frühere Mannschaft zurückkehren konnte“, erklärte der ehrgeizige Allrounder, der im Vorjahr mit rund 20 Top-Platzierungen hatte aufwarten können.
 
Das fränkische Team-Heizomat geht mit neun Fahrern in die Straßensaison 2015, wobei vom Team des Vorjahres, das mit 30 Siegen für das bisher erfolgreichste „Heizomat-Jahr“ gesorgt hat, nur noch Julian Essers (Marburg) und Fabian Schormair (Aichach) dabei sind. Angesichts der sieben Neuzugänge wartet auf Sportleiter Markus Schleicher (47), der das Team seit seiner Gründung  im Jahr 2002 erfolgreich leitet, wieder reichlich Arbeit, die ihm jedoch noch immer sichtlich Spaß macht.
„Im Laufe der Jahre habe ich mich daran gewöhnt, immer wieder mit neuen und auch sehr jungen Fahrern zu arbeiten. Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die mir besonders viel Freude macht, wenn sich bei uns junge Talente erfolgreich weiterentwickeln“, sagt der erfahrene Ex-Profi aus Unterfranken, der das Team in seine 14. Saison führt, davon die achte Saison als das wohl dienstälteste deutsche KT-Team!
Ein kleiner Rekord am Rande, auf den Schleicher aus besonderem Grund zurecht stolz sein darf. „Unser Team erhält keinerlei öffentliche Förderung. Im Gegensatz zu einigen anderen Mannschaften können wir weder auf Bundes- noch auf Landesverbandsmittel zurückgreifen. Unser gesamter Etat kommt ausschließlich aus der freien Wirtschaft“, betont Schleicher, der vor allem der Firma Heizomat aus Maicha bei Gunzenhausen sehr dankbar ist, die das Team seit 2002 unterstützt, seit sieben Jahren als alleiniger Hauptsponsor!

 
12345
Umfangreiches Programm
 
Wie in den Vorjahren absolviert das Team Heizomat auch heuer ein sehr umfangreiches und interessantes Rennprogramm im In- und Ausland mit diversen Rundfahrten und renommierten Eintagesrennen, wobei zu den Höhepunkten wieder die deutschen Profi-Klassiker in Frankfurt, Köln und Berlin zählen sowie die internationale Bayern-Rundfahrt.
„Wir werden unsere sieben neuen Fahrer Benjamin Edmüller, Philipp Zwingenberger, Aaron Kraus, Gero Walbrühl, Laurin Winter, Sascha Starker und Holger Burkhardt ganz gezielt einsetzen“, erklärt Schleicher. Vor allem von Benjamin Edmüller und Holger Burkhardt verspricht er sich einiges. „Beide haben als routinierte Straßenfahrer eine langjährige Erfahrung und besitzen die Fähigkeit und auch die Bereitschaft unsere jungen Rennfahrer zu führen und zu unterstützen.“ Dabei denkt Markus Schleicher vor allem an Aaron Kraus (19) aus Freiburg und Laurin Winter (18), den Sohn des einstigen Deutschen Straßenmeisters Uwe Winter aus Stuttgart. Aaron Kraus, der 2013 die Junioren-DM im Zeitfahren gewonnen hat, gilt ebenso wie der DM-Fünfte Laurin Winter als hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Gero Walbrühl (Euskirchen) verstärkt das Heizomat-Team als Allrounder, Sascha Starker (Bensheim), der deutsche Vizemeister am Berg, als sehr guter Kletterer.
 
Sieben neue Fahrer
 
LV-Straßenmeister Philipp Zwingenberger (Chemnitz), der bereits im Januar beim Berliner Sechstage-Rennen in die neue Saison gestartet ist, will sich in den nächsten Monaten voll und ganz auf den Straßenrennsport konzentrieren. „Zusammen mit Julien Essers und Fabian Schormair, die im Vorjahr vier Heizomat-Siege erkämpften, werden unsere Sieben neuen Fahrer ihr Bestes geben“, ist Schleicher überzeugt. Und Holger Burkhardt ergänzte optimistisch: „Gute Platzierungen hatte ich 2014 reichlich, heuer muss wieder ein Sieg her!“
 
Nürnberger Zeitung, 28.02.2015

Burkhardt will´s nochmal wissen

Burkhardt will`s nochmal wissen
 
VON MANFRED MARR
 
2014 hatte Studium Vorrang
Für 2015 sportlich einiges vor
 
Katzwang – Das Jahr 2014 war für den Katzwanger Radsportler Holger Burkhardt kein leichtes. Bis April büffelte der Student der Wirtschaftswissenschaften noch eifrig für seinen erfolgreichen Bachelor-Abschluss. Zugleich trat er beim Vorbereitungstraining auf die ersten Frühjahresrennen kräftig in die Pedale. „Ich musste da natürlich Abstriche bei meinen sportlichen Ambitionen machen, doch es lief insgesamt doch erstaunlich gut“, freut sich der 27-Jährige, der für das Elite-Team „Ur-Krostitzer-Giant“ an den Start ging.
 
Nach einer etwas unglücklich verlaufenen Saison 2013, in der er auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, kann sich Holger Burkhardts Rennbilanz 2014 durchaus sehen lassen. Bei 63 Starts in nationalen und internationalen Rundstrecken- , Straßenrennen und Kriterien erreichte er 27 Platzierungen unter den ersten Zehn. Fünf Mal stand er bei sehr gut besetzten Rennen mit auf dem Treppchen, drei Mal als Zweiter und zwei Mal als Dritter!
 
„Schade, dass es mit dem Sieg heuer nicht geklappt hat. Mehr als einmal fehlte mir da nur das letzte Quäntchen Glück“ bedauerte der ehrgeizige Straßencrack, der seit Oktober für seinen „Master“ ein Fernstudium an der Universität Hagen absolviert. „Durch das Fernstudium habe ich im kommenden Jahr bessere Möglichkeiten meinen Sport mit dem Studium abzustimmen“ freut sich Burkhardt, der bereits seit November ein umfangreiches Trainingsprogramm für die Rennsaison 2015 absolviert.

 
10342768_662287773836622_8917562588266078245_n

Reiche Erfahrung
 
Dabei kommt ihm seine reiche Erfahrung aus über zehn Rennjahren zu Gute: „Ich werde zwar ausreichend trainieren aber nicht mehr so extrem viele Trainingskilometer wie in früheren Jahren fahren, denn ich habe festgestellt: weniger nützt manchmal mehr. Inzwischen weiß ich auch, dass mir das harte Straßentraining bei winterlichen Temperaturen hier in der Region wesentlich mehr bringt, als der gleiche Umfang an Trainingskilometern unter südlicher Sonne.“
 
Schon jetzt freut sich Holger Burkhardt, der als ergänzendes Wintertraining auch an Crossrennen am Reichelsdorfer Keller teilnahm, auf die Straßensaison 2015. „ Ich will es im kommenden Jahr noch einmal wissen. Gute Platzierungen hatte ich heuer ja reichlich, doch 2015 muss endlich ein Sieg her“, sagt Burkhardt entschlossen. Offen ist derzeit nur noch die Frage, in welchem Trikot er in die nächste Saison starten wird, nachdem das sächsische Team zum Ende des Jahres verlassen wird.
 
„Die Planung und Organisation waren bei der Mannschaft Ur-Krostitzer-Giant zwar gut und ich fühlte mich im Team auch recht wohl, doch ich hatte einen wesentlichen Nachteil. Als Fahrer aus Süddeutschland musste ich zu den meisten Rennen allein anreisen“, sagt Burkhardt, der heuer neben seinen rund 25.000 Trainings- und Rennkilometer fast ebenso viele Autokilometer absolvieren musste. „Ich würde deshalb 2015 gerne für eine Mannschaft aus dem süddeutschen Raum fahren“, ergänzte er. Derzeit prüft er noch Angebote einiger Teams: „Meine Entscheidung wird in den nächsten Wochen fallen“
 
Schwabacher Tagblatt, Mittwoch 17.Dezember 2014

Burkhardt: Neustart bei Ur-Krostitzer-Giant

02.12.2013 | (rsn) - Ur-Krostitzer-Giant hat einen weiteren Fahrer mit Continental-Erfahrung unter Vertrag genommen wurde. Nachdem bereits Jacob Fiedler (von NSP Ghost) verpflichtet wurde, konnte sich das ambitionierte Elite-Team nun noch mit Holger Burkhardt (von Abus Nutrixxion) verstärken. Seinen Wechsel bestätigte der 25-Jährige gegenüber radsport-news.com.

Pasted Graphic 29
Holger Burkhardt fährt künftig für das Team Ur-Krostitzer-Giant. | Foto: ROTH

Dabei hilfreich waren die engen Beziehungen zwischen den beiden früheren und nun künftigen Teamkollegen. „Jakob ist ein sehr guter Freund und wir sind 2007 und 2008 zusammen beim Milram-Continental-Team gefahren“, so Burkhardt, der mit Erik Mohs und Michael Weicht beim Team Ur-Krostitzer-Giant auf zwei weitere frühere Milram-Teamkollegen treffen wird.

Für sein neues Team, das von Renzo Wernicke geleitet wird, fand der Neuzugang nur lobende Worte. „Die Mannschaft läuft bisher ja als Renngemeinschaft - ich habe aber jetzt schon festgestellt, dass weitaus professionellere Strukturen herrschen als in vielen Continental-Teams. Schon wenige Wochen haben gezeigt, dass ein sehr enger und persönlicher Kontakt zu den Rennfahrern gepflegt wird, was mir sehr gut gefällt. Ich denke, mein neues Team ist sehr motiviert und engagiert, mit großen aber realistischen Plänen und Zielen“, sagte Burkhardt.

Weniger positiv sieht er allerdings sein zurückliegendes Radsportjahr. „Die Saison 2013 war irgendwie seltsam. Es war für mich durchzogen von einigen Rückschlägen, die alle alleine betrachtet nicht schlimm waren, aber in der Summe mich nie wirklich in die Saison starten ließen", sagte er. Wie viele andere hatte der Nutrixxion-Fahrer das komplette Frühjahr über in Folge des schlechten Wetters mit ständigen Erkältungen zu kämpfen. Hinzu kamen noch zwei Sturzverletzungen, von denen eine auch noch einen operativen Eingriff erforderte.

Den Wechsel zu Ur-Krostitzer-Giant um Kapitän Eric Baumann sieht Burkhardt denn auch als einen Art Neustart an. ,,Es hat in diesen Herbst in einer für mich sehr schwierigen und fast aussichtslosen Situation im Radsport auf einmal einfach eins zum anderen gepasst. Durch den Wechsel sprühe ich wieder vor Motivation und freue mich sehr auf die kommende Saison“, so der Allrounder, der im Februar seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften abschließen wird.

„Ab dem Sommersemester möchte ich dann mit einem Master, ebenfalls in Nürnberg, weitermachen“, kündigte Burkhardt an, auch künftig zweigleisig zu fahren.

Quelle: Radsport-News-News-Com 02.12.2013

Als Teamarbeiter unverzichtbar

Pasted Graphic 24
Stellt sich in den Dienst der Mannschaft: Holger Burkhardt

Seit heute ist er wieder auf Chinas Straßen unterwegs. In Asien kennt er sich bestens aus, dort wird er ehemalige Teamkameraden treffen. Die Rede ist von Holger Burkhardt aus dem Dortmunder Rad-Team „Abus Nutrixxion“, der - bevor er seit Anfang des Jahres für die Ruhrgebietsmannschaft in die Pedale trat - für die in Hongkong beheimatete Sportgruppe „Champion System“ fuhr. Die Akklimatisierung hat der Neuzugang längst geschafft.

Natürlich blickte der 24-Jährige im Vorfeld der Tour of China zurück auf die vergangenen beiden Jahre in Asien. Auf die bunt gemischte Mannschaft mit Profis aus den USA, China, Australien, Österreich, Malaysia und der Schweiz. Ein ziemlich schriller Haufen. Und dazwischen Holger Burkhardt aus Deutschland, besser gesagt aus Nürnberg. Aus einer Familie, in der Radsport groß geschrieben wird. Vater Dieter war in den 1970- und 80er-Jahren einer der besten Straßenfahrer Deutschlands, vierfacher Deutscher Meister. „Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich schon ganz jung die ersten Rennen gefahren. Aber mein Vater war dagegen“, erinnert sich Burkhardt, der mit 14 Jahren seinen ersten Wettkampf bestritt.

Die unterschiedlichen Nationalitäten in China seien nicht das Problem gewesen, so Burkhardt. Eher der Umstand, aus einer großen Mannschaft eine Einheit zu formen. „Wir sind ja kaum Rennen zusammen gefahren. Immer wieder waren die Teams unterschiedlich besetzt.“ Und als das Management in Hongkong das Team komplett umstrukturieren wollte, da orientierte sich der Bayer schnell um. Richtung Dortmund.

Seit Januar ist er im Team. Die Größe der Dortmunder Equipe sei genau richtig, vollprofessionell mit einem super Rennprogramm und einer ausgeglichenen Besetzung. „Wir sind elf Fahrer, die sich alle richtig gut kennen, sich verstehen. Einfach ideal“, so Burkhardt. Nur so könne Vertrauen aufgebaut werden, nur so könne der eine für den anderen auf seine Chance verzichten. Und verzichtet hat Holger Burkhardt reichlich. Obwohl der Bayer ein richtig schneller Mann für den Sprint ist, hat er sich als Anfahrer zur Verfügung gestellt für seinen Teamkollegen Michael Schweizer. Weil der eben noch etwas schneller sei, so Burkhardt: „Michael ist eine Bank für das Podium.“ Das heißt gleichzeitig aber auch für Burkhardt. Der persönliche Erfolg muss hinten an stehen. Besonders für Sprinter eine ziemlich bittere Erkenntnis.

Seit heute steht Sprinter Burkhardt wieder am Start, bei der Tour of China. Zusammen mit Sebastian Körber vertritt er die kleine Sprinterfraktion. Die natürlich andere Aufgaben hat, als sich ausschließlich auf die Flachetappen zu konzentrieren. Im Grunde ist es ein Spagat zwischen Flachland und Bergetappen.

So wie im richtigen Leben. Denn vom Radsport allein kann man in dieser schwierigen Zeit nicht mehr leben. Also versucht der 24-Jährige seit einiger Zeit den Spagat aus professionellem Rennsport mit 80 bis 90 Renntagen und dem Studium der Wirtschaftswissenschaft.

In China wird sich Burkhardt in den Dienst seines Kapitäns stellen. Der heißt Dirk Müller. Keine schlechte Wahl, möchte man sagen. Immerhin gewann Müller die Rundfahrt vor zwei Jahren.

Peter Kehl, WAZ 07.09.2012
Foto: Roth

„Wehmut, gemischte Gefühle und Ärger“

Vor dem letzten Altstadtrennen äußert sich der Mitbegründer Dieter Burkhardt im Interview

Dieterweb

Vom Radsport ist Dieter Burkhardt nie losgekommen: In Nürnberg betreibt er ein Rad-Fachgeschäft, Sohn Holger ist Profi im Team Nutrixxion.

Am nächsten Sonntag findet das einstmals weit über die Grenzen Nürnbergs hinaus bekannte Radrennen um die Altstadt letztmals statt. Ab 2013 wird es in die Schlussetappe der Bayern-Rundfahrt eingebettet. Vor über 20 Jahren hatte Dieter Burkhardt, deutscher Ex-Meister und langjähriger Leiter des Teams Nürnberger, das Rennen aus der Taufe gehoben. Wir sprachen mit Burkhardt über Vergangenheit und Zukunft des Franken-Klassikers.

Herr Burkhardt, wann waren Sie letztmals an der Organisation des Altstadtrennens beteiligt?
Dieter Burkhardt: Das war 2002. Danach war ich draußen.

Das sind jetzt also 10 Jahre Abstand. Kommt da am nächsten Sonntag noch Wehmut auf, denn das 22. Altstadtrennen ist ja definitiv das letzte in seiner bisherigen Form?
Burkhardt: Wehmut, vor allem aber gemischte Gefühle. In das Rennen haben alle Beteiligten, vor allem in den Anfangsjahren, viel Herzblut gesteckt. Und wenn man weiß, wie groß das Rennen einmal war, und hat dann in den vergangenen Jahren den Niedergang mit ansehen müssen, dann tat und tut das einfach weh.

Gehen Sie denn am Sonntag noch einmal hin?
Burkhardt: Sicher. Genauso, wie ich nächstes Jahr auch zur Bayern-Rundfahrt gehe.

Es wird ja jetzt so getan, als gehe das Nürnberger Rennen mit der Bayern-Rundfahrt nahtlos weiter. Sehen Sie das auch so?
Burkhardt: Na ja, nicht ganz. Da beschwindelt man sich schon etwas selber. Denn die Bayern-Rundfahrt gibt es als eigenständiges Etappenrennen schon lange. Aber mit dem Nürnberger Rennen fällt eben wieder eine Veranstaltung aus dem Kalender heraus. Der Radsport hat ja ziemlich viele Federn lassen müssen in den vergangenen Jahren.

Ärgern Sie sich darüber noch?
Burkhardt: Am Anfang, als ich merkte, dass es mit dem Rennen bergab geht, habe ich mich sehr geärgert. Es sind einige schwerwiegende Fehler gemacht worden, und so hat man etwas Großes zerstört.

Welche Fehler meinen Sie?
Burkhardt: Es ist ja oft so dargestellt worden, dass das Rennen nicht überleben konnte, weil die Nürnberger Versicherung vor drei Jahren als Hauptsponsor komplett ausgestiegen ist. Aber der Knackpunkt war schon der Ausstieg der Versicherungsgruppe als Sponsor des Männerteams 2002. Damit hat man auch das Ende des Rennens eingeleitet.

Das müssen Sie jetzt etwas näher erklären.
Burkhardt: Wir hatten am Anfang eine geniale Konstruktion. Ein Nürnberger Männerteam, das hier Woche für Woche viel Medieninteresse bekommen hat; dahinter mit der RSG einen sehr engagierten Verein und einen potenten Hauptsponsor, bei dem sich der damalige Vertriebsdirektor Wolfgang Leiber voll mit dem Radsport identifiziert hat; schließlich noch – und das war vielleicht das Wichtigste – mit Peter Schönlein einen Oberbürgermeister, der das Rennen wollte und alle bürokratischen Hemmnisse beiseite geschafft hat. Aber als das Männerteam aufgelöst wurde, da fiel das erste Standbein weg und dann glaubte man, der Frauen-Weltcup sei wichtiger als das Hauptrennen. Das konnte nicht funktionieren und das hat auch nicht funktioniert.

Aber letztlich ist das Rennen doch an Geldmangel gestorben.
Burkhardt: Ja, aber schon vor 2009, weil man da nämlich schon Geld für ein zugkräftiges Elitefeld der Männer abgezogen hat, um es für andere Dinge zu benutzen. Dieter Flögel und ich wollten immer Spitzenradsport in Nürnberg präsentieren. Aber ein Männerrennen quasi als Appetitanreger für das vermeintlich wichtigere Frauenrennen zu sehen, das konnte nicht gutgehen.

Sind Sie trotzdem froh, dass die Bayern-Rundfahrt für mindestens drei Jahre in Nürnberg einsteigt?
Burkhardt: Ja. Das ist ein Glücksfall, wir werden wenigstens wieder Top-Radsport hier sehen und nicht eine eher bunte Veranstaltung, in der dann immer gewaltig hohe Zuschauerzahlen angegeben werden, um so eine nicht mehr vorhandene Qualität vorzutäuschen.

Interview: THOMAS SCHARRER

Nürnberger Nachrichten, 27.08.2012

Von ungefilterter Leidenschaft und kleinen Träumen

Im März dieses Jahres startete unser Kunde, Herr Joachim Hübner bei der im Radsport weltgrößten Breitensportveranstaltung, dem Argus-Race in Südafrika. Wir bedanken uns für die hervorragenden Bilder und den nachfolgenden Bericht.

Pasted Graphic 20

The Argus Race
Ein Mythos?!
In einer Zeit, die inflationär mit dem Begriff „Kult“ umgeht, sollte man sich vor Übertreibungen
Und Verklärungen schützen, es sei denn, sie treffen zu.
Deshalb: The Argus, ein Mythos!!
Es gibt kein Radrennen auf der Welt, das so viele Teilnehmer zählt (zwischen 35.000 und knapp über 40.000),das auf einer bezaubernden Halbinsel (Cape town) zwischen den Meeren stattfindet und fast 10.000 Kilometer von den klassischen Radsportnationen entfernt ausgetragen wird.
Es ist ein Verdienst der Rotarier in Kapstadt, mit hunderten von Freiwilligen dieses Rennen seit 34 Jahren zu organisieren. Der Streckenverlauf ist selektiv gestaltet, 110 Kilometer lang, weist 1300 Höhenmeter auf und wird manches Mal zu einer echten Windlotterie ( bis zu 9 Windstärken).
Aber wirklich außergewöhnlich sind neben den landschaftlichen Naturschönheiten die begeisterungsfähigen Zuschauer, die etwa am Suikerbossie die Rennfahrer quasi den Pass hinauftragen. Live-Musikgruppen, Tanzformationen und cheer leaders mit tollen Kostümen begleiten die Fahrer vom Start im financial district bis zum WM-Stadium an der Waterfront in Kapstadt.
Ich hatte das Vergnügen, zum 2. Mal am Argus teilzunehmen, hoch motiviert durch meine neue Rennmaschine, 6,38 Kilogramm leicht, aus Vollkarbon, mit einer Dura- ace- compact und von Herrn Burkhardt aus Nürnberg bestens präpariert.
Jeweils am 2. Wochenende im März findet das Argus statt, für die Trainingsvorbereitung eine echte Herausforderung, da bei uns Winter herrscht. So bleiben für den ambitionierten Amateur nur die Vorbereitung in Form von indoor cycling und gelegentlich vermummte Ausfahrten bei Temperaturen nahe oder unter dem Gefrierpunkt. Das alles ist vergessen, wenn man nach 12 Stunden Flug den Tafelberg in Kapstadt auftauchen sieht, meistens von einer leichten Wolkendecke überzogen.
Die Temperaturen sind für Mitteleuropäer vertraut und angenehm (25-30 Grad) und die Vorbereitungswoche verlief in Stellenbosch ohne Komplikationen und wurde zum Einfahren genutzt.
Südafrika mit seinem europäischen Flair, seiner exzellenten Küche und seinen Naturschönheiten ist ohnehin eine Reise wert und machte die Vorbereitungswoche zu einem Vergnügen.
Der Rennverlauf 2011 war geprägt von „nearly perfect weather conditions“, relativ wenigen medizinischen Notfällen (knapp tausend) bei wiederum fast 40.000 Teilnehmern. Nach tollen 55 Kilometern mit einem 34er Schnitt musste ich später dem hohen Tempo Tribut zollen, die Muskeln machten zu. Als ich später trotz der muskulären Probleme stolz das Ziel erreichte, war ich mit einem 27er Schnitt rund 10% besser als bei der ersten Teilnahme. Und das mit einer neuen Hüfte.
Fazit: Wer einmal beim Argus auf den Geschmack gekommen ist, lässt nicht mehr los. Also, auf geht´s. Auf ein Neues in 2012.
PS.: Der Autor, Joachim Hübner, wird in 2012 60 Jahre alt.

Als Nürnberg den Radsport beherrschte

Bis in die 80-er Jahre dominierten fränkische Athleten

Von Loeffelholz, Burkhardt und Flögel im Gespräch

Der Nürnberger Straßenradsport hat eine große Tradition. Profi Georg Umbenhauer (1936), die Amateure Fritz Scheller (im gleichen Jahr) und Karl Kittsteiner (1940), Kittsteiner (1946) und Georg Voggenreiter (Schwalbe Nürnberg, 1947) als Profis sowie Heinrich Rühl als Amateur (1947) errangen den deutschen Titel. In ihre Fußstapfen trat Jürgen Goletz (1964), ehe die Fahrer der 1973 gegründeten RSG Katzwang, deren Aushängeschilder bis dahin Klaus Burges und Gerhard Scheller waren, zwischen 1976 und 2001 eine beispiellose Erfolgsserie hinlegten. Sie wurde 1976 eingeleitet vom Trio Friedrich von Loeffelholz, Dieter Burkhardt, Dieter Flögel. "Das war einmalig", sagt von Loeffelholz im Rückblick. Er verpasste bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal mit dem Vierer auf Rang vier Bronze nur um 13 Sekunden und wurde 1978 erstmals Deutscher Meister. Ihm folgten, als aus der RSG Katzwang die RSG Hercules geworden war, Hans Neumayer (1980), Dieter Burkhardt (1982), Dieter Flögel (1983), Thomas Freienstein (1984), Werner Stauff (1986), Steffen Rein (1991), Stephan Gottschling (1992) und Bert Dietz (1993). Innerhalb von 16 Jahren standen neun verschiedene Nürnberger Fahrer auf dem höchsten Podest.

"Der Radsport war mein Leben," meint der heute 56jährige "Radbaron", der 1980 im Alter von erst 25 Jahren seine Karriere beendete. Für den jetzt 57 Lenze zählenden Dieter Flögel war 1984 Schluss, Dieter Burkhardt (heute 55) saß bis 1986 im Sattel."Wir waren bereit, in jedem Rennen bis zum Anschlag zu fahren und Teamarbeit zu leisten," erinnern sich Burkhardt und Flögel. Wir betrieben unseren Sport professioneller und konsequenter als die Konkurrenz und setzten uns im Rennen immer Ziele. "Es hat sich ausgezahlt, dass wir getreu dem Motto an den Start gingen: "Lieber einen schlechten, als gar keinen Plan", so Burkhardt. Alle drei, die den ersten deutschen Titelgewinn 1979 mit dem Vierer als unvergessliches Erlebnis bezeichnen, sind auch beruflich ihren Weg gegangen. "Die Erfahrungen als Hochleistungssportler halfen uns," sagen sie unisono.

Der spurtstarke Burkhardt, der 1976 aus Dittelbrunn zur RSG gekommen war, blieb auch nach dem Ende seiner Karriere dem Radsport verbunden. 16 Jahre lang war er Marketingleiter bei Hercules, gleichzeitig sportlicher Leiter und Teammanager bei der RSG und beim 1996 ins Leben gerufenen Nürnberger Profiteam. 2003 übernahm er ein Radsporthaus an der Ecke Oedenberger/Danziger Straße, bietet dort mittel- bis hochpreisige Räder an. Er beobachtet zuweilen seinen 23jährigen Sohn Holger, der seit sieben Jahren Rennen fährt, wenn dieser als Mitglied des Profirennstalls Champion Systems in Mitteleuropa an den Start geht. "Dabei sehe ich den Unterschied zwischen unserer Zeit und heute. Während wir als Amateure gutes Geld verdienten, zumal es damals noch Startprämien gab, besteht der Großteil der heutigen Profis aus mehr oder weniger armen Schluckern." Deshalb legt sein Filius auch Wert auf eine Berufsausbildung, studiert nebenbei in Nürnberg BWL.

Dieter Flögel, aus Hafenlohr stammend, war schon 1975 zur RSG gestoßen, um in Nürnberg zugleich Wrtschaftspädagogik zu studieren. Ein Jahr nachdem er bei der WM 1983 in Prag hervorragender Fünfter geworden war, sagte er dem  Spitzensport ade, bestritt noch Kriterien und Steherrennen. 1985 gründete er mit seinem Schwager in Bamberg ein Wohnbauunternehmen, dem der in Bubenreuth wohnhafte Unterfranke auch heute noch angehört.

Friedrich von Loeffelholz war lange Zeit in Scheinfeld zu Hause, wohnt nach privater Veränderung in Schweinfurt. Dort unterrichtet der promovierte Maschinenbau-Ingenieur als Professor an der Fachhochschule angehende Wirtschaftsingenieure. Nach einem Schlaganfall, ausgelöst durch eine Thrombose, und einer Herzoperation schwebte er 2004 tagelang zwischen Leben und Tod. Er hat diese prekäre Situation wohl nur überstanden, weil Herz und Kreislauf des einst hervorragenden Zeitfahrers fast 25 Jahre danach der enormen Belastung standhielten. Der Nachfahr einer Nürnberger Patrizierfamilie, deren Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, träumte von einer Profikarriere. "Ich habe diese Idee aber nicht verwirklicht. Als Spitzenamateur stellte ich mich in unserem Team besser, denn wir diktierten dank unserer harten Vorbereitung und unserer taktischen Möglichkeiten das Geschehen, zumal die Konkurrenz aus Respekt und Furcht vor uns förmlich erstarrte. Im Rennen arbeiteten wir stets zusammen, doch hinter dem Zielstrich ließen wir kaum eine Gelegenheit aus, auch um Kleinigkeiten zu streiten." Burkhardt ergänzt: "Sobald es ums Aufteilen der Prämien ging, waren wir uns aber einig: Jeder bekam sein Drittel auf die Hand."

Als die drei sich 1980 als Mitglieder der RSG Hercules weigerten, statt die Räder des eigenen Sponsors die vom Verband geforderten Peugeot-Maschinen zu steuern, da wurden sie von der Olympiavorbereitung und aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Was die "Rebellen" nicht hinderte, auch fortan die Konkurrenz in Grund und Boden zu fahren. Dabei ist das Trio, das Nürnberger Sportgeschichte geschrieben hat, heute einer Meinung: "Ohne die Unterstützung solcher Radsportnarren wie Joachim Kröniger, Georg Roth, Paul Arnold, Fritz Körber, Willi Tusch, Fritz Dotzer, Jochen Müller, Ernst Arnold, Herbert Geier und Helmut Möckel wären wir nie so erfolgreich gewesen." 

Nürnberger Nachrichten – Sonntagsblitz 17.04.2011
Text und Foto: Klaus Westermayer


DreiRebellenHP

Die großen Drei aus der Aera der RSG Katzwang und RSG Hercules trafen sich vor kurzem zu einer ausgedehnten Plauderstunde: Dieter Flögel, Friedrich von Loeffelholz und Dieter Burkhardt (von links).

Student und Rad-Weltenbummler

Holger Burkhardt will nach einem Studienjahr nun auch sportlich wieder Gas geben

Viele sind es nicht mehr, aber es gibt sie noch: Junge Nürnberger Sportler, die hart an einer Karriere im Radsport arbeiten. Weil sich Holger Burkhardt aber nicht allein auf seine Fähigkeiten im Rennsattel verlassen will, fährt er zweigleisig und studiert auch noch.


Pasted Graphic 18

Ziemlich genau vor drei Jahren hat Holger Burkhardt seine Ambitionen im Radrennsport gegenüber den Nürnberger Nachrichten so beschrieben: „Wenn ich es in ein oder zwei Jahren nicht geschafft habe, einen Vertrag bei einem Team der Top-Kategorie zu bekommen, dann will ich studieren.“ 20 Jahre ist der Katzwanger damals alt gewesen und hoffte, über das drittklassige Continental-Team von Milram einmal in die ProTour-Mannschaft des damaligen deutschen Paraderennstalls aufrücken zu können.

Aber der Profi-Radsport in Deutschland, der damals schon auf dem absteigenden Ast war, hat seine Talfahrt nicht stoppen können. Das Team Milram gibt es längst nicht mehr, aber den jungen, inzwischen 23 Jahre alten Radprofi Holger Burkhardt immer noch. Wobei: Als Berufsbezeichnung gibt er lieber Student an, „denn vom Radsport“, sagt er, „kann ich ja nicht leben.“ Burkhardt hat also nach eigener Interpretation seiner sportlichen Laufbahn Wort gehalten. Weil er den Aufstieg in die Top-Etage nicht geschafft hat, schrieb er sich vor zwei Jahren an der Nürnberger Universität ein, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Drei Semester hat er seitdem absolviert und alle Scheine und Prüfungen soweit abgelegt, dass er sich nun doch wieder mehr auf den Radsport konzentrieren kann.

Denn der junge Mann versucht sich im so schwierigen Spagat, einen zeitintensiven Sport mit dem Studium zu vereinbaren — und fühlt sich gar nicht schlecht dabei. „Manchmal“, erzählt er, „ist es schon hart, wenn man in der Woche 20 bis 30 Stunden trainiert und nebenbei noch lernen und in die Uni gehen muss.“ Vor allem die im Leistungssport so wichtige Regeneration gerät da schnell zu kurz. Aber Burkhardt hat sich jetzt für diesen Weg entschieden und will sich auch nicht davon abbringen lassen.
Lauter feine Radklamotten
Der Rennstall, für den er derzeit fährt, ist als Continental-Team in der Rangliste des internationalen Radsports zwar immer noch drittklassig, aber trotzdem recht gut aufgestellt. Champion System heißt die Truppe, die ihren Sitz in Hongkong hat und hinter der ein großer Produzent für Sportbekleidung steht, der vor allem auf dem asiatischen, aber auch dem US-amerikanischen Markt präsent ist. „Das war Wahnsinn, was wir bei der Einkleidung in Hongkong alles bekommen haben“, schwärmt Burkhardt. Sein ganzer Kleiderschrank sei jetzt voll mit feinen Radklamotten. „Ich glaube nicht, dass man bei einem ProTour-Team recht viel mehr bekommt“, meint er und wirkt schon ein bisschen stolz auf die gute Ausstattung.

Weil aber allein schöne Kleider noch keinen guten Radfahrer machen, haben die 15 Profis von Champion System unter dem Schweizer Teamleiter Markus Kammermann auch ordentlich trainiert. Bekanntester Fahrer der Mannschaft ist der schon 41-jährige Este Jaan Kirsipuu, der in seiner großen Zeit ein gefürchteter Sprinter war. „Der hat immer noch einen gewaltigen Druck in den Beinen“, sagt Burkhardt, der sich im Vorjahr bei einigen Rennen und bei einem zweiwöchigen Trainingslager in Thailand von der Qualität Kirsipuus überzeugen konnte.

Der Nürnberger muss sich darauf einstellen, in den nächsten Jahren zu einem Weltenbummler in Sachen Radsport zu werden. Das Team fährt viele Rennen in Asien und Australien, aber auch die USA und Europa gehören zu den Kontinenten, auf denen der Sponsor sein Logo sehen möchte. Burkhardt hofft, dass er ab Mai richtig in Form ist, denn noch hat er wegen seines Studienjahres leichte Formdefizite. Bei einem Rennen am vergangenen Sonntag in Lugano, das Ivan Basso gewann, hat er gemerkt, wie hart bei den Profis schon im Frühjahr gefahren wird. Aber der junge Sportler neigt nicht dazu, allzu schnell nervös zu werden. Und wenn’s nicht klappt? Dann, so hofft er, hat er in drei Jahren ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen.

Thomas Scharrer, Nürnberger Nachrichten, 04.03.2011


„Nürnberger Rad-Rebellen“ sind endgültig Geschichte

Nach 37 Jahren wurde die RSG Nürnberg aufgelöst – Ihre Siege und die Kämpfe mit dem Verband machten die „Blauen“ berühmt

VON THOMAS SCHARRER

Sie begannen als RSG Katzwang und endeten sportlich als Team Nürnberger. Im Hintergrund stand als Verein immer die RSG Nürnberg. Der wurde nun aufgelöst.

Der letzte Akt ging – völlig untypisch für die RSG Nürnberg – still und leise über die Bühne. Auflösung des Vereins und Tilgung aus dem Vereinsregister, das war`s. 37 Jahre nach ihrer Gründung als RSG Katzwang gibt es den 1980 in Rennsportgemeinschaft (RSG) Nürnberg umbenannten Verein nicht mehr. Ein weiterer Zacken, der aus der Krone des einstmals so stolzen Nürnberger Radsports bricht, auch wenn dies längst nicht mehr so gravierend ist wie der Rückzug der Nürnberger Versicherung vom Team Nürnberger, der 2002 das Ende des Männer-Radsports auf hohem Niveau bedeutete.
„Die RSG ist 1973 gegründet worden, um Hochleistungssport zu betreiben und zu unterstützen. Mit der Auflösung des Männerteams hat sie ihren eigentlichen Zweck verloren, deshalb haben wir uns entschlossen, sie auch aufzulösen“, sagt Dieter Burkhardt, der seit Ende der 70er Jahre in vielen Bereichen maßgeblich am Aufstieg der „Blauen“ beteiligt war. Wohl nicht alle Alt-RSGler können das so pragmatisch sehen. „Wir wussten, dass dieser Tag kommen wird, aber es hat trotzdem sehr weh getan“, sagt Fritz Dotzer, der letzte Vorsitzende der RSG.
Dotzer und seine Familie waren über Jahrzehnte hinweg typisch für das familiäre Geflecht der RSG. Sie waren Fans der Radrennfahrer aus der Anfangs-Ära, wie Klaus Burges, Gerhard Scheller, Friedrich von Löffelholz, Dieter Flögel und Burkhardt; später unterstützten sie die aus der ehemaligen DDR gekommenen Asse Steffen Rein, Bert Dietz oder Stephan Gottschling; und als die einstige RSG Hercules Nürnberg als Team Nürnberger den Sprung ins Profi-Metier wagte, da halfen Dotzer und viele andere Vereinsmitglieder uneigennützig Fahrern wie Jens Zemke, Christian Pfannberger, Thomas Liese oder Andreas Klier. „Wenn ein Renner dringend etwas gebraucht hat, dann sind Leute wie Fritz Dotzer oder Jochen Kröniger quer durch Deutschland gefahren um zu helfen“, erinnert sich Dieter Burkhardt.
Vieles was seit Jahrzehnten im internationalen Radsport gang und gäbe ist, haben die „Blauen“ in ihrer wilden Zeit gegen den Widerstand des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erstritten. Als sich Flögel und Co. beispielsweise 1980 weigerten, bei Einsätzen in der Nationalmannschaft auf die gewohnten Hercules-Räder ihres Sponsors zu verzichten, da flogen sie komplett aus dem Olympia-Kader. Der BDR hatte einen Vertrag mit Peugeot und bestand auf die Benutzung dieser Rennräder. „Na ja,“ erinnert sich Burkhardt, „die Sommerspiele in Moskau sind dann ja ohnehin dem politischen Boykott zum Opfer gefallen. Aber trotzdem hat man uns dann bald erlaubt, unser eigenes Material zu fahren.“
Die 80er Jahre waren die große Zeit der „Nürnberger Rebellen“, wie sie aus einer Mischung aus offener Wut und insgeheimer Achtung genannt wurden. Funktionäre, wie BDR-Sportwart Fritz Ramseier, der Lieblingsfeind der RSG, oder Bundestrainer Peter Waibel, bekamen schon rote Flecken im Gesicht, wenn sie den Namen der aufmüpfigen Rennsportgemeinschaft nur hörten. Weil die Teamleiter der Rivalen von Olympia Dortmund (Hennes Junkermann) oder RSV Öschelbronn (Hans-Michael Holczer) mit dem Verband besser konnten, wurden deren Amateure manchmal bevorzugt – was den Streit erneut befeuerte.

Meister im Abonnement

Sportlich konnte man den „Blauen“ damals kaum in die Suppe spucken. Von Löffelholz, Hans Neumeier, Burkhardt, Flögel, Thomas Freienstein und Werner „Kiko“ Stauff gewannen den Deutschen Meisterkranz mit der schwarz-rot-goldenen Schleife wie im Abonnement. Anfang der 90er Jahre setzten dann Rein, Dietz und Gottschling diese Erfolgsserie fort.
Mit der Einführung der Einheitslizenz im Radsport musste man sich entscheiden, ob man im Konzert der Großen, also bei den Profis, mitmischen wollte, oder sich der Gefahr aussetzte, in der sportlichen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Mit der maßgeblichen Hilfe von Wolfgang Leiber aus dem Vorstand der Nürnberger Versicherungsgruppe wagte die RSG 1996 den Sprung ins kalte Wasser. Aber zu diesem Zeitpunkt wurde der deutsche Radsport bereits vom neuen Branchenriesen Telekom regiert, und mit dem Tour-Sieg von Jan Ullrich 1997 erreichte der Hype im urplötzlich radsportverrückten Deutschland seinen Höhepunkt.
Die große Begeisterung ist, wie man weiß, längst zusammengebrochen – zu viele Dopingskandale haben den professionellen Radsport in Deutschland um Lichtjahre zurückgeworfen. Heute gibt es kein deutsches Top-Team mehr, es gibt kaum noch Rennen – und es gibt auch keine Rebellen mehr, die den Laden mal wieder ordentlich aufmischen würden. „Trotzdem glaube ich, dass es in absehbarer Zeit wieder aufwärts geht“ sagt Burkhardt, dessen Sohn Holger beim Honkong-Team Champion System versucht, als Rennfahrer in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Die RSG ist Geschichte. Aber es ist ein starkes Stück Geschichte, auf das die „Blauen“ zurückblicken können.

Nürnberger Nachrichten, 18.01.2011


rebellen

Ein RSG-Trio aus den großen 80er Jahren (von links): Dieter Burkhardt, der 2010 verstorbene RSG-Vorsitzende Jochen Müller und Thomas Freienstein freuen sich über einen der vielen Erfolge.

Das Schicksals-Jahr

Am 31. Dezember löst sich die frühere „RSG-Katzwang“ auf

schicksal

KATZWANG - 2010 geht als das „Schicksals-Jahr“ in die fränkische Radsport-Geschichte ein. Die vielen Radsportfans der Region mussten sich heuer endgültig von zwei Erfolgsgaranten der letzten Jahrzehnte verabschieden: Nach dem Ende der erfolgreichen „Equipe der Nürnberger Versicherung“ kam im November, zwar kaum noch beachtet, aber ebenso bedauerlich, noch eine zweite Hiobsbotschaft hinzu: Die in den 1970er-Jahren gegründete „RSG-Katzwang“ (ab 1980 RSG-Nürnberg), die einst mit den mehrfachen Deutschen Meistern Klaus Burges, Gerhard Scheller, Dieter Burkhardt, Friedrich von Loeffelholz und Dieter Flögel für Furore sorgte, wurde nach 38 Jahren ebenfalls zum 31. Dezember dieses Jahres aufgelöst.

Fast 30 Jahre lang hat die „RSG“ ein großes und erfolgreiches Stück der deutschen Radsport-Geschichte mitgeschrieben.

Nur noch in schönen Erinnerungen schwelgen können Dieter Burkhardt, Dieter Flögel, Friedrich von Loeffelholz, Gerhard Scheller und Klaus Burges. Sie machten einst die kleine Renngemeinschaft, die Radsportidealisten von sechs fränkischen Vereinen (darunter der Schwabacher Tourenklub) gründeten, rund 15 Jahre lang zu einem der erfolgreichsten Radsportvereine Deutschlands. Aus der „RSG-Paintco-Franken“, entstand 1975 mit großzügiger Unterstützung des ARSV Katzwang die „RSG-Katzwang“, bei der man noch im gleichen Jahr deutsche Meistertitel feiern konnte: Steher Klaus Burges und Sprint-As Gerhard Scheller holten die ersten von insgesamt 32 (!) deutschen Meistertiteln nach Franken.

Erfolgsgeschichte
Mit „Radbaron“ Friedrich von Loeffelholz – 1976 Olympia-Vierter und 1978 Deutscher Straßenmeister – begann danach die einmalige Erfolgsserie der RSG im Straßenrennsport. Nach von Loeffelholz folgten als Titelträger seine Vereinskameraden Hans Neumayer 1980, Dieter Burkhardt 1982, Dieter Flögel 1983, Thomas Freienstein 1984 und Werner Stauff 1986. Drei Mal — 1979, 1985 und 1988 — standen die Asse der RSG bei der Vierer-Straßen-DM als beste Vereinsmannschaft ganz oben auf dem Treppchen.

Auch international waren die „Blauen“ bei renommierten Klassikern und Rundfahrten der Amateure sehr erfolgreich. Dieter Flögel verfehlte bei der Straßen-WM 1981 in Prag als Fünfter nur knapp eine Medaille. „Das waren unvergesslich erfolgreiche und schöne Jahre“, schwärmt der mehrfache Ex-Meister Dieter Burkhardt noch heute, der nach seiner aktiven Zeit als Vorsitzender der RSG dafür sorgte, dass mit Steffen Rein 1991, Bert Dietz 1992 und Stephan Gottschling 1993 — junge Talente der einstigen DDR – die Meister- und Erfolgsserie fortsetzten.

Nach den neuen Richtlinien des Radsport-Weltverbandes (UCI) wagte man – ebenfalls unter Dieter Burkhardts Regie – 1996 den Sprung in die Profi-Szene. Neben dem Team Telekom und dem Team Gerolsteiner war das aus der RSG entstandene „Team Nürnberger“ bis 2002 eine der erfolgreichsten deutschen Männer-Profimannschaften. Das international besetzte Team erkämpfte bei Straßenrennen und Rundfahrten rund 40 Erfolge. Thomas Liese holte 2001 im 50-km-Zeitfahren den letzten der 32 deutschen Meistertitel nach Nürnberg.
Nach dem Rückzug der Nürnberger Versicherung, die als Sponsor nur noch den Frauen-Radsport unterstützte, kam 2002 das Aus für das „Team Nürnberger“, nachdem man keinen neuen Hauptsponsor fand. Die RSG-Nürnberg, bei der Jugendliche und Amateure noch einige Jahre das blaue Trikot trugen, existierte jedoch noch weiterhin.

Erst im November dieses Jahres entschloss sich der harte Kern des kleinen Vereins mit dem einstigen Gründer Joachim Kröniger, mit Friedrich von Loeffelholz, Dieter Burkhardt und Dieter Flögel, die RSG zum Ende dieses Jahres endgültig aufzulösen. „Wir alle wussten, dass dieser Tag kommen wird, doch es hat uns trotzdem sehr weh getan “, sagt der letzte RSG-Boss Fritz Dotzer.

Schwabacher Tagblatt, 30.12.2010
Text und Foto: Manfred Marr

Am großen Rad gedreht

Dieter Burkhardt, früherer deutscher Meister im Radrennen, hält ein älteres Hercules-Rad in seiner Hand: «Immer etwas teurer, immer etwas besser.» Foto: Stefan Hippel

NÜRNBERG - Der kompakte, schwarze Drahtesel liegt bei Dieter Burkhardt gut in der Hand. Ja, auf diese Traditionsmarke ist der gebürtige Stuttgarter stolz. Denn als Radprofi ist er für das Team RSG Hercules Nürnberg gefahren: 1982 hat er die deutsche Meisterschaft im Einzel, 1979 und 1985 den Titel mit der Mannschaft geholt. Natürlich nicht auf einem derart antiquierten Renner, wie er derzeit im Museum Industriekultur ausgestellt ist.

Noch heute ist es seine Überzeugung: »Hercules war zwar immer etwas teurer als die anderen Hersteller, aber auch immer etwas besser.« Der gelernte Großhandelskaufmann hatte zunächst als aktiver Sportler Kontakt zum Rad-Hersteller, ehe er 1986 in die Firma eingetreten ist. Damals war Hercules schon lange von der Fürther Straße an die Nopitschstraße umgezogen.

Alles unter einem Dach

Der erste Rundgang durch den Betrieb hat sich bei ihm tief eingeprägt: Er konnte die Entstehung eines Fahrrads konkret miterleben - die ganze Produktion war unter einem Dach. Von den Metallrohren im Lager über die Lötstraße für die Rahmen, hin zur Einspeicherei und der Vormontage der Lenker - am Ende von vielen Arbeitsgängen wurde der fertige Renner in einen Karton verpackt. Einfach faszinierend.

Als Marketing-Leiter hat Burkhardt am großen Rad für den fränkischen Hersteller gedreht. In den 80er Jahren sei viel für den Markennamen getan worden, berichtet er. Gute Vermarktung von anspruchsvollen Produkten, ein engagierter Vertrieb - es lief problemlos. »Hercules war eine stocksolide Firma«, bemerkt der 55-Jährige. Nach der Übernahme durch Mannesmann sei bald spürbar geworden, dass der neue Eigentümer nur am Kfz-Zulieferer Sachs interessiert war. Es kam immer mehr Sand ins Getriebe.

Mittlerweile in Ungarn gefertigt

Von den früher rund 1200 Beschäftigten waren es im Jahr 2001 nur mehr 60 Kollegen. Das Unternehmen hat nun seinen Sitz in Neuhof an der Zenn und firmiert dort bis heute als Accell-Hercules Fahrrad GmbH &Co.KG. Im Jahr 2001 erhielt Burkhardt seinen blauen Brief: »Leute wie mich brauchte man nicht mehr, aber immerhin gehörte ich zu den letzten Führungskräften.« Der einstige Radprofi trauert seiner Firma noch ein wenig nach - wegen des Teamgeists, des Zusammenhalts unter den »Herculanern«: »Das ist auch heute noch spürbar, wenn man sich trifft.«

Hercules-Räder werden mittlerweile in Ungarn gefertigt. Burkhardt hat ein Jahr noch die Profis vom »Team Nürnberger« betreut und sich dann selbstständig gemacht. Als Besitzer eines Radgeschäfts an der Danziger Straße ist er der Branche treu geblieben. Er legt bis heute großen Wert auf Qualität seiner Bikes, Trekking-, Renn- und Jugendräder. Hercules hat er teilweise auch noch verkauft, aber seine Kundschaft verlangt andere Modelle, erklärt der Geschäftsmann.

Hartmut Voigt
31.7.2010

Pasted Graphic 16

Ein Katzwanger wird zum Global-Player

Am 01. September 1999 begann Christian Fischer (im Bild ganz rechts) seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei unserem Vorgänger der Firma Radsport Goletz. Abgeschlossen hat er seine Lehre dann schon bei Radsport-Burkhardt. Christian Fischer, der sein Hobby zum Beruf machte, hat sich im Laufe der Jahre zu einer wichtigen Stütze unseres Betriebes entwickelt. Obwohl erst 27 Jahre jung, besitzt er neben hervorragenden technischen Kenntnissen in allen Fahrrad- und Zubehörsegmenten vor allem große Erfahrung um unsere Kunden wirklich individuell zu beraten. „Er findet garantiert die beste Lösung“. Dies ist das größte Lob, denn es kommt von unseren Kunden. Wir wünschen Christian für sein „10-jähriges“ alles Gute und langweilig wird es bei uns sowieso nicht.

Pasted Graphic 11

KATZWANG - Frankens Radsportler trauern um Jochen Müller.

Der langjährige Vorsitzende der RSG Nürnberg erlag im Alter von nur 61 Jahren an den Folgen eines schweren Auto-Unfalles, der sich im Mai 2008 auf der Autobahn Nürnberg-Berlin ereignet hatte.
Jochen Müller, der sich Ende der 70er Jahre der RSG Katzwang angeschlossen hatte, übernahm 1980 die Führung des erfolgreichen Vereins, aus dem im gleichen Jahr die RSG Nürnberg entstand. Unter seiner Regie errang die RSG zwei deutsche Meistertitel im Straßenvierer über 100 Kilometer. Dieter Burkhardt, Dieter Flögel, Thomas Freienstein und Werner Stauff holten 1982, 1983, 1984 und 1986 vier Mal die Einer-Straßen-DM nach Franken!
Maßgeblich beteiligt war Jochen Müller 1996 auch am Einstieg des Vereins in den Profibereich, als aus der RSG Nürnberg das «Team Nürnberger» wurde. Mit Dieter Burkhardt war Jochen Müller geschäftsführender Gesellschafter der dafür gegründeten «RSG Profi-Team GmbH».


rebellen

Auf dem Foto freut sich Müller (Mitte) über den DM-Sieg von Thomas Freieinstein (re.) und Platz drei von Dieter Burkhardt (li.).

Text:Marr/Foto:Roth
Quelle: Schwabacher Tagblatt, 13.02.2010

Dieter Burkhardt blieb dem Radsport bis heute eng verbunden

1980 zählte der vierfache Meister zu den „Rebellen“
Nürnberg - Darauf ist Dieter Burkhardt noch heute stolz: „Von 1977 bis 1986 stand ich ohne Unterbrechung jedes Jahr bei einer Deutschen Meisterschaft auf dem Treppchen. Mal bei der Einer-, mal bei der Vierer-DM, manchmal auch bei beiden.“ Ein außergewöhnlicher Rekord, den Dieter Burkhardt bis heute niemand streitig machte. Zehn Jahre – im Leistungssport eine lange Zeit - trug Dieter Burkhardt damals das Trikot der RSG-Nürnberg, deren erfolgreiche Geschichte er in diesen Jahren ganz wesentlich mitprägte. Auch nach seiner aktiven Laufbahn, in der er zwölf Jahre zum Nationalkader zählte und rund 120 Rennen gewann, blieb Dieter Burkhardt bis heute dem Zweirad und dem Radsport eng verbunden. Ab 1987 war er 16 Jahre als PR- und Marketing-Chef der Nürnberger Hercules-Werke im Einsatz. Nachdem sich diese vom Standort Nürnberg zurückzogen, übernahm Dieter Burkhardt im Nordosten Nürnbergs das renommierte Fahrrad-Geschäft des Herpersorfer Ex-Meisters Jürgen Goletz. Seitdem ist die Firma „RADSPORT BURKHARDT“ nicht nur für die fränkischen Radfreaks ein Begriff:„ Bei uns finden die Kunden jede Art von Rädern und dazu auch die richtige Bekleidung“, betont der Ex-Meister.

Pasted Graphic 8
Begonnen hat Dieter Burkhardt´s sportlicher Lebenslauf nicht auf dem Rennrad: „ Als Schüler habe ich mehrere Jahre begeistert Fußball gespielt“, erinnert sich der heute 53-Jährige. „Auf dem Heimweg vom Fußballplatz trat Dieter Burkhardt dann meist sehr stramm in die Pedale seines Tourenrades, so stramm, dass er selbst bei den Jugendfahrern des Radsportvereins – die auf gleicher Strecke trainierten - locker mithielt.“ Kein Wunder, dass der „schnelle Fußballer“ über Schulfreunde zum RV 89 Schweinfurt fand und bald erste Jugendrennen fuhr, obwohl er noch immer genau so eifrig kickte. Erst ein Jahr später, nachdem er sich seinem Heimatverein, der SG Dittelbrunn anschloss, bei dem Ex-Profi Ludwig Geyer den Nachwuchs betreute, hängte Dieter Burkhardt als 14-Jähriger die Fußballstiefel endgültig an den Nagel. Sehr schnell bewies er nun sein außergewöhnliches Talent im Rennsattel. Gerne denkt er zurück an erste heiße Duelle mit dem Nürnberger „Radbaron“ Friedrich von Loeffelholz, der damals als Jugendfahrer eine ebenso erfolgreiche Karriere startete: „ 1971 gewann ich vor Friedrich die bayerische Straßenmeisterschaft der Junioren“, erinnert sich Burkhardt, der 1972 erstmals für die Nationalmannschaft der Junioren nominiert wurde. Der erfolgreichste Abschnitt seiner langen Karriere begann 1977 als sich der 21-jährige Dittelbrunner als Amateur der erst 1973 gegründeten „RSG-Franken Katzwang“ ( später RSG Nürnberg) anschloss , in der bereits Friedrich Von Loeffelholz und Dieter Flögel für Furore sorgten. Diesen Schritt hat Dieter Burkhardt nie bereut, denn das Erfolgstrio Burkhardt/Flögel/von Loeffelhoz gab damals in Bayern und sehr bald auch bundesweit souverän den Ton im Straßenrennsport der Amateure an. Die drei schnellen Franken stellten bei Rundfahrten und Weltmeisterschaften für viele Jahre das Rückgrat der deutschen Strassen-Nationalmannschaft. 1979, 1981 und 1985 wurde Dieter Burkhardt mit dem RSG-Vierer Deutscher Mannschaftsmeister über 100 Kilometer, 1982 gewann er in Rosenheim vor dem späteren Weltklasse-Profi Rolf Gölz im mitreißenden Finish die Einer-DM! Die Art und Weise, in der die Katzwanger Cracks den Straßenrennsport der Amateure dominierten, beeindruckte nicht nur die fränkischen Fans. Auch in der Chefetage der Firma Hercules war man begeistert. So begeistert, dass der heimische Fahrradhersteller zum großzügigen Sponsor wurde, nach dem sich der kleine Verein ab 1980 „RSG-Hercules Nürnberg“ nannte. Eine solche Namensänderung, verbunden mit Werbung, war seinerzeit innerhalb des Bundes Deutscher Radfahrer jedoch ebenso wenig erlaubt, wie die effizienten neuen Team-Strukturen mit denen die Nürnberger Cracks ihre Rennen fuhren - und gewannen! Es kam schließlich zum Eklat: Als „Rebellen“ wurden die RSG-Fahrer im Olympia-Jahr 1980 rigoros vom Bund Deutscher Radfahrer von der Nationalmannschaft ausgeschlossen! Heute lacht Dieter Burkhardt darüber, wenn er feststellt: „ Wir waren damals einfach um einiges voraus. Wenige Jahre später folgten unserem Beispiel die Dortmunder und dann fanden sich bald weitere Vereine, die nach unserem Sportgruppen-Konzept arbeiteten. Der Erfolg sprach schließlich so deutlich dafür, dass der BDR , wenn auch spät, sein Reglement änderte.“
Eigentlich wollte Dieter Burkhardt 1985, nachdem er die RSG-Hercules Nürnberg zum dritten Mal zum Vierer-DM-Titel führte, seine Karriere beenden. „ Doch dann hatte ich einen sehr schweren Autounfall und die Saison 1985 war gelaufen. So wollte ich mich nicht verabschieden“. Umso größer war Burkhardt´s Ehrgeiz im folgenden Jahr. Neben zahlreichen Siegen wollte er in seiner letzten Saison vor allem bei der Straßen-DM noch einmal ganz vorne dabei sein. “Die DM in Bann war 1986 eine extreme Hitzeschlacht auf einem sehr schweren Kurs, doch wir hatten alles gut im Griff“, erinnert sich Dieter Burkhardt an sein letztes großes Rennen, das er fast noch gewonnen hätte: „ Die Nürnberger und die Dortmunder gaben bei dieser DM einmal mehr souverän den Ton an. In der letzten Runde fuhr der Dortmunder Bernd Gröne zusammen mit Werner „Kiko“ Stauff ab, der in dieser Saison für Nürnberg fuhr. „Gröne galt damals zwar auch als gefährlicher Sprinter, doch ich war sicher, Kiko fährt das Ding nach hause“, erinnert sich Dieter Burkhardt, der mit seiner Prognose richtig lag und das Feld der Verfolger kontrollierte. Stauff gewann den Titel vor Gröne und Dieter Burkhardt wuchs eine halbe Minute später im rasanten Massensprint des heranbrausenden Feldes noch einmal über sich hinaus. Als strahlender Dritter der DM stieg er mit Gröne und Stauff zum 12. Mal auf ein DM-Treppchen!
1987 hängte Dieter Burkhardt zwar seine Rennmaschine an den berühmten Nagel, doch für die RSG-Nürnberg war er als langjähriger 1. Vorsitzender noch viele Jahre unermüdlich im Einsatz. Beim späteren Profi-Team NÜRNBERGER , das 1996 aus der RSG entstand, fungierte Dieter Burkhardt bis zum Ende 2001 als Geschäftsführer und Sportlicher Leiter. 1991 war er einer der Mitbegründer des Radrennens „Rund um die Nürnberger Altstadt“, das heuer zum 17. Mal stattfand und bis heute gehört er der Sportkommission der Stadt Nürnberg an. Den Straßen-Rennsport verfolgte Dieter Burkhardt noch aufmerksamer, seit sein Sohn Holger erfolgreich im Sattel sitzt, der Ende dieses Jahres vom Milram-Continental-Team zum „FC Rheinland-Pfalz/Saar Mainz“ wechselte. Trotz der vielen negativen Ereignisse im Profisport der letzten Jahre hat Dieter Burkhardt seinen Optimismus nie verloren: „Der Radsport ist eine der schönsten und schwersten Sportarten und er wird sich – wenn auch nur langsam - auch wieder erholen“, ist der vierfache Ex-Meister überzeugt.

Aus der Fachzeitschrift RADSPORT 01/09
Text und Fotos: Manfred Marr

Brandenburg-Rundfahrt: Holger Burkhardt gewinnt zweite Etappe

Senftenberg (rad-net) - Holger Burkhardt vom Milram Continental Team hat die zweite Etappe der 5. Brandenburgrundfahrt gewonnen. Der 20-jährige Nürnberger verwies auf der Etappe über 160 Kilometer von Spremberg nach Senftenberg Dominik Nerz vom Team Ista und Sebastian Köcker (MLP-Team) auf die Plätze zwei und drei. Der Etappenzweite Dominik Nerz übernahm das gelbe Trikot von Roger Kluge (LKT Team Brandenburg) der nun auf Platz zwei liegt.
In den zu fahrenden fünf Runden um Senftenberg konnte sich zunächst eine vierköpfige Spitzengruppe, die teilweise 1:30 Minuten Vorsprung hatte, absetzen. Auf den letzten Kilometern forcierte das Hauptfeld allerdings mächtig das Tempo und der Vorsprung schmolz bis auf 50 Meter. Im Sprint behauptete sich in der schwierigen Zieleinfahrt zum Senftenberger Holger Burkhardt ( Milram Continental).


Pasted Graphic 6

RSG Nürnberg History

Es war einmal . . . So beginnen alle Märchen. Wie ein Märchen begann vor 30 Jahren das erfolgreichste Kapitel der Nürnberger Radsportgeschichte. Ein Kapitel, das in diesen Tagen zu Ende geht: Aus der am 19. Dezember 1972 gegründeten Rennsportgemeinschaft (RSG) der beiden Klubs RC 50 Erlangen und „Verein-Sportplatz Nürnberg“ entwickelte sich 1973 die „RSG-Paintco-Franken“, die 1975 zur „RSG Franken Katzwang “ und 1980 zur RSG Hercules Nürnberg“ wurde.

Webphp

Im Jahr 1990 kam die Nürnberger Versicherung als Sponsor hinzu, das Team nannte sich seitdem RSG Nürnberg. Daraus entstand 1996 die erste deutsche GS II-Profi-Mannschaft: das Team Nürnberger. Nach der Saison 2002 kam für Nürnbergs Elite-Radler — nach sieben Profi-Jahren — das Aus, weil sich der Hauptsponsor vom Straßenrennsport im Männerbereich zurückzieht. Ein neuer Sponsor ist trotz intensiver Bemühungen nicht zu finden. Künftig sponsert die Nürnberger Versicherung nur noch die Equipe, das Frauen-Team.

Boom in Herpersdorf

Drei Jahrzehnte lang hat die RSG deutsche Radsportgeschichte geschrieben: 32 deutsche Meistertitel, rund 800 große Siege und ein Vize-WM-Titel wurden auf Bahn und Straße erkämpft. Eine Ära geht zu Ende, die den deutschen Radsport nachhaltig geprägt und wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt hat. 1972 hatte nur beim RC Herpersdorf der Radrennsport noch geboomt. Die tradtionsreichen Nürnberger Radsportvereine RV Union, RC Schwalbe, Ring Nürnberger Rennfahrer und Tourenclub Nürnberg existierten zwar zu Beginn der 70er Jahre noch, doch ihre leistungssportbezogenen Perspektiven waren in jenen Jahren mehr als bescheiden. Die wenigen echten Radsporttalente der alten Nürnberger Vereine wechselten deshalb fast alle nach Herpersdorf, wo die Fahrer wie in keinem anderen Nürnberger Verein gefördert wurden.

Um die Situation zu verbessern, besuchte 1970 Joachim Kröniger, damals Straßenamateur beim Ring Nürnberger Rennfahrer, die Nürnberger Vereine und schlug einen Zusammenschluss zu einer „Renngemeinschaft“ vor. In allen vier Vereinen fand Kröniger zwar eine gewisse Zustimmung, meist von den wenigen Aktiven, doch die Vereinsleitungen lehnten ab.

RG mit Erlangen

Die erste Rennsportgemeinschaft (RG) entwickelte sich aus dem Schulsport: 1968 bot Kröniger in den Ferien erstmals eine Neigungsgruppe „Bahnfahren“ an. Nach drei erfolgreichen Rennjahren seiner „Radsportschüler“ fand Kröniger in Kurt Albert vom RC 50 Erlangen einen aufgeschlossenen Partner, um seine Idee der RG doch noch zu verwirklichen: Am 19. Dezember 1972 riefen neun Gründungsmitglieder des Erlanger Vereins und des Vereins „Sportplatz Nürnberg“ die „Renngemeinschaft Franken“ ins Leben. In beiden Jugendklassen war die RG in Bayern tonangebend, wurde Dritter der Vierer-Meisterschaft der A-Jugend und Zweiter in der B-Jugendklasse.

Junge und erfolgreiche Rennfahrer hatte man inzwischen bei der Renngemeinschaft Franken genug, doch nun zeichnete sich ein anderes Problem ab: Die Finanzierung des Rennbetriebs wurde mit steigender Anzahl Aktiver immer problematischer. Man war deshalb gewungen, weitere Trägervereine oder einen Sponsor zu finden. „Allein mit dem Idealismus der kleinen Gruppe der Funktionäre und Betreuer können wir nicht mehr weiterkommen“, stellte Jochen Kröniger 1974 fest.

Als Retter in der Not erwies sich schließlich Ernst Feigl vom RSC Fürth, der Inhaber des Radsporthauses Schertl. Er konnte seinen Verein und den zweiten Vorsitzenden des ARSV Katzwang, Peter Arnold, für die RSG gewinnen: Am 24. November 1973 erhielt die RG mit dem RSC Fürth, dem ARSV Katzwang, dem RC Bavaria Neumarkt, und dem Tourenklub Schwabach, die sich ebenfalls anschlossen, vier weitere Trägervereine. Die vergrößerte Renngemeinschaft nannte sich „RSG Paintco Franken“ — mit dem ersten offiziellen Sponsor in der bayerischen Radsportszene. RSG-Boss Helmut Möckel wurde jedoch von Insidern als „Großmaul“ bezeichnet, als er 1974 verkündete: „Wir werden ein Team von Straßenamateuren aufbauen, das zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen einmalig ist. Später könnte daraus eine Nürnberger Profi-Mannschaft entstehen.“ Er warseiner Zeit um 20 Jahre voraus.

Olympia-Medaille verpasst

Von 1976 bis 1979 ging es bei der RG, die sich nun RSG Franken Katzwang nannte, kontinuierlich bergauf: Mit Friedrich von Loeffelholz, der inzwischen zu Deutschlands besten Straßenamateuren zählte, stellte die RSG einen Olympia-Teilnehmer. Der „Rad-Baron“, wie der blonde Maschinenbau-Student genannt wurde, war jüngster Fahrer des bundesdeutschen Olympia-Vierers, in dem der heutige Bundestrainer Peter Weibel aus Mannheim als Kapitän fuhr. Alle Quälerei reichte im August 1976 in Montreal bei über 30 Grad Hitze nicht zum Erfolg: „Lumpige 15 Sekunden fehlten uns nach 100 Kilometern zur Bronzemedaille“, ärgert sich von Loeffelholz noch heute.

Eines war trotzdem klar: Von Loeffelholz, Dieter Burkhardt und Dieter Flögel — die großen drei des Nürnberger Radsports — waren nicht mehr zu stoppen. Die Radler der RSG räumten auf Bahn und Straße Titel und Siege ab. Nachdem Klaus Burges bei den Amateurstehern und Gerhard Scheller im Amateur-Sprint 1977 erneut deutsche Meistertitel für die „Katzen“ erkämpften, war 1978 der erste Straßentitel überfällig. Allein von Loeffelholz stieg in diesem Jahr bei Straßenrennen 20 Mal als Sieger auf das Treppchen.

Trotz des eindrucksvollen Vierermeister-Titels endete das Rennjahr 1979 für die Katzwanger RSG mit erheblichen Sorgen, denn der immer größer und umfangreicher werdende Rennbetrieb konnte auf der bisherigen Vereinsbasis mit dem ARSV Katzwang nicht mehr finanziert werden. Krampfhaft suchte man deshalb nach einem größeren Sponsor — und fand ihn schließlich in Hercules. Mit Unterstützung des Fahrradherstellers und dem neuen Namen RSG Hercules Nürnberg war eine gute Basis für zehn weitere erfolgreiche Radsportjahre geschaffen.

Zehn Spitzenfahrer

1980 avancierten die Nürnberger zu Deutschlands erfolgreichsten Straßenfahrern. Mit Siegen am „Henninger-Turm“ in Frankfurt und beim „Ernst-Sach-Rennen“ in Schweinfurt verabschiedete sich von Loeffelholz mit 25 Jahren bereits vom Radsport. Ebenso erfolgreich verliefen für die RSG Hercules die Rennjahre 1983 und 1984 mit Siegen bei Klassikern und Etappenrennen. Im Jahr 1987, nach Burkhardts Karriereende, umfasste das RSG-Team zehn Spitzenfahrer.

Nicht leicht war es deshalb 1989, an frühere Erfolge anzuknüpfen, zumal man bei der RSG mit neun weniger bekannten Neulingen in die neue Saison ging. Doch auch die neue junge Gruppe zeigte enormen Ehrgeiz und holte 21 große Siege bei Eintages- und Etappenrennen. Das bisher größte Tief ihrer Geschichte erreichte die RSG Hercules im Jahr 1990, als Jochen Dornbusch, der heutige Frauen-Bundestrainer, als neuer sportlicher Leiter fungierte: Bei der Bundesliga-Gesamtwertung des Jahres reichte es gerade noch für Rang sieben, bei der Vierer-DM, bei der die RSG stets zu den Top-Favoriten zählte, kamen die Nürnberger auf Rang 25 ins Ziel.

Nürnberger als Sponsor

Nach dem Rennjahr 1990 war man mehr als enttäuscht und man machte sich ernsthafte Sorgen um den Fortbestand der RSG. 1991 kam aber frischer Wind aus dem Osten: Nach der Wiedervereinigung konnte RSG-Boss Dieter Burkhardt sechs junge Spitzenfahrer der ehemaligen „DDR“ für die RSG gewinnen: Gerd Audehm, Bert Dietz, Darius Matuszek, Steffen Rein, Mike Weissmann und Stephan Gottschling schlossen sich der RSG an.

Noch viel entscheidender aber war: Die Nürnberger Versicherung stieg als Sponsor bei der RSG ein. Damit hatte ein neues erfolgreiches Kapitel in der Geschichte der RSG begonnen, die weiterhin auch materielle Unterstützung durch die Firma Hercules erhielt. „Wir wollen wieder an der Spitze mitmischen“, verkündete Dieter Burkhardt bei der Vorstellung der neuen Fahrer, die mit ihren Frauen und Freundinnen ihren Wohnort nach Franken verlegten.

Burkhardt hatte nicht zu viel versprochen: Bereits im ersten Jahr legten die jungen Talente der einstigen großen Kaderschmieden in Cottbus und Leipzig dermaßen los, dass bundesweit alle Konkurrenten nur staunten. Steffen Rein setzte auf dem WM-Kurs in Stuttgart die Erfolgsserie als neuer Straßenmeister fort, Gerd Audehm gewann die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, und bei den schweren Klassikern holten die Neuen der RSG mehrere Dutzend Siege. „Die RSG hat in den vergangenen 15 Jahren weiß Gott unzählige bedeutende Sieg errungen, eine Saison aber, in der eine solche Anzahl größter Erfolge erkämpft wurden, hat es noch nie gegeben“, staunte selbst RSG-Gründer Jochen Kröniger nach dem Rennjahr 1991.

Die „Blauen“ schlugen zu

Die „Blauen“, wie man die schnellen Cracks im Trikot der Nürnberger Versicherung bald nannte – schlugen auch in den folgenden Jahren zu. „Die RSG Nürnberg ist nicht nur an die bundesdeutsche Spitze zurückgekehrt, sie zählt auch international zu den besten Amateurteams“, stellte man in Nürnberg nicht ohne Stolz fest. Nach Steffen Rein holten in den folgenden Jahren Stephan Gottschling und Bert Dietz die Einer-Straßen-DM 1992 und 1993, gewannen Klassiker und Etappen-Rennen im In- und Ausland, und auch bei dem seit 1991 stattfindenden Heimspiel „Rund um die Nürnberger Altstadt“ begeisterten sie die fränkischen Fans mit einer dreifachen Siegesserie (Gottschling 1991, Dietz 1992, Rein 1993).

In den Jahren 1991 bis 1995 war die RSG Nürnberg – deren Cracks pro Saison oft über 60 Siege errangen – bundesweit der erfolgreichste Radsportverein, wobei sich inzwischen als bayerische Neuzugänge Thomas Krön aus Strullendorf, Klaus Diewald aus Bogen, Andreas Valenta aus Regensburg und Alexander Kastenhuber aus Bad Reichenhall ebenfalls großartig entwickelten.

Sprung ins kalte Wasser

Nach gravierenden Änderungen des Radsportreglements durch den Weltverband UCI, der 1995 eine Einheitslizenz für nur eine Elite-Klasse einführte, reagierte man in Franken prompt und wagte mit der RSG Nürnberg 1996 den Sprung ins kalte Wasser. „Wir wechseln ins Lager der Profis, denn wir wollen auch künftig Leistungssport auf hohem Niveau betreiben, da bleibt uns keine andere Wahl“, begründete RSG-Boss Dieter Burkhardt seine Entscheidung, die auch der Hauptsponsor großzügig akzeptierte: Als erste deutsche Mannschaft der GS II wechselten die Nürnberger – wieder einmal richtungweisend für alle übrigen Spitzenmannschaften der Amateure – in das Lager der Profis.

Mit dem aus Wiesbaden neu hinzu gekommenen Top-Fahrer Jens Zemke als neuen Kapitän schlugen sich die zehn fränkischen Radrpofis in ihrer ersten Saison recht wacker. Mit konstant guten Leistungen und enormen Einsatz überzeugten die „Blauen“ in den ersten Profi-Jahren alle Skeptiker und überraschten immer öfter mit sensationellen Ergebnissen: Fast hätte es 1999 sogar für einen Weltcup-Sieg für das Team Nürnberger gereicht.

Altstadtrennen als Höhepunkt

Zu den Höhepunkten der vergangenen Jahre zählten für das Team Nürnberger vor rund 100 000 Zuschauern die zwei Siege der Lokalmatadoren Zemke und Schweda (1999 und 2000) beim Rennen „Rund um die Nürnberger Altstadt“, das inzwischen mit internationaler Topbesetzung stattfand. Trotz vier Bergmeistertiteln schwärmt Zemke noch heute: „Das Rennen 1999 war der schönste Sieg meiner Karriere.“

Mit 28 Siegen – 19 davon mit UCI-Status – sowie fünf großen internationalen Bahnerfolgen, die neben Thomas Liese der mehrfache Weltmeister und Olympia-Sieger Jens Lehmann für das Team Nürnberger erkämpfte, konnte man 2001 auf die bislang erfolgreichste Profisaison zurückblicken.

Eine weitere gute Saison schien zu beginnen, als eine Woche vor dem Frankfurter Klassiker am Henninger-Turm die Nürnberger Versicherung ihren Ausstieg als Sponsor nach zwölf Jahren im Straßenrennsport der Männer ankündigte: „Die finanziellen Anforderungen bei der Umsetzung in die Kategorie der internationalen Top-Teams sind explosionsartig gewachsen. Für unser Unternehmen ist es nicht mehr vertretbar, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten“, lautete die Begründung der Unternehmensleitung. Das bedeutete das Ende des Nürnberger Profiradsports bei den Männern.

AUTOR: MANFRED MARR, QUELLE: RADSPORT FORUM